Drogen

Meidericher wollen Drogendealer vom Bahnhof vertreiben

Der Bahnhof und das Umfeld sind vielen Menschen in Duisburg-Meiderich ein Dorn im Auge. Das Gebäude an der Singstraße 1 (rechts) spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Der Bahnhof und das Umfeld sind vielen Menschen in Duisburg-Meiderich ein Dorn im Auge. Das Gebäude an der Singstraße 1 (rechts) spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Duisburg-Mittelmeiderich.  Anwohner beklagen, das Drogenproblem am Meidericher Bahnhof werde immer schlimmer. Die Politik setzt als Lösung besonders auf die Zivilpolizei.

Dass rund um den Meidericher Bahnhof inzwischen Kinder und Jugendliche gezielt von Rauschgifthändlern angesprochen werden, das will Ratsfrau Gertrud Bettges nicht hinnehmen. „Das ist ein Drogenumschlagplatz, und die Zustände werden hier immer schlimmer“, beklagt die Christdemokratin. Zu jeder Tag- und Nachtzeit laufen dort demnach „richtig zwielichtige Gestalten“ herum. Bettges meine damit jedoch nicht die Trinker und Obdachlosen, die sich am Bahnhofsvorplatz treffen, sondern Dealer und ihre Kunden, die ihre Drogengeschäfte abwickeln oder den jüngsten Einkauf rauchen.

„Wir haben die Wache auf Kurzwahl, werden aber von der Polizei im Stich gelassen“, sagt eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Täglich könne sie Drogendeals beobachten und dass die Händler ihre Nachbarn oder Besuch regelmäßig als potenzielle Kunden ansprechen, ebenso die Patienten der dortigen Arzt- und Physiotherapiepraxen. „Die Drogenszene ist ganz schlimm geworden“, sagt sie weiter, und die Deals seien inzwischen „brutal offensichtlich“.

Dabei gehe es vornehmlich um Cannabis, denn gespritzt werde nicht am Bahnhof – zumindest finden sich nur leere Tütchen im Gebüsch, aber keine benutzen Spritzen.

CDU-Ratsfrau Bettges: „Die Polizei ist machtlos“

Angst davor, erwischt zu werden, hätten die Rauschgifthändler und Cannabiskonsumenten jedoch nicht, so die CDU-Ratsfrau Bettges: „Die Polizei ist machtlos. Wenn sie in Uniform kommt, hauen die Drogendealer ab.“ Um kurz darauf wieder zu kommen. Daher fordert sie mehr Zivilbeamte am Meidericher Bahnhof. Insbesondere Kinder und Jugendliche sollen so besser geschützt werden.

Mit dieser Forderung ist sie jedoch beileibe nicht alleine: Mehrheitlich hat die Bezirksvertretung auf Initiative der CDU kürzlich die Stadtverwaltung per Antrag gebeten, „Verstöße gegen Recht und Ordnung sowie gesellschaftliches Wohlverhalten“ zu ahnden und sanktionieren.

Besonders auffällig ist die Singstraße 1 mit Wettbüro und Internetcafé

Zumal die Keimzelle der Problematik längst bekannt zu sein scheint: das Gebäude an der Singstraße 1, direkt am Bahnhofsvorplatz. Kunden des dortigen Wettbüros und des Internetcafés sollen zur Drogenszene gehören, führt Gertrud Bettges aus und beruft sich auf Gespräche mit Nachbarn und Meidericher Geschäftsleuten. Zudem ist sie selbst Vermieterin in der Nachbarschaft.

„Die Kunden machen oft Tohuwabohu mitten in der Nacht“, ergänzt die Anwohnerin. Doch dabei gehe es nicht immer nur um Drogenverkäufe, „es gibt auch viele Prügeleien“. Daher hofft sie auf mehr Polizeipräsenz, damit sie sich bald keine Sorgen machen müsse, dass ihre zehnjährige Tochter von Dealern angequatscht werde.

Duisburger Polizei führt Razzien und regelmäßige Kontrollen durch

„Wir wissen, dass dort mit Drogen gehandelt wird“, sagt Polizeisprecher Stefan Hausch. Das sei an jedem Bahnhof so. Doch von einem schlimmen Drogenumschlagplatz oder einem Kriminalitätsschwerpunkt möchte er nicht sprechen. Das lasse sich statistisch nicht abbilden. Tatsächlich sei die Drogenkriminalität „für einen Bahnhof in einer Revierstadt nicht herausragend“.

Aber das Gebäude an der Singstraße 1 hat die Polizei besonders im Blick, betont der Behördensprecher: „Es gibt nicht viele Objekte, die wir genauso oft kontrollieren.“ So gehörte das Wettbüro zur Razzia gegen Clankriminalität am 15. August. In dem Laden habe es dann 20 Kontrollen gegeben, bei denen vier Anzeigen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz geschrieben wurden. Außerdem wurde Wettbüro demnach wegen Corona-Verstößen geschlossen.

Polizei: „Wir sind da, aber wir können das Problem nicht abstellen“

Bei einer Razzia im Juli wurden drei Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis geschrieben und Ende Juni fünf Personen festgenommen. Es gebe also zahlreiche Maßnahmen, auch mit Zivilbeamten, so Hausch. „Erwartungen, dass wir dadurch Verhältnisse wie in Serm bekommen, sind illusorisch. Wir sind da, aber wir können das Problem nicht abstellen.“ Das zeige sich auch an anderen Orten, die innerhalb der Drogenszene beliebt sind, etwa am Walsumer Kometenplatz oder im Kantpark in der Innenstadt.

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Eine Lösung will dagegen die Meidericher Politik finden; die Fraktionen suchen dabei untereinander einen ebenso engen Schulterschluss wie bei Großrazzien die Polizei, die Stadt Duisburg und der Zoll.

>> 48 POLIZEIEINSÄTZE SEIT JAHRESBEGINN

  • Laut der Polizei Duisburg gab es in diesem Jahr bis zum 26. August insgesamt 78 Einsätze im Umfeld des Meidericher Bahnhofs. Allerdings hatten sich 30 bereits vor Eintreffen der Polizei erledigt.
  • Von den verbleibenden 48 Einsätzen, so Polizeisprecher Stefan Hausch, hätten wiederum nur 30 das Sicherheitsgefühl der Meidericher beeinträchtigen können, weil es sich etwa um Körperverletzungen, Randalierer oder Ruhestörungen gehandelt habe. Bei zweien der 30 Einsätze handelte es sich um Drogendelikte.
  • Der Bahnhof und ganz Mittelmeiderich ist das Revier von Hauptkommissar Holger Hattwig, der als Bezirkspolizist auch Ansprechpartner für alle Anwohner ist. Sein Büro hat er in der Meidericher Wache (Lohengrinstraße 5).
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