Kultur

Musik und Tanz mit russischer Seele in Hamborn

Der Chor „Otrada“präsentierte sich in Hamborn mit prächtigen Kostümen und traditionellem Liedgut.Fotos:Udo Gottschalk

Der Chor „Otrada“präsentierte sich in Hamborn mit prächtigen Kostümen und traditionellem Liedgut.Fotos:Udo Gottschalk

Hamborn.   Das große Liederfestival der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland in der Clauberghalle zeigte einen Mix aus Tradition und Moderne.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

„Toll, einfach toll“, freut sich Maria Below. Die 61-jährige Paderbornerin kann ihren Stolz nicht verbergen und nimmt ihre beiden Enkelinnen, die gerade mit einem Kinderchor auf der Bühne in der Clauberghalle in Hamborn gestanden haben, in die Arme.

Bereits zum vierten Mal begeistern Solisten, Chöre und Gesangsgruppen aus ganz Nordrhein-Westfalen beim Liederfestival der Landesgruppe der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LMDR). „Musik verbindet, der Kulturaustausch ist uns sehr wichtig“, sagt Emma Brull, Vorsitzende der Kreisgruppe Duisburg, die gemeinsam mit dem LMDR-Landesvorsitzenden, Dietmar Schulmeister, die Moderation des Festivals übernommen hat.

Mehr als 100 Sänger in 50 Gruppen auf der Bühne

„Über 100 Sänger, davon fast 50 in Gruppen, nehmen in diesem Jahr an unserem Festival teil.“ Neben der russlanddeutschen Musikkultur brachten vor allem die jungen Teilnehmer auch HipHop, Rap, Jazz und Blues auf die Bühne. „Gestartet haben wir als typisches Folklorefestival“, sagt Brull. „Schnell kamen aber andere Musikrichtungen dazu.“ Besonders toll findet es Brull, dass in diesem Jahr ein ganzer Block der Veranstaltung nur mit selbst geschriebenen Liedern gefüllt werden konnte. „Es hängt viel Herzblut in den Auftritten.“

Das Musikfest in Hamborn ist auch immer ein Fest der Generationen. Der jüngste Teilnehmer am Wochenende war Edwin Schmidt, der mit seinen gerade mal fünf Jahren als Solist auf der Bühne stand. Die ältesten Teilnehmer waren weit über 80 Jahre alt.

In Duisburg geboren, der Tradition verpflichtet

„Es bringt die Menschen zusammen, mit ihren unterschiedlichen aber oft auch ähnlichen Lebensgeschichten“, sagt Diana Schäfer. Die 12-jährige Duisburgerin hat mit dem Kinderchor, der übersetzt „Lächeln“ bedeutet, ein deutsches Lied gesungen und später als Solistin ein englisches Lied zum Besten gegeben.

„Ich bin in Duisburg geboren, habe aber durch meine Eltern auch deutsch-russische Wurzeln“, sagt die Gymnasiastin. Seit acht Jahren singt sie im Chor des LMDR in Duisburg, den ihre Mutter leitet. „Musik spielt bei uns eine große Rolle – egal in welcher Sprache.“

Ein besonders großes Repertoire hatte die Gesangs- und Tanzgruppe des „Kulturhaus Neubürger“ aus Rheine mit nach Duisburg gebracht. Neben russisch-ukrainisch-kasachischer Folklore, hatten die Frauen auch französische Chansons, Country Songs und Bauchtanz mit im Gepäck.

Zwischen kasachischer Folklore und französischem Chanson

„Wir sind sehr vielfältig aufgestellt und lieben es einfach gemeinsam zu singen und zu tanzen“, sagt Helena Wirt, Vorsitzende der Frauengruppe aus Rheine. „Wir freuen uns, dass wir hier zeigen können, woran wir das ganze Jahr arbeiten.“

Mit 450 Mitgliedsfamilien ist die Kreisgruppe Duisburg, nach der aus dem Kreis Ostwestfalen Lippe, die zweitgrößte Gruppe des LMDR in Nordrhein-Westfalen.

Das Liederfestival ist nur eine von vielen Veranstaltungen, die die Mitglieder des LMDR in ganz Deutschland auf die Beine stellen. Besonders engagiert sind die Deutschen aus Russland in der Wahrung der Kultur und Stärkung der Identität der Deutschen aus Russland. Aber auch aktuell in der Integrationsarbeit leisten die Mitglieder ehrenamtlich eine wichtige Arbeit.

Integrationsarbeit ein Schwerpunkt des Verbands

„Wir beraten Migranten aus unterschiedlichsten Ländern“, sagt Landesvorsitzender Dietmar Schulmeister. „Aufgrund unserer Sprachkenntnisse kommen viele Migranten aus Tschetschenien und Tadschikistan.“

Ein zehnjähriges Mädchen, das erst seit Kurzem in Deutschland sei, habe am Wochenende auch mit einem Kinderchor auf der Bühne gestanden. „Solche Veranstaltungen geben auch Halt und die Keisgruppe ist für das Mädchen wichtig“, sagt Dietmar Schulmeister. „Wir würden uns daher schon ein bisschen mehr Unterstützung von Land oder Bund wünschen, denn der Einsatz unserer Mitglieder ist auch wichtig für die gesamte Bevölkerung.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben