Soziales

Duisburger Jugendliche lernen, wie man mutig wird

Zum Abschluss des Projektes „City Caches“ in der Duisburger Werkkiste kamen die Jugendlichen zusammen.

Zum Abschluss des Projektes „City Caches“ in der Duisburger Werkkiste kamen die Jugendlichen zusammen.

Foto: Lars Heidrich / Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Duisburg-Bruckhausen.  Projekt City Caches macht Jugendliche aus Duisburg und Oberhausen stark. Eine Woche lang lernten sie alles über sich, ihre Stadt und Demokratie

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Was Melissa für sich mitgenommen hat? „Mir ist klar geworden, dass ich mich nicht zurückhalten muss, nur, weil ich eine Frau bin“, sagt die 17-jährige Duisburgerin. Sich selbst zu behaupten, ist ihr bisher ganz schön schwer gefallen. Eine knappe Woche lang haben sie und rund 30 weitere junge Menschen aus Duisburg und Oberhausen an dem Projekt „City Caches“ mitgemacht und an ihren persönlichen Fähigkeiten gearbeitet.

Denn es ging dabei nur vordergründig um „Geocaching“, also das Verstecken von kleinen Zeitkapseln für die Nachwelt. Weitaus wichtiger war das, was Soziologen ‘Empowerment’ nennen: „Die Jugendlichen sollen ihre Umgebung erkunden, sich selbst kennenlernen, ihre Fähigkeiten einsetzen und an sich wahrnehmen, was sie alles können“, erläutert Mohamed-Ali Saidi, Leiter des seit 2017 bundesweit geförderten Projekts. Und sie sollen demokratische Grundrechte kennenlernen. Gerade junge Leute, die sozial- oder bildungsbenachteiligt sind, soll „City Caches“ stark machen.

Tausche Teebeutel gegen Bonbons

Dazu gehörten nicht nur Diskussionen in der Duisburger Werkkiste in Sachen Demokratie und Menschenrechte, sondern auch kleine ‘Mutproben’, erzählt Virginia (16). Fünf fremde Leute musste ihre Truppe bei einem Ausflug nach Düsseldorf ansprechen. „Das war für mich nicht so schwer“, sagt sie, etwas kniffliger war es schon, mit fremden Menschen einen Teebeutel gegen etwas anderes zu tauschen. Dafür gab es Bonbons, die anschließend gegen einen Labello, und dieser gegen einen Kuli getauscht wurde.

„Man muss sich überwinden“, gibt Jason (17) zu. Aber im Team ging es. „Ich habe gelernt, dass ich mir selbst und anderen vertrauen kann“, sagt der 17-Jährige aus Oberhausen. Die Landeshauptstadt kennenzulernen und den Landtag wie den Fernsehturm zu besuchen, hat Virginia und Jason beeindruckt: „Die Aussicht ist toll, man kann vom Turm bis in andere Städte gucken.“

Mehr Selbstbewusstsein

Und nicht wenige junge Duisburger lernten ihre Stadt erst richtig kennen, den Landschaftspark oder „das Schifffahrtsmuseum – ich wusste bisher gar nicht, dass Duisburg eines hat“, meint ein junger Mann.

Für Projektleiter Saidi ist dieses „Erkunden des eigenen Sozialraums ein wichtiger Schritt zu mehr Selbstbewusstsein und mehr Selbstständigkeit, etwa wo sind Einrichtungen, die mir helfen können? Das Jugendzentrum, der Sportplatz. Viele kennen ihr Viertel oder ihre Stadt nicht“, erklärt Saidi.

Und was haben die jungen Leute der Nachwelt hinterlassen wollen? Denn eine Aufgabe bestand darin, eine Zeitkapsel zu verstecken, die andere mit einer Geocaching-App per GPS finden können. „Mir war eine gute Nachricht wichtig, dass diejenigen, die genauso viel Spaß beim Finden haben, wie ich beim Verstecken“, sagt Oguzhan (23).

Glück aus der Kapsel

„Denke an dich und deine Mitmenschen“, hat Melissa in ihrer Kapsel aufgeschrieben. Sie will den Mut weitergeben, „dass Menschen sich gegenseitig akzeptieren und nicht mobben.“ Und wieder andere hinterließen eine Filmdose mit einem Cent-Stück: „Das soll demjenigen, der es findet viel Glück bringen“, erklärt ein junger Duisburger.

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