Bergbau

Duisburg: Walsumer Grundschüler erforschen das Bergbaumuseum

Der Knappenverein Walsum empfängt Drittklässler der Vennbruchschule in seinem Bergbaumuseum. Der Vorsitzende Uwe Wandelt freut sich über die vielen interessierten Fragen.

Der Knappenverein Walsum empfängt Drittklässler der Vennbruchschule in seinem Bergbaumuseum. Der Vorsitzende Uwe Wandelt freut sich über die vielen interessierten Fragen.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg-Walsum.  Grundschüler aus Duisburg besuchten das Museum des Knappenvereins Walsum mit vielen tiefschürfenden Fragen. Sie lernten viel über den Bergbau.

Bevor der Vorsitzende des Knappenvereins Walsum, Uwe Wandelt, gemeinsam mit Norbert Grundhöfer, seinem Stellvertreter, die kleinen Gäste empfängt, schaut er noch rasch, ob auch alles schick ist am Fördergerüst. Der grüne Förderturm aus Styropor und Holz mit beweglichen Rädern ist die neuste Erwerbung des Bergbaumuseums an der Teutonenstraße in Vierlinden. Die Karnevalsgesellschaft Gruen-Weiss Walsum hatte das tolle Teil als Dekoration für die letzte Session angefertigt und Wandelt war begeistert, es übernehmen zu dürfen. Anschaulicher kann man Kindern das Einfahren nicht erklären. Und dann sind sie da, 20 muntere Schüler aus den dritten Klassen der Vennbruchschule auf Kulturforscherexkursion. Sie lernen eine Menge und haben viele tiefschürfende Fragen.

„Den Bergbau hatte ich ursprünglich gar nicht so auf dem Schirm, dabei gehört er ja absolut zur Kultur des Ruhrgebietes dazu“, sagt Schulleiter Peter Steuwer, der den Kindern in seinem Kulturforscherprogramm möglichst viele Besuche in Museen, Gotteshäusern und an anderen interessanten Orten ermöglicht.

Schwerer Abbauhammer wandert von Hand zu Hand

Indessen erforschen Tim, Ela, Junus und die anderen schon das Fördergerüst. „Auf dieser Höhe sind achtzig Bergleute in den Förderkorb eingestiegen und mit etwa dreißig Stundenkilometern eingefahren bis auf achthundert Meter Tiefe“, erklärt Wandelt, und Grundhöfer holt zum Anfassen und Begreifen ein kurzes Stück des schenkeldicken Stahlseils herbei, das damals über die Seilscheibe lief. „Gibt es da unten überhaupt Luft?“ und „Ist es da wirklich sehr warm?“ wollen die Kinder gerne wissen. Wandelt erläutert die Grundzüge der Wetterführung unter Tage und zeigt was alles dran war am Bergmann. Er lässt den höllisch schweren Abbauhammer vorsichtig vor Hand zu Hand wandern und demonstriert die Arbeit mit dem Hammer über Kopf. Die Schüler sind schon ziemlich stark, könnten das aber nicht schaffen.

Weiberarsch und andere Fachbegriffe kennenlernen

Dann sieht Ela die Schaufel. „Ist das ein Weiberarsch?“ fragt sie mit dem überlegenen Gesichtsausdruck, den derjenige aufsetzt, der über Spezialwissen verfügt. Wandelt grinst leicht verblüfft. „Woher kennst du denn diesen Ausdruck?“, fragt er und zeigt der Gruppe die entsprechenden Schüppe mit dem herzförmigen Blatt und dem Mittelkniff. „Von Opa und aus dem Glückauf-Theaterstück“, nennt Ela brav ihre Quellen. Die regionale Bezeichnung ist bei ihr sofort hängengeblieben. Ob das mit Flöz, Streb, Strecke, Abbaufeld und Grube auch so sein wird, muss die Zeit zeigen.

Das Abbaufeld der Zeche Walsum sei 72 Quadratkilometer groß gewesen, so groß wie die Insel Formentera, hören die Kinder. Das seien insgesamt 180 Kilometer Strecke gewesen erklärt Wandelt. Die Grundschüler wissen schon, dass die Kohleschicht im Sauerland fast an der Erdoberfläche lag und dann nach Norden hin immer tiefer unter der Erde ist, bis zur Walsumer Abbautiefe von über 1000 Metern. „Und jetzt sind alle Zechen zu. Warum wurden die denn eigentlich zugemacht?“, fragt ein Junge. Das Thema geht gefühlsmäßig noch immer nicht ganz spurlos an den anwesenden Bergleuten des Knappenvereins vorüber. Sie haben lange gebraucht, um darüber hinweg zu kommen, dass auch auf ihrem Pütt schon seit 2008 Schlägel und Eisen nach unten zeigen.

Knappenverein will seine Angebote ausbauen

Als Schulleiter Steuwer 1981 seinen Dienst als junger Lehrer in Walsum antrat, da waren noch die Väter aller 25 Kinder in seiner Klasse auf der Zeche beschäftigt. Auf die Nachfrage von Uwe Wandelt hat jetzt nur noch ein Kind von einem Opa zu berichten, der früher mal Bergmann war.

Umso wichtiger sind Kulturorte wie das Vereinsheim der Knappen mit dem kleinen Museum in dem die Kinder erfahren können, was die Großen meinen, wenn sie sagen: „Kerr, wat ham wir früher malocht.“ Die Knappen haben Pläne, ihr Museum weiter auszubauen und mit neuen, digitalen Angeboten noch attraktiver zu gestalten, wenn sie ein bisschen Fördergeld ergattern können. „Wir haben vor, noch mehr Führungen für Kinder anzubieten“, sagt der Vereinsvorsitzende, der sich extra für seine kleinen Gäste „im schwarzen Kittel geschmissen“ hat.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben