Zuwanderung Marxloh

Politik in Duisburg diskutiert die Probleme der Zuwanderung

Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer im Gespräch mit bulgarischen Anwohnern.

Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer im Gespräch mit bulgarischen Anwohnern.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Duisburg-Marxloh.  Beim Ortsrundgang der Hamborner Bezirksvertreter ging es um die Probleme der Zuwanderung – speziell in Marxloh. Dort gibt es seit Jahren Ärger.

Probleme der Zuwanderung waren beim dritten Rundgang der Hamborner Bezirksvertreter und anderer Stadtteilakteure Thema. Die Schulsituation in Marxloh hatte dabei einen breiten Raum eingenommen.

Regina Balthaus-Küper, die Schulleiterin der städtischen katholischen Grundschule an der Henriettenstraße, zeigte ihre Schule und nahm sich Zeit, um die vielen konkreten Fragen der Lokalpolitiker rund um den Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer (CDU) zu beantworten.

Unterricht sogar auf dem Schulflur

Das Raumproblem an der kompakten zweizügigen Henriettenschule wurde den Gästen schnell deutlich, denn hinter jeder Tür, die Balthaus-Küper öffnete, fand gerade etwas statt. „Hier sitzen auch schon mal kleinere Lerngruppen auf dem Flur, weil es nicht anders geht“, erläuterte die Schulleiterin.

Das gäbe dann zwar wieder Minuspunkte bei der nächsten Brandschutzbegehung, aber anders ginge es halt nicht. An der Schule lernen 200 Kinder in acht Klassen. Davon stammt der größte Teil, also etwa 150 Kinder aus Bulgarien, Rumänien und Syrien.

Besondere Förderkurse für leistungsstarke Schüler

Knapp 50 kommen aus dem Libanon und aus Afghanistan. Türkische Kinder gibt es kaum und auch deutsche Kinder sind selten geworden. „Viele Eltern melden ihre Kinder gar nicht bei uns an, weil sie fürchten, dass die hier nicht genug Lernstoff mitbekommen“, weiß die Schulleitung. Um solchen Ängsten entgegen zu wirken, bietet die Schule in Zusammenarbeit mit dem Verein Ziuma Förderkurse speziell für die leistungsstarken Schüler an. Die Voraussetzungen der aufgenommenen Kinder sind sehr unterschiedlich.

Es gibt viele, die kein Wort Deutsch sprechen und nie in einer Kita waren. Da heißt es halt, ganz von vorne anzufangen. Es gibt bitter arme Kinder, traumatisierte Kinder mit Fluchterfahrung und Kinder aus den geräumten Häusern, die ähnliche Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Da wären gute Möglichkeiten zur Differenzierung wichtig. Und Angebote für die Eltern, die oft Analphabeten seien und für Elternbriefe doppelt unerreichbar.

Die Schule könnte als Familienzentrum fungieren, ähnlich wie viele Kitas. Aber der Platz im schönen, alten Klinkerbau ist beschränkt und das Lehrpersonal sehr knapp. „Wir haben in der Bezirksvertretung die Zahlen von der Bezirksregierung bekommen und waren erstaunt, dass die Henriettenschule mit einer Lehrerabdeckung von nur 77,8 Prozent im Ranking ganz hinten lag“, sagt der stellvertretende Bezirksbürgermeister Claus Krönke (SPD) dazu.

Ärger über Müll und Lärm auf der Straße

Ein Statement ist der Schulleiterin bei allen strukturellen Problemen ganz besonders wichtig. „Die Arbeit hier tun wir mit so viel Freude und sie könnte gar nicht sinnvoller sein“, sagt sie, „die Kinder sind ganz toll. Sie lernen gerne und empfinden unsere Schule schnell als ein Stück Zuhause.“

Er habe aber persönlich schon Kinder gesehen, die städtische Briefe – wie Aufforderungen zum Schulbesuch – aus den Briefkästen eines Wohnblocks vernichtet hätten, hält ihr ein Gast entgegen. So etwas würde nicht unbemerkt bleiben, da käme dann ein Lehrer oder Schulsozialarbeiter vorbei, um die Kinder persönlich zum Schulbesuch abzuholen, versichert Balthaus-Küper, die auch schon Bußgeldverfahren eingeleitet hat. Aber weitaus lieber motiviere sie ihre Schüler durch ein gutes Lernangebot zum regelmäßigen Schulbesuch.

Vier geräumte Häuser an der Henriettenstraße

Draußen auf der Henriettenstraße weist Krönke Carsten Tum, den Geschäftsführer der EG DU, auf die mindestens vier geräumten Häuser allein auf dieser Straße hin. Es wäre gut, wenn da bald mal was passieren würde, damit die Wohnungen nicht ewig leer stehen“, mahnt er.

Um die Ecke auf der Kaiser-Wilhelm-Straße kommen die Bezirksvertreter mit den Kunden einer Trinkhalle ins Gespräch. Anwohner Friedhelm Ruchalla ist sauer. „Ich habe als Müllscheriff den Wirtschaftsbetrieben vor zwei Tagen eine wilde Kippe mit Sofa gemeldet, aber dat Zeugs steht immer noch da rum“, beklagt er sich bei Marcus Jungbauer.

Er bleibt als Anwohner der Rolfstraße mit Schlafzimmer nach vorne raus oft schlaflos in Marxloh, daher die schlechte Laune. „Die Kinder toben da bis mitten in der Nacht auf der Piazza rum und ich kriege kein Auge zu“, schimpft er, seine Kumpels nicken.

Gespräche mit libanesischem Imam über Clankriminalität

Das Problem ist der Politik nicht neu, die Überlegungen, wie man die Ecke um die sogenannte Piazza beruhigen könnte, laufen schon.

In einem wahren Gesprächs-Marathon informierten sich die Lokalpolitiker anschließend noch bei dem Imam einer libanesischen Gemeinde, der 200 Jugendliche betreut und bei den bulgarischen Anwohnern über ihr Lebensgefühl in Marxloh.http://Libanesen_in_Duisburg-Laar_leben_ohne_Perspektive{esc#11987049}[news]

Dabei ging es um so unterschiedliche Themen wie Clankriminalität im Widerspruch zu den Lehren des Islam und die gefährliche Autoraserei auf der Hagedornstraße. „Wir werden nur dann ein besseres Zusammenleben für alle Marxloher erreichen, wenn wir uns auch wirklich mit allen Gruppen regelmäßig austauschen“, betont Claus Krönke (SPD), der seine vielfältigen Kontakte genutzt hat, um die Stadtteil-Rundgänge zu organisieren.

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