Vernissage

Künstler malen und schreiben über das Meiderich von früher

Rosemarie Hanke (Mitte) und Dieter Lesemann (links) kennen sich schon lange. Klaus Happel (rechts) setzte sich ans Piano.

Rosemarie Hanke (Mitte) und Dieter Lesemann (links) kennen sich schon lange. Klaus Happel (rechts) setzte sich ans Piano.

Foto: Heinrich Jung

Duisburg-Meiderich.   Rosemarie Hanke malt, Dieter Lesemann schreibt. Beide verbrachten ihre Kindheit in Meiderich. Eine gelungene Vernissage führt beide zusammen.

Einen unterhaltsamen Abend mit Bildern, Texten und Musik haben die Meidericher Künstlerin Rosemarie Hanke, der Autor lokaler Erinnerungen Dieter Lesemann und der Werkstattvorstand Klaus Happel den Gästen in der Meidericher Kulturwerkstatt bereitet. Aber war es nun eigentlich eine Vernissage mit zusätzlicher Lesung oder eine Lesung mit zusätzlichen Bildern? Solange Hanke und Lesemann sich noch höflich gegenseitig den Vortritt ließen, spielte Happel schon mal Klavier.

Beide Künstler verbrachten ihre Kindheit in Meiderich

Hanke und Lesemann verbindet eine lange Freundschaft, und beide verbrachten ihre Kindheit in Meiderich. „Warum machen wir nicht mal was zusammen?“ hat er gefragt. „Ich suche dafür Bilder heraus, die mich an meine Meidericher Kindheit erinnern“, hat sie gesagt. Für sie ist es die erste Ausstellung in der Kulturwerkstatt. „Allein die Hängung war schon super, wir haben mit den beiden Vorsitzenden hier die ganze Zeit gelacht und rumgefrotzelt“, sagt sie.

Sie bespannt ihre Leinwände mit einer zusätzlichen Schicht Rupfen. Aber nicht den feinen Stoff aus dem Künstlerbedarf kann sie dafür gebrauchen. „Das grobe Zeug in Nikolaussackqualität ist gerade richtig“, sagt sie. Das sei ein ungeheuer spannendes Material, weil aufgebrachte Farbschichten unvorhersehbar absänken. Man malt, geht kurz raus und siehe da, das Bild sieht ganz anders aus als vorher.

Das Meiderich von früher und heute in einem Bild

Ideal also, um Erinnerungsschichten übereinander zu legen, von denen manches bleibt, wie etwa die lodernden Industriefeuer und Stahlkonstruktionen aus dem früheren Meiderich. Anderes verschwindet. Hanke arbeitet Schicht um Schicht und legte auf zwei Bilder je eine kleine Glasscheibe auf. So bewahrte sie Details aus übermalten Schichten. Der Betrachter blickt nun gleichzeitig in die Gegenwart und die Vergangenheit des Bildes.

„Möhren untereinander“: eine Kindheit in Meiderich

Was sich in der Meidericher Kindheit von Dieter Lesemann in den 1950er und 60er Jahren zutrug, hat er aufgeschrieben und „Möhren untereinander“ genannt. Beim Vortrag seiner frühesten Erinnerung stellt sich heraus, dass Schwester Elfriede vom Kindergarten am Gerhardsplatz keine Ahnung hatte, warum der kleine Dieter plötzlich in höchster Not: „Aköni, Aköni“ schrie. Ein kurzer Anruf bei Familie Lesemann klärte das Problem in letzte Minute. Klein-Dieter bekam das Klo gezeigt. Schwester Elfriede kam zu der Erkenntnis, dass „Aköni“ ein selbsterfundenes Spezialwort ihres frischgebackenen Kindergartenkindes für sein heimisches Töpfchen war.

Gar nicht mal so viel später ging Dieter zur Schule und trug die gleichen Lederhosen wie seine Freunde. Er wurde nachmittags Letzter beim Rollerslalom, weil er sich nicht konzentrieren konnte. Er musste nämlich immer an Carina, die Neue in der dritten Klasse, denken. Und er fragte sich ernsthaft, was das wohl zu bedeuten hat.

Bei den gemalten und gelesenen Erinnerungen mit Musik in der alten Schmiede blieb einzig die Frage nach dem Vortritt ungeklärt. „Ist doch egal, Hauptsache wir machen was zusammen“, sagte Hanke.

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