Immobilie

Marxloh: Kaufinteressent für Dauerbaustelle Kolpinghaus

Seit mehr als zwei Jahren herrscht auf der Baustelle Kolpinghaus in Duisburg-Marxloh Stillstand. Der Investor, der einst mit dem Umbau zu einer Kita begann, ist insolvent.

Seit mehr als zwei Jahren herrscht auf der Baustelle Kolpinghaus in Duisburg-Marxloh Stillstand. Der Investor, der einst mit dem Umbau zu einer Kita begann, ist insolvent.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE Foto Services

Duisburg-Marxloh.  Am Kolpinghaus in Marxloh ruht seit Jahren der Umbau. Jetzt gibt es einen Interessenten, der das Haus kaufen und die Arbeiten fortsetzen könnte.

Die Pläne für das Kolpinghaus klangen gut: In das Gebäude an der Diesterwegstraße sollte eine Kita ziehen, außerdem je eine WG für erwachsene Autisten und minderjährige Geflüchtete. Die Bauarbeiten hatten bereits begonnen, doch mittlerweile sind es mehr als zwei Jahre, in denen dort nichts mehr passiert ist. Grund ist die Insolvenz des Investors, der den Umbau finanzieren und das Gebäude danach verkaufen wollte. Weitergehen kann es erst, wenn ein neuer Käufer gefunden ist – jetzt gibt es einen ersten Interessenten.

Das Konzept mit der Kita sowie den beiden inklusiven und integrativen WG hatte die Duisburger Lebenshilfe entwickelt. „Ursprünglich sollte uns das Gebäude 2017 schlüsselfertig übergeben werden“, sagt deren Geschäftsführer Michael Reichelt. Die Lebenshilfe wäre dann als Mieter ins Kolpinghaus gezogen; Vermieter wäre ein Frankfurter Investmentfonds gewesen, der das Gebäude nach dem Umbau kaufen wollte. Doch von Anfang an sei es bei den Bauarbeiten zu Verzögerungen gekommen, erzählt Reichelt.

Kolpinghaus spielt in den Planungen der Lebenshilfe keine Rolle mehr

Vonseiten des Investors, der Martynus Hamborn Projekt GbR, habe es immer wieder leere Versprechungen gegeben. Im Vertrauen darauf, so Reichelt, habe die Lebenshilfe für die Kita bereits Vorverträge mit Eltern abgeschlossen. Als auch die mit den Bauarbeiten beauftragten Subunternehmen vielfach wechselten, wurde klar: Der Investor war nicht mehr liquide. „Inzwischen läuft ein Insolvenzverfahren“, berichtet Reichelt, in dessen Planungen das Kolpinghaus keine Rolle mehr spielt.

Für dieses Verfahren verantwortlich ist Rechtsanwalt Sebastian Schmidt aus Rheinbach bei Bonn. Seine Aufgabe ist es somit auch, einen Käufer für die Immobilie zu finden. Kein leichtes Unterfangen, erklärt Schmidt auf Nachfrage: „Die Bauarbeiten waren schon so weit fortgeschritten, dass eine anderweitige Nutzung kaum noch möglich ist.“ Ein Kauf kommt also nur für Interessenten in Betracht, deren Pläne dem ursprünglichen Vorhaben mit Kita und inklusiven WG ähneln. Dass aus dem Gebäude noch herkömmliche Wohnungen oder Büroräume werden könnten, glaubt der Insolvenzverwalter nicht.

Stadt Duisburg wollte das Kolpinghaus zwangsversteigern lassen

Dabei sei es fast zu einem Zwangsversteigerungsverfahren gekommen. Den Antrag habe die Stadt Duisburg gestellt, die auch zu den Gläubigern zählt. Doch im dafür angefertigten Gutachten sei der Wert der Immobilie mit knapp 800.000 Euro „viel zu niedrig“ angesetzt gewesen, meint Schmidt. Er habe die Stadt schließlich davon überzeugen können, den Antrag zurückzuziehen. Noch hat der Anwalt die Hoffnung, das Kolpinghaus zu einem besseren Preis zu veräußern. Es gebe nun auch einen Interessenten: „Da stecken wir in laufenden Verhandlungen. Deshalb kann ich im Moment weiter nichts sagen.“

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Für die Lebenshilfe ist die Situation am Ende noch glimpflich verlaufen. Zwar gehört sie ebenfalls zu den Gläubigern und wird am Ende wohl Geld verlieren, wie Reichelt erklärt: „Wir haben auf die Zusagen des Investors hin viele Ausgaben getätigt.“ Doch immerhin wird das einst für das Kolpinghaus entwickelte Konzept wohl doch noch umgesetzt: An der Weseler Straße (Ecke Vorholtstraße) baut die Lebenshilfe nun gemeinsam mit der Gebag auf dem Grundstück einer abgerissenen Schrottimmobilie.

>>KITA „ABENTEUERLAND“: CONTAINER STATT KOLPINGHAUS

• Bei der Kita, die ursprünglich ins Kolpinghaus hätte ziehen sollen, handelt es sich um die Kita „Abenteuerland“, die stattdessen an der Hartmutstraße in Bruckhausen eröffnet wurde. Ein Teil der Kinder, die dort in Containern untergebracht sind, soll nach Fertigstellung des Gebäudes an der Weseler Straße dorthin ziehen.

• „Der Standort an der Hartmutstraße wird aber auf jeden Fall erhalten bleiben“, sagt Lebenshilfe-Chef Reichelt. Der Bedarf sei da, außerdem würden die Container trotz ihres schlechten Rufs gute Bedingungen bieten und in der Ausstattung herkömmlichen Räumlichkeiten in nichts nachstehen.

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