Sommerserie Erholung

Ein Miniwald im Straßendreieck lädt zum Ausflug ein

Mächtige alte Buchen wachsen in den Himmel.

Foto: Kerstin Bögeholz

Mächtige alte Buchen wachsen in den Himmel. Foto: Kerstin Bögeholz

Duisburg-Alt-Hamborn.   Wenn man die Umweltgeräusche ausblendet, kann man sich wie in einem Märchenwald fühlen: Der Hamborner Stadtwald lädt zu kleinen Ausflügen ein.

Größer kann der Kontrast nicht sein: Auf der einen Seite der Hamborner Straße liegt der supergepflegte Botanische Garten mit seinen Blumenbeeten, dem Bauerngarten und dem Teich. Direkt gegenüber herrscht das (organisierte) Chaos. Was nicht wundert: Schließlich sind wir nicht mehr in einem Garten, sondern im Wald – dem Hamborner Stadtwald. Der ist 75 000 Quadratmeter groß und liegt eingepfercht zwischen Dieselstraße, Hamborner Straße und der Trasse der Autobahn 42. Es ist also nicht unbedingt das ruhigste Fleckchen Erde. Dafür aber eines, in dem sich die Natur noch frei entwickeln darf.

Und doch ist der Wald gepflegt. Die Wege werden in Ordnung gehalten, allerdings nicht so wie in einem Park. Da darf auch mal ein Ast liegen, da dürfen die Blätter unter den Füßen rascheln, da kann auch mal Moos und Gras wachsen – so wie es eben im richtigen Wald der Fall ist.

Der Haupteingang liegt am Kreisverkehr Diesel-/Hamborner Straße

Früher war die Fläche mal größer. Doch als die Autobahn in den 1970er Jahren gebaut wurde, verschwand ein beträchtlicher Teil unter dem Damm. Immerhin: Rund zwei Kilometer lang sind die Wander- und Spazierwege heute immer noch. Sie führen im Ring rundherum, aber es gibt auch Abkürzungen.

Der attraktivste Eingang befindet sich an der Ecke Diesel-/Hamborner Straße. Dort lädt ein aus Naturstein errichtetes Großportal zum Besuch ein. Parallel zur Hamborner Straße geht es auf einem breiten Naturweg in Richtung Botanischer Garten. Am Wegesrand liegen mächtige Stämme mit etwa einem Meter Durchmesser. Die Bäume sind vor gar nicht allzu langer Zeit gefällt worden. Ein Stück weiter, fast auf Höhe des Zugangs gegenüber vom Haupteingang des Botanischen Gartens, lohnt sich ein Blick in das Gehölz. Von einer stattlichen Buche fällt das Efeu zum Boden – man fühlt sich an Lianen erinnert.

Was würden die Bäume erzählen, wenn sie nur könnten

Interessant: Dieser Wald, obwohl so verhältnismäßig klein, ist die Heimat der Bäume, die den typisch deutschen Wald ausmachen. Nein, es sind nicht die Eichen, die das Bild bestimmen, sondern Buchen. Riesige Exemplare, die ihre Krone der Sonne entgegen recken.

Was die mächtigen Bäume wohl alles erzählen würden, wenn sie nur könnten. Spannend wäre es zu erfahren, was sie empfinden, wenn Herzchen oder Namen in ihre Rinde geritzt werden. Woher sie ihre Narben haben, die teilweise wie Kunstwerke aussehen? Wie sich die Gegend verändert hat? Ob ihnen die Abgase das Leben schwer machen? Aber sicherlich auch, was sie Schönes erlebt haben – glückliche Hochzeitpaare, lachende Kinder, Verliebte, zufriedene Jogger, erfolgreiche Schützen, fröhliche Partys.

Giftiges Jakobskreuzkraut und duftender Sommerflieder

Nach gut einer halben Stunde ist die große Runde geschafft. Unterwegs huscht eine grüne Libelle vorbei, die über Pfützen auf den Wegen Mücken und Fliegen jagt. Im Unterholz gibt es Aronstabgewächse, an einigen Stellen auch das giftige Jakobskreuzkraut und am Wegesrand duftenden Sommerflieder.

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