Kultur

Lesung in der Kirche der Beecker Kindheit

Der vielfach ausgezeichnete Autor Heiner Feldhoff lebt schon lange im Westerwald. Die Jugend in der Heimat Duisburg-Beeck treibt den Literaten jedoch nach wie vor um.Foto:Sabine Merkelt-Rahm/Ev. Kirchenkreis

Der vielfach ausgezeichnete Autor Heiner Feldhoff lebt schon lange im Westerwald. Die Jugend in der Heimat Duisburg-Beeck treibt den Literaten jedoch nach wie vor um.Foto:Sabine Merkelt-Rahm/Ev. Kirchenkreis

Beeck.   Auf Einladung von Holger Lambrecht liest Schriftsteller Heiner Feldhoff in der Beecker evangelischen Kirche. Bombennächte und Bibelstunden.

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Aus seinen frisch zu Papier gebrachten Jugenderinnerungen „Meine Sonntage in Beeck“ las der Schriftsteller Heiner Feldhoff in der Beecker evangelischen Kirche. Sein Bruder Martin, der früher schon als Organist in der Gemeinde tätig war, feierte ein Wiederhören mit der Orgel und dem Klavier in dem uralten Gotteshaus.

Der Autor selbst lebt schon lange im Westerwald, aber seine Texte erinnern nicht nur ihn selber, so dass über hundert Beecker kamen und die kleine Kirche fast bis auf den letzten Platz füllten. „Da wird doch mancher Pfarrer neidisch“, sagte Feldhoff hochzufrieden mit dem Zustrom von Hörern zu Holger Lambrecht vom Arbeitskreis „Historisches Beeck.

Schlimme Bombennacht im Oktober 1944

Der hatte die Lesung in Kooperation mit dem Oberhof auf die Bitte des Autors organisiert. „Heute liest hier ein Be(eck)kenner über seine Be(eck)kenntnisse“, sagte Lambrecht, der wohl nicht hinter dem akrobatischen Wortspieler Feldhoff zurückbleiben wollte.

Der erinnerte frühe Laternenumzüge und Süßigkeiten, die vom Balkon der alten Apotheke in die wartende Menge der Laternenkinder auf dem Marktplatz geworfen wurden. Und er meinte, sich auch an den großen Bombenangriff im Oktober’ 44 zu erinnern.

Das ist zwar unwahrscheinlich, weil eine von ihm selbst angestellte Rückrechnung für ihn ein Zeugungsdatum im September’44 nahelegt. Aber ihm wurde „als pränatal Beteiligtem in ungeborenem Entsetzen“ so oft erzählt, wie der Großvater damals durch die Luft flog und - im übertragenen Sinne – im Nothospital Schlackebunker an der Honigstraße landete.

Vikar sah vom Erdloch den Kirchturm einstürzen

Und das der Vikar von einem Erdloch aus beobachtete, wie der brennende Turm der Laurentiuskirche neben dem Langhaus zu Boden schlug. Ihm, der in Trümmern aufwuchs und spielte, seien deshalb Häuser nie als bleibende Einrichtungen erschienen, folgerte Feldhoff. Was blieb war die allsonntägliche eiserne Verpflichtung in der frommen Familie Feldhoff, an der Bibelstunde teilzunehmen. Auch wenn draußen längst der Fußballplatz oder die Kirmesmusik lockte.

„Aufgefahren in den Himmel blickte ich vom Riesenrad in die Tiefe, wo die Kirche zur Dorfkirche wurde“, beschreibt der Autor die kleinen Fluchten vor der allzu frommen Enge. Die führten ihn zu Karl May und Edgar Wallace. Und zu einem begehrten Rundschnitt statt dem Fasson-Schnitt, den der Vater mit demütigenden Nackenschlägen erzwang. Bei seiner Mutter, die inzwischen hochbetagt verstarb, wartete Feldhoff vergeblich auf die Gemütsruhe, die er sich nach Jahrzehnten frommer Glaubensübung für ihren Abschied vom Leben vorgestellt hatte.

Glaubensgewissheit und Trost

Nur die schlichte Gegenwart eines anderen Menschen in ihrem Altenheimzimmer brachte ihr, seiner Beobachtung nach, Glaubensgewissheit und Trost. Sie kannte ja das halbe Gesangbuch auswendig, ihre Zimmergenossin dagegen sang lieber Heimatlieder. „Ich danke ihnen allen für die spürbare Aufmerksamkeit“, sagte Feldhoff, nicht ohne Rührung, nach zwei Stunden dichter Lesung zu seinem konzentrierten Publikum.

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