Insolvenz

Duisburg: Dem Verein „Runder Tisch Marxloh“ droht das Aus

Die „Sozialen Dienste Marxloh“ scheinen nach Insolvenz im vergangenen Jahr auf einem guten Weg. Umso mehr muss der Trägerverein „Runder Tisch Marxloh“ um seine Zukunft bangen.

Die „Sozialen Dienste Marxloh“ scheinen nach Insolvenz im vergangenen Jahr auf einem guten Weg. Umso mehr muss der Trägerverein „Runder Tisch Marxloh“ um seine Zukunft bangen.

Foto: Christoph Wojtyczka / FUNKE Foto Services

Duisburg-Marxloh.  Die Rettung der insolventen „Sozialen Dienste Marxloh“ könnte für den Trägerverein „Runder Tisch“ das Ende sein. Wo die letzte Hoffnung liegt.

Insolvenzverwalter Holger Rhode wirkt zufrieden. „Die Sozialen Dienste sind finanziell gut aufgestellt“, berichtet er, gut zwei Monate nach Eröffnung des Hauptinsolvenzverfahrens. Aktuell laufe die Suche nach einem Investor für die gemeinnützige GmbH, Interessenten gebe es bereits. Doch bei der Rettung der Sozialen Dienste scheint es einen großen Verlierer zu geben: Dem Trägerverein „Runder Tisch Marxloh“ fehlt es nicht nur an Geld. Im schlimmsten Fall könnte er sogar seine Räumlichkeiten verlieren.

Dass es die Sozialen Dienste Marxloh gibt, ist dem einst wachsenden Erfolg des Runden Tisches geschuldet. Um die vielen Aufträge und die steigende Zahl an Mitarbeitern zu bewältigen, brauchte der Verein professionelle Strukturen. Mit Gründung der gGmbh im Jahr 2018 sollten diese Strukturen geschaffen werden. Rund 80 Vereinsmitarbeiter fanden bei den Sozialen Diensten ein neues Zuhause, heute sind es dort über 100. Doch seit der Insolvenz der Gesellschaft im vergangenen Jahr ist dieses Konstrukt in akuter Gefahr.

Proviva und die Lebenshilfe Duisburg sollen interessiert sein

Die Geschäfte der Sozialen Dienste führt aktuell Insolvenzverwalter Rhode. „Der Runde Tisch ist nur noch formal der Hauptgesellschafter“, erklärt er. Steigt ein Investor ein, ist der Verein endgültig raus – und steht möglicherweise ganz alleine da. „Wir kämpfen ums Überleben“, sagt der eigentlich hauptamtliche Vorsitzende Thomas Mielke. Er und ein verbliebener Angestellter des Vereins würden seit Wochen nur noch ehrenamtlich, unentgeltlich arbeiten, um die Angebote des Runden Tisches aufrecht zu erhalten. Dazu gehören aktuell etwa ein Tanzkurs, ein Trommelworkshop oder ein Kurs für gesundes Kochen. Alles inklusiv, für Kinder mit und ohne Behinderung. Auch den täglichen Quartiersservice, der im Viertel wilde Müllkippen sucht und meldet, wird vom Runden Tisch durchgeführt.

Ob und wie es mit dem Runden Tisch weitergeht, hängt auch davon ab, wer als Investor bei den Sozialen Diensten einsteigt. Nach Informationen der Redaktion gehören zu den Interessenten Proviva und die Lebenshilfe Duisburg, beide ebenfalls Anbieter von sozialen Dienstleistungen. Mit dem Investor müsste eine Form der Kooperation gefunden werden, die beide Seiten zufrieden stellt. Darauf ist der Runde Tisch nicht nur aus finanziellen Gründen angewiesen: Die Räume an der Paulskirche teilen sich Verein und gGmbH, wobei ersterer als Mieter und letztere als Untermieter auftritt, wie Mielke erklärt. Würde der Investor auf einem Auszug der Sozialen Dienste aus dem Gebäude bestehen, könnte der Verein sich die Miete nicht mehr leisten.

Zwischen den leitenden Personen ist viel Vertrauen verloren gegangen

Dazu gibt es Probleme auf menschlicher Ebene. In den vergangenen Monaten ist zwischen den leitenden Personen viel Vertrauen verloren gegangen. Vorwürfe stehen im Raum, etwa der, dass die Geschäftsführerin der Sozialen Dienste, Heike Priebe, die Zahlungsunfähigkeit ohne Wissen des Vereins, vor allem aber ohne Notwendigkeit angemeldet habe, wie Mielke kürzlich sagte. Der fühlt sich in der jetzigen Situation alleine gelassen, und appelliert an die Leitung der Sozialen Dienste: „Denkt daran, wo ihr herkommt!“

Eine künftige Zusammenarbeit wollen beide Parteien nicht ausschließen. „Die müsste aber vertraglich bis ins allerkleinste Detail geregelt sein“, sagt Mielke, der keine Grundlage für die einst freundschaftliche Zusammenarbeit mehr zu sehen scheint. Thomas Terschüren, Prokurist der Sozialen Dienste, sagt, man wolle ein gutes Verhältnis wahren. Er betont aber auch: „Wir müssen der Verantwortung für unsere Angestellten gerecht werden.“ Naturgemäß nüchterner bewertet Insolvenzverwalter Rhode die Situation: „Es kann gut sein, dass bald jeder seinen Weg geht.“

Bei einer Gläubigerversammlung am 26. Februar sollen weitere Weichen gestellt werden, zumindest für die Sozialen Dienste. Bis dahin rechnet Rhode auch mit konkreten Angeboten der potenziellen Investoren. Im Anschluss an das Treffen beim Amtsgericht will er einen Insolvenzplan erstellen. Spätestens zu den Sommerferien sollen „klare Verhältnisse“ herrschen.

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