Bildung

Integration: Keine Transparenz an Duisburger Grundschulen

Schulische Inklusion – hier ein Themenbild aus einer anderen Stadt – bringt für Duisburger Grundschulenoffensichtlich Probleme mit sich. Offen sprechen will darüber aber kein Verantwortlicher.Foto:dpa/Archiv

Schulische Inklusion – hier ein Themenbild aus einer anderen Stadt – bringt für Duisburger Grundschulenoffensichtlich Probleme mit sich. Offen sprechen will darüber aber kein Verantwortlicher.Foto:dpa/Archiv

Duisburg.  Ein Journalist versucht in Duisburg seit Monaten vergeblich, einen Blick in den Grundschul-Alltag zu werfen. Keine Chance auf Unterrichtsbesuche.

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Die Grundschulen lassen lieber über sich reden als mit sich. Das ist die Erfahrung, die die Redaktion in den vergangenen Monaten gemacht hat. Wir wollten uns den Themen Inklusion, also Einbindung von Kindern mit Handicaps, und Integration, Einbindung von Zuwanderern, nähern.

Vorausgeschickt sei, dass aus vielerlei nicht offiziellen Quellen zu uns gedrungen war, dass sich die Schulen mit der Inklusion schwer tun würden.

Und zwar deshalb, weil jeder einzelne Förderbedarf, den ein Kind haben mag, gutachterlich festgestellt werden müsse, es aber an Fachpersonal fehle, diese Gutachten zu erstellen. Und natürlich, weil es an Sonderpädagogen fehle, um die Förderung anschließend durchzuführen. Auch soll es, so wurde uns zugetragen, sehr schwer sein, zum Beispiel ein verhaltensauffälliges und sehr störendes Kind an eine der noch verbliebenen Förderschulen zu überweisen.

Erster Versuch an der Grundschule Mattlerbusch

Umgekehrt könnte die Feststellung eines Förderbedarfs für das betreffende Kind eine dauerhafte Stigmatisierung bedeuten, weil es kein Notenzeugnis bekomme, sondern ein schriftlich ausformuliertes. Und so schwierig, wie es sei, einen Förderbedarf zuerkannt zu bekommen, so schwer sei es auch, ihn wieder loszuwerden, selbst wenn er sich erledigt habe. All dies wollten wir zum Thema machen.

Den ersten Versuch un­ter­nahmen wir Ende August 2017 bei Martin Rödiger, Leiter der Grundschule Mattlerbusch in Wehofen. Er hatte sich bei der Redaktion gemeldet, weil wir falsche Zahlen über die Förderbedarfe an seiner Schule von der Stadt übernommen und veröffentlicht hatten.

Grundschul-Sprecher zugeknöpft

Über die Problematik selbst wollte er aber nicht sprechen. Er sei erst seit kurzer Zeit Schulleiter, begründete er. Dafür verwies er an Peter Steuwer, den Vize-Sprecher der Duisburger Grundschulleiter und Rektor der Vennbruchschule in Vierlinden. Der wiederum sagte zu, darüber mit Martin Fey, dem Sprecher der Grundschulleiter und Rektor der Grundschule Zoppenbrückstraße in Meiderich, zu beraten.

Vor den Herbstferien würde nichts mehr daraus, aber danach. Als wir in einer E-Mail unsere Themenwünsche konkreter formulierten, blieb die zugesagte Rückmeldung aus. Bei einem Telefonat zwischendurch hatte Steuwer erklärt, als Rektor könne er sich nicht äußern. Wenn, dann nur als Gewerkschafter, für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Aber der Kontaktversuch verlief im Sande.

Schulrätin südlich der Ruhr zuständig

Wir wandten uns an die zuständige Schulrätin, mussten dabei aber erfahren, dass es nicht nur Lehrermangel im Duisburger Norden gibt, sondern auch ihr Schulamtsbezirk zur Zeit verwaist ist, wegen einer langfristigen Erkrankung. Er umfasst alle Grundschulen nördlich der Ruhr. Und dafür ist seitdem Annette Quent-Langer zuständig, die Schulrätin für Duisburg südlich der Ruhr.

Sie hat allein die Aufsicht über alle rund 75 Grundschulen, führte rechtliche Bedenken gegen unseren Wunsch an, einmal den Unterricht in einer Klasse zu besuchen, in der kaum ein Kind Deutsch als Muttersprache spricht und womöglich bei einem Großteil der Kinder vielfältige Förderbedarfe bestehen. Im Anschluss wollten wir mit der jeweiligen Schulleitung über die Situation sprechen. Die Auswahl der Schule aber wollten wir ihr überlassen.

Bezirksregierung blockt ab

Unserer Anwesenheit im Unterricht müssten sämtliche Eltern zustimmen, erklärte die Schulrätin. Das sollten wir mit der Pressestelle der Bezirksregierung in Düsseldorf, der oberen Schulaufsicht, besprechen.

Dort erwies sich diese Information als Irrtum. Sie gilt nur, wenn wir mit den Kindern sprechen oder sie fotografieren wollten. Pressesprecherin Jessica Eisenmann führte andere Gründe an, weshalb sie uns empfahl, von dem Wunsch Abstand zu nehmen: „Die Schulen sind angesichts der Probleme im Duisburger Norden total überfordert, auch noch auf Pressewünsche einzugehen.“

Schon Annette Quent-Langer hatte betont, alle seien mit großem Engagement bei der Sache. Außerdem, so Eisenmann, habe die Presse keinen Anspruch darauf, den Unterricht zu besuchen.

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