Soziales

Neue Kinder- und Jugendräume im Marxloher Petershof

Etwa 180 Kinder und

Etwa 180 Kinder und

Foto: WAZ

Marxloh.  Das frühere Schwesternhaus ist nun größtenteils renoviert und wird jetzt zum Spielen, Lesen, Basteln, Musizieren und Singen genutzt. Zudem zum Lernen.

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Früher schliefen dort Ordensschwestern, jetzt toben, spielen und lernen Kinder und Jugendliche im alten Schwesternhaus des Petershofs. Sein Leiter, Pater Oliver, hat das Gebäude mit zahlreichen Ehrenamtlern renoviert. Etwa 30 Jahre war es ungenutzt, doch der Mönch erkannte das Potenzial und krempelte die Ärmel hoch, wie man es in Marxloh von ihm gewohnt ist. Nun gibt es dort Spielräume, eine Kinderbibliothek sowie einen Gemeindesaal.

„Manchmal muss man einfach machen“, sagt Pater Oliver. Denn bislang kommen wöchentlich gut 180 Kinder aus etlichen Nationen zum Petershof, meistens wenn ihre Eltern in Sprachkursen Deutsch büffeln. Doch das einstige Schwesternhaus soll natürlich viel mehr sein als ein bloßer Warteraum, er soll ein Ort der Begegnung sein. „Im Spielen sind alle gleich, da sind alle Unterschiede aufgehoben.“ Trotz „babylonischer Sprachverwirrung“ laufe daher das gemeinsame Spielen völlig unproblematisch, von Krabbelkindern bis zu Teenagern. Auch dank der guten Ausstattung.

„Wir haben viele Kinderspiele gespendet bekommen, die jetzt endlich gut genutzt werden können.“ Teddybären, Kuscheltiere und Puppenhäuser für die Kleinen, einen Kickertisch, Instrumente und eine Bücherei für die Älteren. In den prall gefüllten Schränken sind jedoch auch Lernspiele. „Wir machen hier nicht nur Tralala, wir wollen die Jugendlichen ja nach vorne bringen.“ Rechnen, Sprachen, Singen und Instrumente spielen, das können die Kinder nun alles im Petershof lernen.

Das Angebot hängt allerdings von den Fähigkeiten der Ehrenamtler ab. „Ich kann nicht basteln“, sagt Pater Oliver, den Bastelraum müssten also andere betreuen. Das Angebot des Petershofs ergänzen zudem einmal wöchentlich das Spielmobil der Entwicklungsgesellschaft Duisburg (EG DU) und einmal im Monat das Kindergesundheitsmobil aus Essen. Los geht’s aber erst wieder nach den Sommerferien.

Überraschung unter den Teppichen

Ein gutes Dreivierteljahr haben Ehrenamtler mit Pater Oliver geschuftet damit das Schwesternhaus ein Ort für Kinder und Jugendliche wird. „Viele, viele tausend Euro hat das gekostet“, sagt der Ordensbruder. Denn auch Handwerker legten Hand an. Finanziert haben die Bauarbeiten das Bistum Essen, die Gemeinde und viele Spender.

Inzwischen gibt es im Gebäude neue Toiletten und Brandschutztüren. Feuchte Balken des Altbaus sind ausgetauscht und in der ersten Etage ist eine neue Wand gezogen worden. Zudem hat die Renovierung im Erdgeschoss ein Mosaik offenbart, „versteckt unter sechs Lagen Teppich“. Es zeigt ein Blumenkreuz, das Pater Oliver seither als Logo für den Petershof verwendet.

Seit rund drei Wochen sind die Kinder- und Jugendräume nun eröffnet. Im Obergeschoss etwa ist die frühere Kapelle dem Kleinkinderraum gewichen. „Wo das Tabernakel war, ist jetzt ein Schrank.“ Der christliche Einfluss bleibt aber erkennbar: Kruzifixe sind aufgehängt und im Seminarraum lehnen Hungertücher von Misereor an der Wand – zumindest solange, bis die Ehrenamtler Bilder aufhängen.

Doch etwas Baustellenflair ist geblieben, noch sind nicht alle Vorhaben umgesetzt. Die Rollstuhlrampe vorm Haupteingang ist nur ein Provisorium und die Küche noch bis auf die Kaffeemaschine leer. Pater Oliver ist aber zuversichtlich, dass demnächst alle Bauarbeiten abgeschlossen sind. Danach wird das Nachbargebäude renoviert.

Sommercamp als Ausbildungslager 

„Die Kirche ist immer auf die Ewigkeit angelegt“, sagt Pater Oliver, der den Petershof in Marxloh leitet. Nicht nur deshalb möchte er, dass die Angebote, die er mit rund 150 ehrenamtlichen Helfern im Stadtteil aufgebaut hat und die inzwischen wöchentlich 1200 Menschen erreichen, noch lange Bestand haben. Dazu zählt ebenfalls die Kinder- und Jugendarbeit, für die nun das einstige Schwesternhaus aufwendig umgebaut wurde und weiterhin umgebaut wird. Der Mönch vom Orden der Prämonstratenser hofft dafür jetzt ein weiteres das Fundament legen zu können – mit einem Sommerlager.

Mit Libanesen, Syrern, Kurden, Türken, Italienern und Deutschen ist er nach Schweden gefahren. Zu neunt ist er mit jungen Erwachsenen und Jugendlichen. Die Gruppe erwartet eine Kanuwanderung entlang schwedischer Seen. „Wo’s schön ist, legen wir an. Und dann muss jemand Holz suchen.“ Doch der Ordensbruder, der neben dem Petershof auch das Georgswerk leitet, hat insgeheim langfristige Pläne mit seinen Reisegefährten. „Sie ahnen aber noch nichts von ihrem Glück.“

Türöffner zur libanesischen Bevölkerung in Marxloh

Er will die Gruppe für die Jugendarbeit in Marxloh und als künftige Lagerleiter gewinnen. „Dafür mache ich sie quasi fit. Erstmal lasse ich sie schnuppern und dann versuche ich, sie auszubilden.“

Dass ihm dies durchaus gelingen kann, weiß er aus Erfahrungen, von früheren Schwedenfahrten. „Alle, die jetzt beim Georgswerk in Verantwortung stehen, sind meine Sommerlagerkinder.“ Diesmal sieht der Pater die Tour aber als Versuch, in die „libanesische Community“ zu kommen. Denn gerade diese Jugendlichen hätten in Marxloh oft keine Perspektive und bräuchten dringend Angebote abseits der Straße, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen.

Doch Pater Oliver ist optimistisch: „Es sind erstmal kleine Bausteine, aber die sind besser als nichts. Außerdem macht mir das Spaß, und ganz unerfolgreich bin ich damit nicht.“

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