Diskussion um Kraftwerk

Nach Ärger in Duisburg: Wo das Holzheizkraftwerk gebaut wird

Das Gewerbegebiet an der Thyssenstraße in Dinslaken. Auf der großen Freifläche im Vordergrund soll das neue Kraftwerk entstehen.

Das Gewerbegebiet an der Thyssenstraße in Dinslaken. Auf der großen Freifläche im Vordergrund soll das neue Kraftwerk entstehen.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Walsum/Dinslaken.  Über das Aus für ein geplantes Holzkraftkraftwerk in Walsum hat 2018 ganz Duisburg diskutiert. Wo nun ab 2022 Sperrmüll verbrannt wird.

Das, was man in Walsum verhindern wollte und verhindert hat, wird nun in der Nachbarschaft gebaut: ein Holzheizkraftwerk. Die Walsumer Politik wird sich mit dem Thema in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung (29. August) befassen. Für den parteilosen, ehemaligen Grünen Franz Tews ist das Bauprojekt ein Unding. Er befürchtet: „Das wird eine verdeckte Sperrmüll-Entsorgungsanlage.“

Die Idee für ein solches Kraftwerk ist in Dinslaken nicht neu – wir berichteten. 2017 kamen die Gerüchte auf, dass in der Nachbarstadt Dinslaken solche Pläne existieren. Die Stadtwerke Dinslaken waren diejenigen, die mit dem Gedanken spielten, im Gewerbegebiet Altholz (etwa Sperrmüll) sowie unbehandeltes Restholz zu verbrennen, um Strom und zusätzlich Wärme für die Fernwärme zu gewinnen.

In Dinslaken indes werden die Pläne immer konkreter

Aus Walsum schaute man besorgt nach Dinslaken. Dann kam es noch dicker: Die Steag plante, auf dem Gelände der einstigen Papierfabrik (zuletzt: Norske Skog) auch ein derartiges Kraftwerk zu errichten. Die Wellen schlugen hoch, der Protest war laut. In Walsum erinnerte die Politik daran, dass sie dem Kohleblock 10 seinerzeit nur zugestimmt hatte unter der Maßgabe, dass in Walsum kein Kraftwerkpark entsteht. Letztlich wurden die Walsumer Holzkraftwerkpläne über einen Bebauungsplan für das Gelände der Papierfabrik im Oktober 2018 begraben.

In Dinslaken indes werden die Pläne immer konkreter. Es gab zwischenzeitlich mehrere Informationsveranstaltungen. Wirkliche Kritik aus der Bürgerschaft und von Seiten der Politik blieb aus. Somit gehen die Stadtwerke und ihr Partner davon aus, dass die Anlage im Gewerbegebiet Thyssenstraße ab 2020 gebaut werden kann. Die Stadt Duisburg ist bereits informiert worden – und hat sich auch schon eine Meinung gebildet. Als Nachbargemeinde ist sie gefragt worden, ob es Bedenken gibt.

Stadt Duisburg: verkehrsplanerisch gibt es keine Probleme

„Aus verkehrsplanerischer Sicht bestehen keine“, heißt es da. Zudem gebe es aus feuerrechtlichen und Zivilschutzgründen keine Einwände. Die Anlage sei vom Walsumer Gebiet 1,5 Kilometer weit entfernt, selbst bei Explosionen und „Stofffreisetzungen“ sei der Sicherheitsabstand (200 Meter) eingehalten, folglich entstünde keine „Erhöhung des Risikos“ für die Duisburger.

2022 soll die Anlage in Betrieb gehen. Betreiber wird das DHE /Dinslakener Holz-Energiezentrum sein. Derzeit gibt es laut Stadtwerke Dinslaken zwei Anteilseigner: die Stadtwerke selbst und die Firma Hellmich. Letztere stelle das Grundstück zur Verfügung und wünsche dafür einen Anteil an der Anlage.

Die gesamten Pläne liegen im Bezirksamt Walsum aus

Detlef Frese, Fraktionssprecher der SPD in der Bezirksvertretung Walsum, sieht die Gefahr, dass das Holz über den neuen Logport (Papierfabrik) angeliefert werden könnte. Sprich: dass letztlich viel Verkehr durch Walsum entsteht. Sebastian Geßmann, Fraktionschef der CDU, fragt sich, wie es mit den Emissionen aussieht. Heißt: Mit Lärm, Staub, Abgasen, Schadstoffen. „Dazu gibt es in der Mitteilungsvorlage keine Aussagen.“ Für Franz Tews ist klar, warum man ein Altholzkraftwerk baut: „Die Holzwirtschaft weiß nicht mehr, wohin mit dem Holz.“

Die gesamten Pläne liegen im Bezirksamt Walsum aus und können dort eingesehen werden. Es handelt sich um sehr umfangreiche Akten, die nicht mal eben durchgeblättert werden können. Eine Kurzversion, quasi die Zusammenfassung, liegt in kleiner Auflage als Bürgerexemplar zum Mitnehmen vor.

In relativ einfacher Sprache wird beschrieben, was geplant ist

Die DHE beschreibt darin in durchweg einfacher Sprache, was sie im Detail vor hat. Der an der Thyssenstraße produzierte Strom soll ins Netz eingespeist werden, die Abwärme fließt in die Fernwärmeleitung. Es handelt sich um eine Brache, die an die Albert-Schweitzer-Einrichtung für Behinderte angrenzt. Die Anlieferung des Holzes soll ausschließlich über die Straße erfolgen (A 59 und die restliche Strecke über innerörtliche Straßen).

DHE spricht von 35 Lkw-Fahrten pro Tag, die Stadt Duisburg dagegen von 80 (5-6 pro Stunde). Das Altholz soll zerkleinert angeliefert werden und direkt in einen verschlossenen Bunker mit Abluftanlage gekippt werden. Diese Abluft werde in die Verbrennung geleitet. Die Asche sowie Rauchfilterstäube sollen auf zugelassenen Deponien abgekippt werden.

Politiker Franz Tews steht der Anlage misstrauisch gegenüber

Umwelt- und gesundheitsschädliche Stoffe aus der Verbrennung (etwa Dioxine, bekannt als Seveso-Gift, und Schwermetalle) müssen ebenfalls deponiert werden. Summa summarum kommt DHE zu dem Ergebnis: Es seien „keine erheblichen Auswirkungen“ auf den Menschen zu erwarten. Franz Tews steht der ganzen Anlage sehr kritisch gegenüber: „Da bin ich sehr misstrauisch.“

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben