Arbeitslosigkeit

Duisburger Projekt bietet Langzeitarbeitslosen neue Chancen

Reger Austausch am Arbeitsplatz: Pater Tobias (links) stellt mit seinem Projekt Lebenswert auch selbst Langzeitarbeitslose in Duisburg-Neumühl ein. Manfred Lange arbeitet als Hausmeister vor allem draußen, Nadine Giangreco unterstützt im Büro die Sozialarbeiterinnen.

Reger Austausch am Arbeitsplatz: Pater Tobias (links) stellt mit seinem Projekt Lebenswert auch selbst Langzeitarbeitslose in Duisburg-Neumühl ein. Manfred Lange arbeitet als Hausmeister vor allem draußen, Nadine Giangreco unterstützt im Büro die Sozialarbeiterinnen.

Foto: STEFAN AREND

Duisburg-Neumühl.  Das Duisburger Projekt Lebenswert von Pater Tobias stellt bewusst Langzeitarbeitslose ein. Drei Angestellte berichten von ihrer Arbeit.

Knappe acht Jahre war Manfred Lange arbeitslos, zuvor hatte der gelernte Maler und Anstreicher als Brandschutztechniker gearbeitet. Heute ist der Meidericher 57 Jahre alt, nicht gerade das ideale alter, um auf dem Arbeitsmarkt auf Jobsuche zu gehen. Trotzdem hat der Duisburger wieder Arbeit, als Hausmeister ist er seit einem Jahr beim Projekt Lebenswert in Duisburg-Neumühl angestellt. Pater Tobias Breer hatte es 2007 ins Leben gerufen. Im Projekt kümmern sich der Ordensbruder der Prämonstratenser und sein Team – neben vielen anderen sozialen Aufgaben – auch darum, Langzeitarbeitslose wieder ins Berufsleben zu bringen. Als Langzeitarbeitslose gelten Menschen, die mindestens fünf Jahre keinen Beruf haben.

Manchmal, zum Beispiel bei Manfred Lange, muss das Projekt Lebenswert die Jobsuchenden aber gar nicht an Firmen vermitteln, sondern stellt sie einfach selbst an. „Ich mache hier viele Dinge“, erzählt Lange, den Pater Tobias nur „Manni“ nennt, „Rasenmähen, Reinigung der Außenbereiche oder kleine Erledigungen“. Und das offenbar sehr erfolgreich, denn Pater Tobias lobt Mannis Arbeit ausdrücklich: „Draußen ist immer alles wunderbar sauber und ordentlich, und die Leute hier mögen ihn sehr.“

Duisburgerin wollte aus der Arbeitslosigkeit heraus „und mit Menschen arbeiten“

Nadine Giangrecos Arbeit beim Projekt Lebenswert spielt sich dagegen eher drinnen als draußen ab. Die 39-jährige Duisburgerin arbeitet schon seit 2017 in Neumühl. „Ich bin hier als Bürohilfskraft tätig, ich mache also Termine, besetze das Telefon oder mache Schreibarbeit“, erklärt sie. Zuvor war Giangreco zwölf Jahre arbeitslos und arbeitete dann in einem Callcenter. „Aber da wollte ich raus. Ich wollte mit Menschen arbeiten, und das geht hier ganz hervorragend.“

Denn das Projekt bietet gleich neben dem Schmidthorster Dom, der Kirche der Gemeinde Herz-Jesu, viele Hilfen für unterschiedliche Lebenslagen an. So gibt es beispielsweise einige Angebote für Flüchtlinge. „Da werden wir so stark frequentiert, dass wir teilweise Leute wegschicken müssen“, bedauert Pater Tobias, „aber dank Nadines Arbeit haben unsere Sozialarbeiterinnen ein bisschen mehr Luft.“

Neue Mitarbeiterin schwärmt: „Was hier geleistet wird, ist Wahnsinn“

Petra, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitungs lesen möchte, ist 61 Jahre alt. Eine „Best-Agerin“, schmunzelt sie. Mit Ende 50 hat sie noch einmal eine Ausbildung zur Speditionskauffrau absolviert, ein mutiger Schritt also. Bloß, belohnt wurde dieser Mut nicht. Alle Bewerbungen liefen ins Leere. „Wohl wegen meines Alters“, vermutet Petra. Doch in diesem Juli bekam die Duisburgerin eine Stelle bei der gemeinnützigen Gesellschaft von Pater Tobias. „Ich bin so froh, dass ich hier bin“, schwärmt sie, „alleine das Sozialcafé und die Projekte für Kinder sind der Wahnsinn.“

Hauptsächlich unterstützt sie dieser Tage aber Pater Tobias bei der Akquise von Geldern, zum Beispiel bei Stiftungen. Denn das Projekt Lebenswert finanziert sich zu 80 Prozent aus Spenden, das restliche Geld kommt vom Restaurant „Sham“ – das jetzt, wie alle Gastronomie-Einrichtungen, schwer unter der Corona-Pandemie leidet. Welche Aufgabe sie in Zukunft in Neumühl ausüben wird, weiß Petra noch nicht, aber bleiben möchte sie ganz sicher. „Was hier geleistet wird, ist wirklich ganz fantastisch. Ich gucke jetzt, wo die Reise für mich hingeht.“

>> Kochkurse im „Sham“ ab dem 1. August

  • Auch Peter Glasner hat nach langer Arbeitslosigkeit beim Projekt Lebenswert einen Job bekommen. Der Duisburger arbeitet einige Stunden als „Wachmann“ in der Herz-Jesu-Kirche, wenn diese tagsüber geöffnet ist. Außerdem hilft er Hausmeister Manfred Lange.
  • Ab dem 1. August gibt es im Restaurant Sham, Holtener Straße 176, zwei verschiedene Kochkurse, deren Erlöse der gemeinnützigen GmbH und seiner Arbeit zugute kommen. Teilnehmer können lernen, gesund oder syrisch zu kochen.
  • Mehr Informationen zum Restaurant Sham und Möglichkeiten, das Projekt Lebenswert zu unterstützen gibt es im Internet auf pater-tobias.de.
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