Stadtgeschichte

Walsums hässliche Visitenkarte

Die Brandruine des Vierlindenhofes in Duisburg-Walsum.

Die Brandruine des Vierlindenhofes in Duisburg-Walsum.

Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

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Walsum. Was aus dem einstmals denkmalgeschützten Vierlindenhof wird, der am 17. Mai vergangenen Jahres in Flammen aufging und bis auf die Grundmauern niederbrannte, steht in den Sternen.

Nicht nur der Anblick der Ruine stört so manchen Bürger: Auch die Notabsperrung des Areals, die den gesamten Gehweg einnimmt, stößt sauer auf. Denn: Fußgänger sind gezwungen, auf die schmale Straße auszuweichen. Da es sich auch um den Weg zu einem benachbarten Kindergarten handelt und somit auch Kleinkinder dort unterwegs sind, will Bezirksbürgermeister Heinz Plückelmann nun aktiv werden. Schon in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung soll das Thema angesprochen werden. Sein erstes Ziel: Den Gehweg frei räumen zu lassen. Sein zweites: Die Ruine los zu werden, da sie nicht gerade als Visitenkarte für Walsum tauge.

Nach dem Vierlindenhof wurde der Walsumer Stadtteil in den 1920er Jahren benannt, berichtet Helmut Schorsch, Chef des Heimatvereins Walsum. Zum Gehöft aus dem 14. Jahrhundert gehörten anfangs mehrere Gebäude, das jetzt in Trümmern liegende stammt von 1819. Nach dem Brand ist nichts mehr übrig geblieben, was schützenswert ist, deshalb wurde der Bau Ende vergangenen Jahres aus der Denkmalliste genommen. Der Bezirksbürgermeister will deshalb auch prüfen lassen, ob man städtischerseits Druck auf die Eigentümer ausüben kann, damit sie das Areal freiräumen.

In den 1980er Jahren begann eine Aktion zur Rettung des Hofs

In den 1980er Jahren begann eine Diskussion um den Hof: retten oder abreißen?, lautete damals die Frage. Die Walsumerin Hilde Meier startete eine Unterschriftenaktion mit dem Ziel, das Vierlindener Wahrzeichen zu erhalten.

Damals wurde auch der Heimatverein gefragt, ob er den Bau nicht als Vereinssitz übernehmen wollte. Schorsch schaute ihn sich mit Fachleuten an und entschied: „Das ist nichts für uns.“ Zum einen, weil das Haus ziemlich abgewirtschaftet gewesen sei, zum anderen, weil der Keller unter Wasser stand. „Die Schäden zu beheben, dafür hatten wir gar kein Geld“, sagt Schorsch. Ein Statiker habe ihm damals gesagt: Der Bau sei nicht zu retten, man solle ihn besser gleich abreißen. Trotzdem fand sich ein Käufer, das Ziegelsteingebäude wurde laut Schorsch z. B. als Lager genutzt.

Seit geraumer Zeit stehen nur noch zwei Linden vor dem knapp 200 Jahre alten Bau. Schorschs würde sich freuen, wenn an der Stelle alsbald zwei nachgepflanzt würden, zur Erinnerung an die Stelle, dem der Ortsteil seinen Namen verdankt.

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