Mietwucher

Mietwucher wird im Duisburger Norden oft hingenommen

Der Schimmel in der Marxloher Altbauwohnung – hier ein Themenbild – ist nur eines von vielen Problemen für Familie K. aus Rumänien.

Der Schimmel in der Marxloher Altbauwohnung – hier ein Themenbild – ist nur eines von vielen Problemen für Familie K. aus Rumänien.

Foto: WAZ FotoPool

Duisburg.  Roma als Mieter ausgebeutet: Jürgen Effenberger, Chef des Mieterbunds Rhein-Ruhr, bestürzt das Geschäftsgebaren einiger Vermieter im Duisburger Norden. 50 bis 80 Prozent über dem ortsüblichen Mietzins zu verlangen, sei kriminell, so der Anwalt. Schimmel und kalte Heizungen sind keine Seltenheit.

„Wer Menschen eine Miete abknöpft, die 50 bis 80 Prozent über dem ortsüblichen Mietzins liegt, betreibt Mietwucher“, sagt Rechtsanwalt Jürgen Effenberger, „das ist eine Straftat und sollte von den Betroffenen zur Anzeige gebracht werden.“

In der vergangenen Woche berichtete diese Zeitung über die Lebensbedingungen, die eine vor knapp zwei Jahren zugezogene Familie rumänischer Roma in Duisburg-Marxloh ertragen muss. Die Familie K. (Name der Redaktion bekannt) zahlte lange 690 Euro „Warm“-Miete für eine ungeheizte Dreizimmer-Wohnung, in der das Wasser von den Wänden läuft und Schimmel in allen Ecken wuchert – mittlerweile reduzierte der Vermieter den Mietzins auf 550 Euro im Monat.

Die Familie berichtete zudem von zahlreichen Freunden und Verwandten, die im Duisburger Norden in ähnlichen Absteigen bis zu 200 Euro pro Person und Monat in bar an ihre Vermieter zahlen.

Schrott-Immobilien

Dass diese Vermieter sich mit Schrott-Immobilien im Duisburger Norden auf diese Weise enorme Renditen verschaffen, ärgert auch Jürgen Effenberger. Der Rechtsanwalt ist Vorstandsvorsitzender des Mieterbundes Rhein-Ruhr e.V., der auch in Hamborn ein Beratungsbüro unterhält.

„Im Falle der Familie, von der sie berichteten“, sagt Effenberger, „hat der Vermieter die Pflicht, die Heizung anzustellen, sobald es in der Wohnung drei Tage lang kälter als 18 Grad Celsius ist.“ Er rät der Familie K., sich mit einer Vertrauensperson ans Amtsgericht zu wenden: „Dort können sie über eine einstweilige Verfügung erwirken, dass der Vermieter die Heizung einschaltet.“ Dies habe mit etwaigen Mietschulden der Familie, die von den K.’s zudem bestritten werden, nicht unmittelbar etwas zu tun: „So lange die Leute dort wohnen, muss die Wohnung beheizt sein.“

Wuchermieten ohne Mietvertrag

Im Vergleich zu den Familien meist bulgarischer oder rumänischer Abstammung, die ihr Geld in bar an Vermieter entrichteten, seien die K.’s noch in einer komfortablen Situation: „Wer von den Menschen ohne Mietvertrag Wuchermieten von bis zu 200 Euro pro Monat pro Person kassiert, ist kriminell.“ Das Problem in diesen Fällen sei, dass sich die betroffenen Familien erstens nicht über ihre Rechte im Klaren seien und sich zweitens vor Sanktionen fürchteten: „Auch hier kann man nur hoffen, dass die Leuten durch Betreuungspersonen ermutigt werden, so etwas zur Anzeige zu bringen.“

Im Mieterbund Rhein-Ruhr seien sie grundsätzlich als Mitglieder herzlich willkommen: „Wir haben einen Sozialbeitrag, der auch von Ämtern übernommen wird.“

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