Bildung

Junge Berufssuchende führen in Marxloh den „Hamlet“ auf

Bringen Hamlet nach Marxloh:Schauspieler und das interdisziplinäre Team des Projektes „JobAct“.Foto:Daniel Elke

Bringen Hamlet nach Marxloh:Schauspieler und das interdisziplinäre Team des Projektes „JobAct“.Foto:Daniel Elke

Marxloh.  Zwanzig Heranwachsende haben in der Werkkiste ein halbes Jahr am Shakespeare-Klassiker gearbeitet. Durchhalten war bei Teilnehmern gefragt.

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Unter fachkundiger Anleitung haben sich knapp zwanzig junge Marxloher in der Werkkiste sechs Monate lang drei Mal in der Woche mit der ungewohnten Dichtkunst von William Shakespeare herumgeschlagen. Nun ist er fast fertig, ihr „Hamlet in Marxloh“, auf den man wirklich gespannt sein darf.

„Obs edler im Gemüt, die Pfeil und Schleudern des wütenden Geschicks erdulden oder, sich waffnend gegen eine See von Plagen, durch Widerstand sie enden?“ rezitiert die Gruppe junger Erwachsener in der Cafeteria der Werkkiste im Chor aus Hamlets Monolog.

Den Platz im Leben finden

„Was soll denn das denn überhaupt bedeuten, ich verstehe kein einziges Wort“, beklagt sich eine Stimme gegen alle anderen. „Ihr könnt bei der guten Akustik hier ruhig noch etwas leiser sprechen, damit Fatimas Stimme sich noch deutlicher abhebt“, kommt die Regieanweisung vom Schauspieler Kaspar Küppers, der gemeinsam mit der Theaterpädagogin Lene Harlan schon mitten im Feintuning für die Premiere ist.

Bis dahin war es für das interdisziplinäre Team des Projektes „JobAct“ ein weiter Weg. Das vom Jobcenter finanzierte und vom Bildungsträger Projektfabrik geführte Theater—und Qualifizierungsprojekt verbindet Bühnenpädagogik und intensives Bewerbungstraining miteinander. So sollen die Teilnehmer zwischen 18 und 27 Jahren neue Ideen bekommen, wo und wie sie ihren Platz im Leben finden können.

Job-Coach Michel Richter ist überzeugt, dass der Ansatz der „Theaterleute“ mit Improvisationen, Körperarbeit und Sprechübungen bei den Teilnehmern schnell eine bessere Haltung erzeugt und ihr Selbstbewusstsein und ihre Teamfähigkeit stärkt.

Von 60 Leuten gingen 40

Etwa 60 Leute waren über die Zeit mit dem Projekt in Kontakt, nicht alle blieben dran. Wer sich aber bei der Frage: „Dabei sein oder nicht dabei sein?“ für die Verlässlichkeit entschieden hat, der ist jetzt Teil des Ensembles.

Über die Arbeit an der eigenen Biografie haben sich ganz persönliche Zugänge zu den zentralen Themen von Hamlet entwickelt. „Es geht doch hier in Marxloh genauso darum wie im Stück, ob ich drin bin oder draußen, ob ich mich den Problemen stelle oder eben nicht“, erklärt Fatima Simsek.

Und Jung-Schauspieler Marco Wilden, der den Rap schon in der Stimme hat, fügt hinzu: „Klar, wir reden hier schon über die wichtigen Fragen, also über Solidarität und Ehre, bloß machen wir das nicht so schnulzig“.

Zur Theaterarbeit und Bewerbungstraining kam noch Medienarbeit hinzu. Es machte dem Ensemble Spaß, Flyer mit zu gestalten, Rap-Videos zu drehen und Plakate zu entwerfen. Dabei ließen sich ganz nebenbei die EDV-Kenntnisse der Teilnehmer verbessern, ohne dass ihnen das als unangenehme Büffelei auffallen wäre.

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