Brauchtum

Tierisch religiöse Marxloher

Beim 21. Ökumenischen Tiergottesdienst an der Kreuzeskirche bekamen Vierbeiner den Segen. Das Unterhaltungsprogramm erfreute Mensch und Tier.Foto: UteGabriel

Beim 21. Ökumenischen Tiergottesdienst an der Kreuzeskirche bekamen Vierbeiner den Segen. Das Unterhaltungsprogramm erfreute Mensch und Tier.Foto: UteGabriel

Marxloh.   Auf dem Außengelände der Kreuzeskirche gab es den Segen für Mensch und Tier. Anja Humbert und Petra Cruse hatten viele Helfer.

Knapp 150 Zweibeiner und etwa 30 Fellnasen haben gemeinsam den 21. ökumenischen Tiergottesdienst auf dem Gelände rund um die Marxloher Kreuzeskirche besucht.

Dabei ging es so lange friedlich zu, wie die Besitzer bei ihrer Platzwahl die territorialen Ansprüche am anderen Ende der Leinen im Blick behielten. Die einen schauten ins Programm, genossen die Sonne und kamen mit der Nebenfrau ins Gespräch.

Die anderen warfen sich schnaufend unter die Bierbank, gruben sich eine kühlende Kuhle in den Pfarrgarten oder grollten aus tiefer Kehle über ein unverschämtes Mitgeschöpf, das sich ungebeten rumschnüffelnd annäherte.

Das Segnen an der eigenen Katze geübt

Begrüßt wurde die bunte Herde aus Gemeindeschäfchen und anderen Tieren von Anja Humbert, der evangelischen Pfarrerin, und Petra Cruse, der katholischen Gemeindereferentin von St. Johann. Cruse, die zum ersten Mal den aktiven Part der Tiersegnung übernehmen wollte, hatte das Segnen morgens daheim an ihrer eigenen Katze geübt. „Das fand die jetzt nicht so klasse, vermutlich wegen des Wassers“, bekannte sie freimütig.

Im Gottesdienst kam die Rede auf die Verantwortung der Menschen für das Wohlergehen aller Kreaturen auf Erden. „Wir wissen dass Gott sich das einmal anders gedacht hat“, sagte Humbert im Hinblick auf die Ausbeutung und Quälerei von Tieren als Fleischlieferanten, Sportgerät oder Spielzeug.

Aus tierischer Sicht besonders interessant war wohl der Gemeindegesang. Mancher Gottesdienstteilnehmer, der bei dem schönen Wetter fröhlich „Geh aus mein Herz und suche Freud“, schmetterte, wurde für diese ungewohnte Lautäußerung von seinem aufgeschreckten Haustier sehr erstaunt betrachtet. „Wieso jault Herrchen denn jetzt bloß so?“, stand in dem ratlosen Hundeblick zu lesen.

Weihwasser ohne Salz

Im Weihwasser hatte Petra Cruse vorausschauend auf das sonst beigefügte Salz verzichtet. Bei der Segnung gönnte sich der durstige braune Labrador Eddie einen guten Schluck aus dem dargebotenen Kessel. Andere Vierbeiner taten es ihm nach.

„Die guckt halt, wie sie guckt“, beruhigte Pfarrerin Humbert die etwas hundeängstliche Referentin. Die segnete tapfer Bertha, einen grimmig dreinblickenden schwarzen Faltenhund mit Knitterschnauze und blauer Zunge.

Besonderen Stress hätte eigentlich auch die einzige Katze unter so vielen Hunden empfinden müssen. Aber der arme getigerte Kater hatte andere Probleme. Er lag, von seiner Besitzerin mit Kopfkissen, Windel und Babydecke ausgestattet im Kinderwagen. „Ein neurologisches Problem!“, erklärte Frauchen leise. Und ein verstörender Anblick.

Dank an die vielen Helfer

„Ich bin so froh über den großen Kreis der Helfer, die das hier alles selbstständig organisiert haben, die kommen teilweise gar nicht aus unserer Gemeinde“, sagte Pfarrerin Humbert. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für die Tiergottesdienste, auch weil sie ein anderes Publikum anlocken, als andere Gottesdienstformen.

Mit Kinderschminken am Jugendbus, Wasserspielen der Jugendfeuerwehr, Hunde-Parcours, Kirchhoftrödel und Seniorensommerfest ging der Tag rund um die Kreuzeskirche weiter.

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