Schule

Im Bezirk Duisburg-Meiderich/Beeck droht die Bildungskrise

Martin Fey (Schulleiter Gemeinschaftsgrundschule Zoppenbrückstraße) am Mittwoch, den 11.09.2019 in Duisburg. Foto: Tamara Ramos / Funke Foto Services

Martin Fey (Schulleiter Gemeinschaftsgrundschule Zoppenbrückstraße) am Mittwoch, den 11.09.2019 in Duisburg. Foto: Tamara Ramos / Funke Foto Services

Foto: Tamara Ramos / FUNKE Foto Services

Duisburg-Meiderich.  Zu viele Schüler, viel zu wenig Lehrer und dann noch Maßnahmen, die das Lehrpersonal ärgern – diese Probleme kochen beim Bürgergespräch hoch.

Rollt auf den ohnehin nicht bildungsstarken Duisburger Norden nun eine Bildungskrise zu? Der Meidericher Bürgerverein, Eltern und nicht wenige Schulleiter sind über die neuen Einschulungsdaten alarmiert, die kommende Woche im Schulausschuss präsentiert werden. Demnach sind die Schülerzahlen derart drastisch gestiegen, dass die offenbar unvorbereitete Stadtverwaltung nur noch mit einem Mittel kurzfristig reagieren kann: die deutliche Vergrößerung der Klassen auf 30 und mehr Kinder.

40 Prozent mehr I-Dötzchen

Empfohlen werden Größen von 23 Kindern bei Klassen mit Inklusionskindern, die einen besonderen Förderbedarf haben. Doch nun drängen die geburtenstarken Jahre hinein. Bereits 2012 stand aufgrund der Geburtenentwicklung fest, dass sechs Jahre später gut 613 Kinder eingeschult werden müssen, für 2024 sind 861 I-Dötze zu erwarten, eine Steigerung um 40 Prozent.

Den Duisburger Norden bringt der Förderbedarf wie auch die Geburtenentwicklung an vielen Grundschulen in erhebliche Querlage – so die Rückmeldung von mehreren Schulleitungen, die sich zur Bürgerversammlung des Arbeitskreises Aksus und Meidericher Bürgervereins am Mittwochabend meldeten. Sie und einige Eltern warfen Verwaltung und der anwesenden Politik schwerwiegende Versäumnisse und zum Teil hausgemachte Probleme vor. Denn es fehle auch dank der Schließung von Grund- und Förderschulen in der Vergangenheit an allen Ecken: Räume, Lehrer und Sonderpädagogen.

Inklusion ist an den Schulen gefährdet

Probleme, die nicht nur die Grundschulen betreffen: 80 Kinder mit Förderbedarf beschult etwa die Gesamtschule bis zum Jahrgang 10 – der Sekundarstufe 1 – inklusiv: „Von den Zielvorstellungen, drei Kinder mit Förderbedarf in einer Eingangsklasse von 25, sind wir weit entfernt. So kann man nicht inklusiv unterrichten“, schildert Schulleiter Bernd Beckmann. Hinzu kommt: Etliche Stellen in Duisburg werden ausgeschrieben, aber nicht besetzt.

Dass Lehrer nicht in erster Linie in Duisburg anheuern, liege aber nicht nur an dem „Ruf“ der Stadt, sondern auch an handwerklichen Fehlern der Politik, etwa an 360 Euro Parkplatzgebühren, die ein Lehrer in Duisburg zahlen müsste. „Das muss weg“, fordert Beckmann.

Die Schulen sind randvoll

Vor allem an den Grundschulen aber klemmt’s: 684 Schüler werden in diesem Schuljahr in Meiderich und Beeck eingeschult, „die Schulen sind bis zu den Containern an der Bergschule randvoll“, schildert Holger Fitzner vom Bürgerverein. In der Vorlage der Verwaltung jedoch tauche dies so nicht auf. Sie gehe vielmehr davon aus, dass man durch die Klassenvergrößerung auf 29 alle Schüler unterbringen könne.

Was rein rechnerisch Duisburg-weit aufgehen mag, hat aus Sicht des Bürgervereins jedoch für den Stadtteil Folgen: Schon jetzt wende die Stadt gut drei Millionen Euro auf, um stadtweit 152 Kinder per Bus zu verteilen, die vor Ort eben keinen Platz finden. „Für sozial schwache Familien ist die Bindung zu einer Schule verloren, wenn sie weiter entfernt liegt“, kritisiert Fitzner vom Bürgerverein. Der Ruf nach einer Verteilung von Lehrern nach Sozialindex wird laut. Eine Mutter: „Wir brauchen Menschen, nicht nur Stellen, die nicht besetzt werden.“

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