Streetart

Graffiti-Künstlerin sticht aus der Duisburger Szene heraus

Der Clown „Pennywise“ aus dem Horrorfilmklassiker „Es“ (im Hintergrund) ist das neueste Kunstwerk der Duisburgerin Anna Littsa.

Der Clown „Pennywise“ aus dem Horrorfilmklassiker „Es“ (im Hintergrund) ist das neueste Kunstwerk der Duisburgerin Anna Littsa.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Künstlerin Anna Littsa sticht mit ihren Grusel-Porträts aus der Sprayer-Szene heraus. Der Einstieg in diese Kunstform fiel ihr nicht leicht.

Drohend starrt er von der Wand, der Clown „Pennywise“ aus dem Filmklassiker „Es“. Ein gruseliges Bild, das sich von den bunten und verspielten Schriftzügen im Meidericher Graffiti-Tunnel abhebt. Wie eine Handvoll weiterer Porträts entstammt “Pennywise“ der Hand von Anna Littsa, die den Tunnel regelmäßig mit ihren meterhohen, verblüffend lebendigen Bildern verziert. Dabei ist es gerade ein gutes Jahr her, dass sie zum ersten Mal zur Sprühdose griff.

Fantasy- und Horrorfilme sind ihre wichtigste Inspiration, verrät die 42-Jährige. „Mein Mann hat mich damit angesteckt, auch nach Comics sind wir ganz verrückt.“ Seit 2006 dienten ihr die Figuren aus diesen Filmen zunächst als Vorlage für ihre erste Kunstliebe, das Bemalen von Fingernägeln. Diesem Hobby geht sie mittlerweile professionell nach, im eigenen Nagelstudio in Untermeiderich.

Kreativ sei sie schon immer gewesen. „Als Kind habe ich sogar Harfe gespielt, aber eigentlich nur, weil meine Mutter das unbedingt wollte. Heute sagt auch sie, dass ich auf einer Kunstakademie besser aufgehoben gewesen wäre als in der Musikschule“, lacht Littsa.

Im Meidericher Graffiti-Tunnel ist Sprayen erlaubt

Die Kindheit, von der sie erzählt, fand in Russland statt, wo sie geboren wurde und aufwuchs. 2003 zog sie für die Liebe von Moskau nach Duisburg, wo Littsa seitdem mit ihrem Mann Thorsten zusammenlebt. Und wo sie das Stadtbild schon an so mancher Ecke mitgestaltet hat.

Kaum ein Ort in Duisburg ist bunter als der Meidericher Graffiti-Tunnel. Hier verewigt sich die Streetart-Szene der ganzen Region – wobei genau genommen keines der Werke ewig an den Wänden bleibt, regelmäßig werden sie wieder übersprüht.

Dass dort heute Bilder von Littsa zu sehen sind, ist der Freundschaft zu einem anderen Duisburger Sprayer geschuldet. Den begleitete sie oft in die auch im Dunkeln beleuchtete Unterführung der Vohwinkelstraße, auf Höhe der Autobahnauffahrt Meiderich. Hier ist das Bemalen der Wände erlaubt, die Stadt hat sogar Müllcontainer für leere Farbdosen aufgestellt.

Erstes Bild zeigte die Horrorfilmfigur „The Nun“

Fasziniert von dieser Kunstform versuchte sich Littsa schließlich selbst daran. Zuerst eine eher ernüchternde Erfahrung: „Mir taten die Finger furchtbar weh, denn man muss mit ganz schön viel Kraft auf diese Dosen drücken“, erinnert sie sich. Auch die Präzision bereitete ihr Probleme, war sie es doch aus dem Nagelstudio gewohnt, mit dem Pinsel zu arbeiten und damit feinste Linien zu zeichnen.

Littsa ließ sich nicht entmutigen, arbeitete weiter an ihrer Fingerfähigkeit, und vor rund einem Jahr prangte ihr erstes großes Bild in der Unterführung: Die kreidebleiche Nonne mit den spitzen Zähnen aus dem Horrorfilm „The Nun“.

In der Zwischenzeit sind viele weitere Werke dazugekommen. Nicht nur im Meidericher Tunnel, auch im Landschaftspark Nord, wo Littsa in diesem Jahr bei einem großen Graffiti-Wettbewerb den ersten Platz belegt hat. Auch dem Rheinpark in Hochfeld hat sie schon häufiger Farbe verliehen. Der weiteste Weg, den sie für ihr neues Hobby zurücklegte, war bislang die Strecke ins ostfriesische Wiesmoor – für einen Wettbewerb, den sie ebenfalls gewann.

Tattoos sind die nächste Herausforderung

Nach nur einem Jahr will Littsa das Sprühen nicht mehr missen: „Egal wie schlecht ein Tag war, ob ich völlig übermüdet bin oder Rückenschmerzen habe: ich gehe mit meinen Dosen in den Tunnel und vergesse alles um mich herum“.

Nun hat die kreative Russin schon die nächste Leidenschaft für sich entdeckt: das Tätowieren. Auch darin probiert sie sich seit einiger Zeit aus. Davon zeugen die Arme ihres Mannes, die nun ebenfalls Szenen wie aus einem Horrorfilm zieren.

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