Stadtgeschichte

St.-Camillus-Hospital im Dorf Walsum besteht seit 110 Jahren

Das Camillus-Hospital nach dem Bombenangriff 1942.

Das Camillus-Hospital nach dem Bombenangriff 1942.

Foto: Archiv Heimatverein Walsum / Heimatverein Walsum

Duisburg-Alt-Walsum.  In der Camillus-Klinik sind die meisten alten Walsumer geboren. Seit 40 Jahren ist das Duisburger Krankenhaus eine Spezialklinik für Suchtkranke.

Als „ganz normales Krankenhaus“ ist das „Camillus“, wie das Walsumer Krankenhaus im Volksmund genannt wird, vor 110 Jahren in Betrieb gegangen. „Ein Großteil der alten Walsumer ist dort geboren“, weiß Helmut Schorsch (87), Vorsitzender des Heimatvereins. Das sind diejenigen, die auch im Pass noch als Walsumer geführt werden. Ende dieses Jahres jährt sich die Umwandlung zur „Suchtklinik“ zum 40. Mal.

Bereits 1902 forderten die Walsumer ein eigenes Krankenhaus. Im Jägerhof fand am 11. Mai 1902 ein Wohltätigkeitskonzert „zum Besten eines Krankenhauses in Walsum“ statt, wie man der Ruhrorter Zeitung entnehmen kann. 1907 nahm die Idee konkrete Formen an: Der Hamborner Generalanzeiger berichtete, dass der Bischof in Münster die Pläne genehmigt habe und das Grundstück, das von der Firma Thyssen stammte, bereits vermessen sei. 1909 starteten die Bauaktivitäten, 1910 ging das Haus in Betrieb – finanziert durch die Kirchengemeinde St. Dionysius. Die Leitung hatte der Arzt Dr. Schlagermann übernommen. Er verstarb 1929.

Schallschutz und strikte Hygiene wurden großgeschrieben

Nur zwei Jahre vor seinem Tod fasste der Mediziner den Beschluss, das Haus zu vergrößern – wegen der wachsenden Bevölkerung in Folge der Industrialisierung. Ein OP-Saal und 120 weitere Betten entstanden 1927/1928. Um das Umfeld aufzuwerten, beschloss die Gemeindeverwaltung, die Kirchstraße zu verbessern – durch neuen Fahrbahnbelag und die Sperrung als Durchgangsstraße, damit die Ruhe der Patienten gewährleistet war.

Schon damals legte man Wert auf Schallschutz (z.B. entsprechende Bodenbeläge) und höchste Hygiene (viele Bereiche gekachelt). Und man sorgte dafür, dass die Patienten allesamt einen Blick auf den Rhein hatten. Auch eine Kinderstation entstand – „damit Eltern beim kranken Nachwuchs bleiben konnten“.

In der Nacht zum 10. März 1942 prasselten Bomben auf das Haus – große Teile wurden zerstört. Vier Menschen kamen dabei ums Leben. „Englische Luftpiraten“ hätten „einen Angriff auf Wohnbezirke unternommen“, berichtete die National Zeitung am 12. März 1942.

Am Kriegsende gab es 24 Betten für Diphtherie-Patienten

Ein Jahr später war das Haus soweit repariert, dass wieder 100 Patienten versorgt werden konnten. Doch 1945 wurde es erneut von Bomben getroffen. Wiederum ein Jahr später war alles repariert, jetzt gab es Zimmer für 170 Patienten – inklusive einer Diphtherie-Station mit 24 Betten.

1950 wurden die Betten knapp: Walsum hatte inzwischen 40.000 Einwohner, aber nur dieses kleine Hospital. In den Nachbarstädten war die Situation kaum besser, es gab also kaum Ausweichmöglichkeiten. Aber einen Neubau konnte man nicht finanzieren. 15.000 Mark, hatte man kalkuliert, koste ein Krankenbett. 1964 wurde über eine Erweiterung nachgedacht, 1977, also zwei Jahre nach der Eingemeindung zu Duisburg, hieß es schließlich: Wegen Bettenüberhangs soll das Krankenhaus auslaufen. Man wollte es zunächst als Langzeitpflegeheim nutzen. Doch dann kam alles anders: Im Juni 1979 fiel der Beschluss, es in eine Suchtklinik umzuwandeln. Das geschah zum 1. Januar 1980. Drei Jahre später verließen die letzten sechs Franziskanerinnen, die im Krankenhaus Schwesterndienste geleistet hatten, das Hospital.

Heute gehört es zu St. Vinzenz und ist in der Trägerschaft der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe und der Gemeinde St. Dionysius

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