Theaterprojekt

Theaterspielen als Quelle neuen Mutes bei der Arbeitssuche

Franz Woyzeck (rechts, Desiree Koebsch) hat kein gutes Verhältnis zu seiner Geliebten Marie.

Franz Woyzeck (rechts, Desiree Koebsch) hat kein gutes Verhältnis zu seiner Geliebten Marie.

Foto: Kerstin Bögeholz

Duisburg-Marxloh.  Arbeitslose Duisburger Jugendliche lernen durch die Mitarbeit in einem Theaterstück, ihre Stärken zu entdecken. Jobcenter wirkt ebenfalls mit.

Arbeitslos ist man schneller, als man manchmal glauben mag. Für ältere Jahrgänge ist es dann besonders schwierig, eine neue Stelle zu finden. Doch auch junge Menschen wissen manchmal nicht mehr weiter und benötigen ganz neue Ansätze: Ein solches ist das Projekt JobAct, bei dem Jugendliche und junge Erwachsene im Rahmen eines Theaterstücks ihre Stärken entdecken sollen. Am Donnerstagabend führte die diesjährige Kursgruppe Georg Büchners „Woyzeck“ im Regionalzentrum Nord auf.

„Wir wollen die Jugendlichen aktivieren und körperlich wie geistig in Bewegung bringen“, sagt Projektmanagerin Ronja Gerlach. „Sie alle sind entweder arbeitslos, haben keinen Schulabschluss oder ihre Ausbildung abgebrochen, weil sie vielleicht nicht glücklich damit waren. Unser Ziel ist es, sie mit Kunst und Kreativität zurück auf den Weg zu bringen und sie in Arbeit zu vermitteln“, sagt Gerlach. „Die Jugendlichen erleben häufig Stigmatisierung, weil sie Leistungen vom Jobcenter beziehen. In dem Theaterprojekt zeigen wir ihnen, wie sie den Weg aus dieser Krise finden können“, sagt sie.

Einige Dutzend Zuschauer sind zu der Aufführung des Dramas gekommen

Einige Dutzend Zuschauer sind zu der Aufführung des Dramas gekommen. Während der Vorführung spielt die Gruppe O-Töne der Protagonisten ein, die von ihren Erlebnissen in der Arbeitswelt erzählen. Träger des JobAct-Projekts sind die Projektfabrik und die Duisburger Werkkiste. Die Proben fanden wie die Aufführung im Jugend- und Kulturzentrum und im städtischen Regionalzentrum Nord statt. Die Finanzierung übernahm das Jobcenter Duisburg.

Zu dem Theaterprojekt gehören aber nicht nur Anleitung in Schauspielkunst, Tanz und Medienpräsenz, sondern auch Bewerbungstrainings und gezieltes Coaching. „Es geht darum, die Stärken zu stärken, die die Jugendlichen vielleicht noch nicht sehen“, sagt Beate Blumenthal, Bereichsleiterin des Jobcenters. „Und wir vermitteln auch die Dinge, auf die es auf der Arbeit ankommt: Disziplin, Mut, Durchhaltevermögen.“ Wie die Performance auf der Bühne sei auch die Performance im Bewerbungsgespräch ausschlaggebend. Das Projekt sei bereits jetzt erfolgreich: „Sechs von 19 Teilnehmenden haben eine Ausbildung, zwei eine Arbeit“, sagt Blumenthal.

Ursprünglich kommt Koebsch aus Hamburg, seit zwei Jahren lebt sie in Duisburg

Die Rolle des Woyzeck hatte Desiree Koebsch übernommen. „Eigentlich sollte die jemand anders spielen, aber der ist irgendwann nicht mehr gekommen. Also bin ich eingesprungen“, sagt sie. Mit dem labilen Soldaten, der der Schuhabstreifer seiner Vorgesetzten und auch seiner Geliebten ist, könne sie sich gut identifizieren: „Woyzeck ergeht es wie mir: Ich wurde in der Schule gemobbt und lebe wie er ein bisschen in meiner eigenen Welt“, sagt die burschikos wirkende 22-jährige. Ursprünglich kommt Koebsch aus Hamburg, seit zwei Jahren lebt sie in Duisburg.

Teilnehmerin: „Genau das Richtige“

„Ich werde durch das Jobcenter betreut, weil ich als noch nicht ausbildungsfähig gelte. Ich habe aber immer gern gemalt und bin sehr kreativ. Da meinte das Jobcenter, das Theater-Projekt wäre doch was für mich – und sie hatten Recht“, sagt sie. „Ich habe mich auch sehr drauf gefreut und hatte deswegen auch eine Menge Spaß, auch wenn es mal schlechte Tage gab. Bei den Proben waren immer viele Sozialpädagogen anwesend, die auch Verständnis hatten, wenn es einem mal nicht so gut ging.“

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