Stadtgeschichte Walsum

Fliegerbombe zerstörte St.-Josef-Kirche in Walsum-Aldenrade

Die St.-Josef-Kirche Aldenrade vor dem Zweiten Weltkrieg.

Die St.-Josef-Kirche Aldenrade vor dem Zweiten Weltkrieg.

Foto: Archiv Heimatverein Walsum

Duisburg-Aldenrade.  Vor 75 Jahren ist die Aldenrader Kirche an der Kolpingstraße bis auf den Turm ausgebrannt. Seit 22 Jahren ist die St.-Josef-Kirche ein Denkmal.

Ökumene – ein Begriff, den zumindest alle älteren Aldenrader seit ihrer Kindheit kennen. Nachdem am 14. Oktober 1944 Bomben die katholische Kirche St. Josef an der Kolpingstraße zerstört hatten, bot der evangelische Pfarrer Hinkel aus der Nachbarschaft gleich am nächsten Morgen seinem katholischen Kollegen Eduard Holstein an: „Ihr könnt euren Gottesdienst heute bei uns halten.“

So schildert Helmut Schorsch, Vorsitzender des Heimatvereins Walsum, den Beginn einer bis heute währenden Freundschaft der beiden Aldenrader Kirchengemeinden.

Große Sanierung in der 60er Jahren

Die evangelische Kirche an der Ecke Schulstraße/Friedrich-Ebert-Straße war nicht im geringsten beschädigt, obwohl sie doch nur rund 250 Meter Luftlinie von der katholischen entfernt liegt. Also wurde die evangelische Gemeinde für mehrere Wochen die Wahlheimat der Katholiken. Sie durften sich im Gemeindesaal neben der Kirche eine Notkirche einrichten.

1915 wurde St. Josef eingeweiht, zwei Jahre nach Baubeginn. Die Grundsteinlegung erfolgte am 22. November 1914, wie aus einer Inschrift hervorgeht. Der Grund für den Bau des Gotteshauses: Während der Industrialisierung wuchs die Zahl der katholischen Christen so schnell, dass sich die Kirche entschloss, in Aldenrade eine eigene Gemeinde zu gründen. So wurde St. Josef von St. Dionysius abgenabelt.

Die Kirche war innen reich verziert

Zur Einweihung der neuen Kirche sollen rund 1000 Menschen gekommen sein. Das war ein wirkliches Großereignis in der damaligen Zeit, die Besucher nahmen lange Wege in Kauf. Walsum selbst zählte ja nur gut 1000 Bürger. 1997 wurde das Bauwerk als 462. in die Denkmalliste der Stadt Duisburg aufgenommen. Die Walcker-Orgel aus dem Jahr 1957 wurde 2010 ebenfalls geschützt.

Das Bauwerk ist als dreischiffige Basilika mit halbrundem Chor gebaut worden. Die Kirche war innen reich verziert. Vieles davon ging beim Brand nach dem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg für immer verloren, darunter die große Krippe, die so manchen Gast aus dem Umland angelockt hatte.

Damals wurden so manche Stilelemente beseitigt

Nach dem Krieg wurde das Bauwerk repariert, aber nur notdürftig wieder hergerichtet. Da später Bergbauschäden hinzukamen, musste das Gotteshaus in den 1960er Jahren gründlich saniert werden. Die Arbeiten wurden vom Architekten Heinz Thomas ausgeführt, der auch den Wiederaufbau der Abteikirche in Hamborn geleitet hatte. Damals wurden so manche Stilelemente beseitigt – in der Denkmalurkunde ist von „glättender Modernisierung“ die Rede. Das Gewölbe ist nach Informationen von Helmut Schorsch noch vorhanden, sei aber hinter der abgehängten Decke versteckt.

Helmut Schorsch erinnert sich, dass Pastor Holstein die ersten Änderungen am Kirchenschiff vornahm – nach den Kriegsschäden. Unter anderem ließ er kleine Anbauten (Kapellen) abreißen. Um das Gotteshaus stilgerecht reparieren zu können, brauchte er Steine, die aber Mangelware waren. Also ließ er den Turm um acht Meter kürzen und verwendete das Material.

90 Tote waren nach dem Bombenangriff zu beklagen

Der Heimatfreund fragt sich bis heute, wieso die katholische Kirche bombardiert worden ist. Er vermutet, dass es sich um einen Fehltreffer gehandelt hat, dass die Piloten entweder die Ruhrchemie in Holten oder das Bergwerk Walsum angepeilt und die Bomben schlicht zum falschen Zeitpunkt abgeworfen hatten. Rund 90 Tote waren zu beklagen.

Seit rund 20 Jahren sinkt die Zahl der Katholiken in Aldenrade permanent. So entschied sich das Bistum, St. Josef wieder mit St. Dionysius zu verschmelzen. Das geschah 2012.

St. Josef hat heute nur noch rund 3000 Mitglieder, die Großpfarrei St. Dionysius 14.500. St. Josef ist bis heute eine lebendige Gemeinschaft, die sogar noch ein neues Pfarrheim bekommen hat (2016).

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