Jugend und Politik

Özdemir gibt Schülern Tipps für politisches Engagement

Mahmut Özdemir (r.) sprach in Begleitung von SPD-Ratsherr Muhammet Keteci (2. v. r.) mit den Hamborner Gesamtschülern über Jugendparlamente und die „Fridays for Future“-Bewegung.

Mahmut Özdemir (r.) sprach in Begleitung von SPD-Ratsherr Muhammet Keteci (2. v. r.) mit den Hamborner Gesamtschülern über Jugendparlamente und die „Fridays for Future“-Bewegung.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Alt-Hamborn.  Bei einem Gespräch mit gut 20 Schülern der Leibniz-Gesamtschule zeigte Mahmut Özdemir den Jugendlichen Wege auf, sich politisch zu engagieren.

Alles begann mit einem Skatepark. Diese Antwort bekommen gut 20 Jugendliche von Mahmut Özdemir auf die Frage, wie er im Bundestag gelandet ist. Am Dienstagmittag spricht der Duisburger SPD-Abgeordnete mit Schülern der Leibniz-Gesamtschule über Politik und Engagement. Was die jungen Menschen besonders bewegt: Klimawandel, die Spaltung der Gesellschaft und der Wunsch nach mehr politischer Teilhabe.

Geplant sei seine Karriere nicht gewesen, verrät Özdemir. Er und seine Freunde hätten in der Jugend keinen Ort gehabt, an dem sie mit ihren Skateboards geduldet waren. Also habe er selbst handeln wollen und begonnen, sich bei den Jusos auf lokaler Ebene für einen Skatepark einzusetzen. Der Park kam einige Jahre später, da war Özdemir schon Student. Doch bezeichnet er das immer noch als einen seiner größten politischen Erfolge.

Schüler nehmen an Förderprogrammen teil

Am Beispiel Skatepark will Özdemir die Jugendlichen zu politischem Engagement motivieren. Gerade jetzt hätten sie die Gelegenheit, Ideen einzubringen und ihren Stadtteil zu gestalten. „Die 50 Millionen Euro für Alt-Hamborn und Marxloh sollen nicht in den Mühlen der Verwaltung verschwinden“, sagt der 32-Jährige, der immer noch Mitglied bei den Jusos ist. Das Geld solle genau da landen, wo die Bürger es gerne hätten und wo sie davon profitieren.

Die Schüler, die mit Özdemir im Stuhlkreis sitzen, sind keine Durchschnittsschüler. Sie nehmen am Talentscouting-Programm der Uni Duisburg-Essen teil und werden in der Oberstufe an mögliche Studienfächer herangeführt. Einige von ihnen sind Stipendiaten der Initiative „RuhrTalente“. Das Treffen mit Özdemir im Hamborner Ratskeller und ihre Fragen haben sie in zwei Sitzungen gemeinsam vorbereitet.

Ein Schüler spricht Özdemir auf die Landtagswahl in Thüringen an. Er sorge sich um die stärker werdende Spaltung in Deutschland. „So viele Menschen wählen ganz weit rechts oder ganz weit links“, sagt er und fragt, ob daran die SPD eine Mitschuld trägt: „Die Partei wurde gewählt in dem Glauben, es werde keine weitere Große Koalition geben.“ Özdemir räumt ein, seine Partei sei selbst für die Wahlergebnisse der jüngeren Vergangenheit verantwortlich. Der Partei habe es lange Zeit unter anderem an Führungsstärke gefehlt. „Aber ich stehe hinter der Entscheidung, nach den geplatzten Koalitionsverhandlungen zwischen Union, Grünen und FDP Verantwortung zu übernehmen.“ Gerade einer stärker werdenden AfD müsse sich der Rest der Gesellschaft entschieden entgegenstellen. Denn Özdemir sagt den Schülern ganz klar: „Wer die AfD wählt, wählt Nazis!“

Mahmut Özdemir ruft zu mehr Vernetzung auf

Was der Politiker von der „Fridays for Future“-Bewegung hält, will eine Schülerin wissen. „Ich finde es gut, wenn Menschen für ihre Belange auf die Straße gehen“, sagt der. Im konkreten Fall störe ihn aber oft der Ton. Es werde viel gefordert, aber nur wenig unternommen: „Wer so viel Kritik übt, sollte auch den Kampf in der Demokratie aufnehmen.“ Das könnte den Blick für das Machbare schärfen und auch die Menschen mitnehmen, die sich von „Fridays for Future“ ausgegrenzt fühlten.

Schließlich steht noch das Thema Jugendparlament im Raum. An sich eine gute Sache, meint Özdemir, der darüber hinaus das Wahlrecht ab 16 als „Herzensangelegenheit“ bezeichnet. Doch seien Parallelgremien ohne Entscheidungsbefugnis schlicht überflüssig. Viel mehr wolle er die Jugendlichen dazu ermuntern, in ihren Schülervertretungen aktiv zu werden und sich vor allem schulübergreifend zu vernetzen: „So können Sie in die Stadtteile hineinwirken und gemeinsam eine starke Stimme abgeben!“

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