Problemviertel

Wie die Stadt die Lebensqualität in Marxloh steigern will

Die Kaiser-Friedrich-Straße soll insgesamt attraktiver werden und mehr Aufenthaltsqualität bieten.

Die Kaiser-Friedrich-Straße soll insgesamt attraktiver werden und mehr Aufenthaltsqualität bieten.

Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Duisburg.   Zu laut, zu dreckig, zu arm. In Marxloh muss sich viel tun, damit sich der Stadtteil positiv entwickelt. Auch Abriss von Häusern gehört dazu.

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Die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Stadtteils sind denkbar ungünstig: „Marxloh ist jung“, heißt es zwar im neuen Strategiepapier für die geplante Aufwertung. Der Altersdurchschnitt liegt bei nur 36,4 Jahren. Aber: „Marxloh ist arm“. 40 Prozent seiner Bevölkerung werden so eingestuft.

Und das bedeutet: Um ihre formale Bildung steht es nicht gut, um Gesundheit und Ernährung auch nicht. Dafür haben die Marxloher viele Kinder. Niedrige Einkommen haben eine bescheidene Kaufkraft zur Folge. Die Mieten sinken. Die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Aber auch klimatisch und ökologisch ist die Situation ungünstig: Hohe bauliche Verdichtung und ein hoher Grad der Flächenversiegelung sorgen für viel Wärme im Sommer und für schlechte Belüftung. Lärm- und Luftbelastung sind hoch, die Wohnqualität in weiten Bereichen schlecht. Es fehlt an Grün- und Freiräumen.

Weitere Spielgeräte

Dagegen soll zunächst, wie schon bei früheren Förderprogrammen, städtebaulich vorgegangen werden. Die Freiraumsituation wird dabei vor allem im Westen des Stadtteils und von dort aus verbessert, vom Schwelgernstadion und -park aus.

Nachdem einige neue Fitnessgeräte in der Grünanlage „Park an der Entenstraße“ gut angenommen wurden, ist geplant, an einem Weg, der noch gebaut werden muss, in der östlichen Wiesenfläche acht weitere solcher Geräte aufzustellen und sogar teilweise zu überdachen.

Der Spielplatz im Bereich Gill­hau­senstraße/Rudolfstraße wird ge­mäß den Wünschen der Bewohner zu ei­nem weiteren Platz der Begegnung umgestaltet. Und damit dort nicht abends ungebetene Gäste durch Vandalismus, Abladen von Müll und Drogenhandel auffallen, wird die vorhandene, vier bis sechs Meter hohe Bepflanzung stark gelichtet, damit der Platz einsehbar wird und künftig kein Angstraum mehr ist. Offener gestaltet wird auch die Wegeverbindung zur Gertrudenstraße mit der Aufenthaltsfläche hinter der Sporthalle der Gesamtschule. Das ehemalige Kindergartengebäude dort und weitere Gebäude an der Sporthalle können abgerissen werden. Dafür sind über 500.000 Euro vorgesehen. Die Bezirksvertretung Hamborn hat den Baubeschluss gefasst.

Geld für die Sportvereine

Damit sich das Geschäftsleben künftig nicht nur auf die Weseler Straße und die unmittelbar angrenzenden Bereiche einiger Seitenstraßen erstreckt, ist vorgesehen, das Kaiser-Friedrich-Quartier deutlich zu beleben. Vier Schritte sind dabei angedacht: a) eine bessere Auslastung des Parkplatzes an der Kaiser-Friedrich-Straße durch eine gute Wegeverbindung zur Weseler Straße, b) eine bessere Verbindung auch zum August-Bebel-Platz, verbunden mit mehr Aufenthaltsqualität in der Einkaufspassage, c) eine attraktivere Eingangssituation an der Kaiser-Friedrich-Straße mit mehr Aufenthaltsqualität und d) die Mobilisierung privater Investitionen, vor allem bei Schlüsselimmobilien wie dem Helene-Fengels-Haus.

Erstmals wird nach dem Abbruch von Häusern für den Grüngürtel auch an den Abbruch von Häusern im Quartier aus Hagedorn-, Henrietten-, Rolf- und Kaiser-Wilhelm-Straße gedacht. Dazu müssten sie von der Stadt angekauft werden. Zuvor soll aber einerseits geprüft werden, ob Zuwanderer dort die Möglichkeit erhalten können, sich solche Schrottimmobilien unter fachlicher Anleitung nach modernen Standards selbst zu sanieren. Andererseits sollen die möglichen sozialen Folgen eines Abbruchs ganzer Blocks untersucht werden.

Schließlich sind drei Millionen Euro vorgesehen, um die Sportanlagen an der Warbruckstraße so umzugestalten, dass sie zu einem weiteren attraktiven Begegnungsort vor allem für jüngere Menschen werden. Kapazitätsengpässe für die dort aktiven Vereine sollen dabei beseitigt werden. Im Einzelnen sind der Neubau eines Integrativen Begegnungszentrums bei SV Rhenania Hamborn geplant, ebenso dort getrennte Umkleideräume für Mädchen und Frauen sowie ein Kunstrasenspielfeld. Beim FSV Duisburg erhalten die Männer neue Umkleiden und Aufenthaltsräume. MTV Union Hamborn bekommt ein Kunstrasenspielfeld.

In der Bezirksvertretung kritisierte die AfD, dass der Verein Gelb-Weiß Hamborn ebenfalls gute Integrationsarbeit leiste, jedoch außenvor bleibe. Man habe keine Möglichkeit gesehen, ihn an diesem Projekt zu beteiligen, hieß es.

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