Kirchenschließung

Drei Kirchen im Duisburger Norden müssen schließen

Bedrückte Stimmung herrschte bei der Pfarrversammlung in St. Michael in Meiderich. Die Pfarrei stellte dort ihr vorläufiges Votum für den „Pfarreientwicklungsprozess“ (PEP) des Bistums vor.

Bedrückte Stimmung herrschte bei der Pfarrversammlung in St. Michael in Meiderich. Die Pfarrei stellte dort ihr vorläufiges Votum für den „Pfarreientwicklungsprozess“ (PEP) des Bistums vor.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   321.000 Euro Miese machte die Pfarrei St. Michael im Jahr 2017. Schon 2020 soll sie schwarze Zahlen schreiben – mittels Kirchenschließungen.

PEP klingt vermeintlich peppig. Doch die Abkürzung, die für „Pfarreientwicklungsprozess“ steht und blumig den großen Sparplan des Bistums Essen bezeichnet, ist alles andere als das. PEP bringt derzeit vielerorts im Ruhrbistum vor allem Trauer, vielfach auch Verständnislosigkeit. So auch in der großen Pfarrei St. Michael, die jetzt bei einer öffentlichen Versammlung vorstellte, wie sie ihren Haushalt konsolidieren will. Für Herz Jesu in Meiderich, St. Laurentius in Beeck und St. Bernhard in Obermeiderich bedeutet das schon in wenigen Jahren das Aus.

Ruhrort benötigt Sponsoren

321.000 Euro Miese machte die Pfarrei St. Michael im vergangenen Jahr. Schon im Jahr 2020 sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Dafür müssen die Ausgaben um 39 Prozent sinken. Bis 2030 sollen sie sogar um die Hälfte gekürzt werden.

Sieben Kirchen und ein Kloster unterhält die Pfarrei St. Michael derzeit im Duisburger Norden. Darunter sind allein drei größere historische Kirchenbauten, für die laufend mit hohen Investitionskosten zu rechnen ist: die Pfarreikirche St. Michael, die Ruhrorter Kirche St. Maximilian und die St.-Laurentius-Kirche in Beeck. Nur eine von ihnen, die Meidericher Pfarreikirche, kann künftig noch komplett aus dem Haushalt finanziert werden. In Ruhrort, so hofft Pfarrer Christian Becker, könnte der neu gebildete Förderverein bei der Suche nach Sponsoren helfen. Ansonsten droht auch hier das Ende.

Ein schwerer Tag für alle Beteiligten

Doch wie vermittelt man Gläubigen, dass die Kirche, in der sie getauft wurden und geheiratet haben, schon in wenigen Jahren für immer schließen muss? Es ist ein harter Tag für alle Beteiligten, die sich nach der Sonntagsmesse im Pfarrzentrum an der Von-der-Mark-Straße eingefunden haben. Vor allem den vielen Senioren in dem voll besetzten Saal stehen Missmut und Trauer ins Gesicht geschrieben. „Auch mir fällt es nicht leicht, hier zu stehen“, sagt Pfarrer Becker.

Im Grunde sind die nüchternen Zahlen, Fakten und Strukturen schnell erklärt. Die Kirchensteuer-Einkünfte im sozial eher schwach aufgestellten Ruhrbistum sind gering, vielerorts bleiben die Bänke auch sonntags leer. Der Glaube spielt im Leben vieler Menschen heute keine so große Rolle mehr. Die Kosten für die schönen, alten Kirchengebäude aber steigen.

Neue Formen von Kirche werden gesucht

Pfarrer Christian Becker, Pastoralreferentin Marianne Philippi und Gemeindereferentin Christa Scholten-Herbst nehmen sich stundenlang Zeit, all dies erneut zu erklären und die Fragen der Gemeindemitglieder zu beantworten. Zwischendurch beten sie. Die Katholiken suchen im Glauben nach Kraft. Für die Zukunft werden sie sich an neue Formen von Kirche gewöhnen müssen: an Gottesdienste in anderen Häusern – möglicherweise sogar in evangelischen. An Busse, die in die Stadtteile kommen könnten. An mehr Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. Solche Lösungen sollen in den kommenden Monaten und Jahren überlegt werden.

>> Info: Bistum entscheidet voraussichtlich Ende Mai

Die vorgestellten Ergebnisse sollen jetzt ein letztes Mal in der Pfarrei diskutiert und am 20. Februar bei einer Sitzung vom Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand beschlossen werden.

Ende Februar soll das Votum ans Bistum Essen weitergeleitet werden. Dort wird es etwa drei Monate lang geprüft. Dann entscheidet der Bischof.

Die Pläne für die einzelnen Kirchen der Pfarrei im Überblick:

St. Michael in Meiderich 

Die Pfarrkirche St. Michael steht an zentralem Ort an der Von-der-Mark-Straße in Meiderich. Die große historische Kirche soll bestehen bleiben, ebenso das 2013 erst eröffnete Pfarreizentrum, das den Weltladen und das Projektcafé beherbergt, sowie das Pfarrhaus. Für eine erste Kontaktaufnahme mit der katholischen Kirche sei der Standort wichtig. Hier sollen künftig noch mehr Veranstaltungen die Menschen im Stadtteil erreichen. Die Citypastoral soll daher ausgebaut werden.

Christus – Unser Friede in Obermeiderich 

Die Nachkriegskirche steht in einem Stadtteil, der schon immer von Zuzug geprägt war. Zu der Kirche gehören ein angebautes Gemeindezentrum, eine Kita, Mietwohnungen mit Dienstwohnung des Pastors und eine Wohnung der Hausmeisterin. Da der Komplex laut Pfarrei nur als ganzes Gebilde zu betrachten sei, komme es hier nicht in Frage, einzelne Bereiche zu veräußern. Zudem herrsche im Stadtteil Obermeiderich ein verstärkter Bedarf an Sozialpastoral. Daher bleibt die Kirche erhalten.

St. Bernhard in Obermeiderich 

St. Bernhard befindet sich in einem guten baulichen Zustand. Voraussichtlich sind dort kaum Investitionen nötig. Dennoch: Die Filialkirche (von Christus Unser Friede) in Obermeiderich soll nur noch bis 2024 genutzt werden. Danach werden nur noch die „Verkehrssicherungspflichten“ erfüllt und das Gebäude wird – sofern möglich – verkauft. Das Gemeindeheim aber wird einem Förderverein übertragen, der alle Kosten übernehmen soll. So kann der Treffpunkt weiterhin von der Gemeinde genutzt werden.

Herz Jesu in Obermeiderich 

Die kleine historische Kirche Herz Jesu liegt auf der Grenze von Obermeiderich und Mittelmeiderich. Die Pfarrei rechnet mit hohen Instandhaltungskosten für Dach und Heizung. Die Kirche soll 2020 aufgegeben und nach Möglichkeit verkauft werden. Das Gemeindeheim kann von der Pfarrei ebenfalls nur bis 2020 finanziert werden. Bis 2025 soll es verkauft werden. Den Gläubigen vor Ort steht dann laut Pfarrei die Nutzung einer Begegnungsstätte (an der Brückelstraße 85) zur Verfügung.

St. Maximilian in Ruhrort 

Für die historische Kirche St. Maximilian, die als einzige Kirche in Ruhrort noch besteht, gibt es keine großen Mittel für Investitionen mehr. Ein Förderverein soll versuchen, alle notwendig werdenden Sanierungen der Kirche künftig mit Spenden zu finanzieren. Die Pfarrei wird lediglich die Unterhaltungskosten übernehmen. Das Gemeindeheim soll nur noch bis 2020 vom Maximilianwerk getragen werden. Es kann jedoch geöffnet bleiben, wenn der Förderverein es ebenfalls übernimmt.

St. Ewaldi in Laar 

Die Bausubstanz der kleinen historischen Kirche St. Ewaldi in Laar ist in sehr gutem Zustand. Die Kirche ist für die Pfarrei wichtig, da sie geografisch in der Mitte der Kirchen auf der Rheinschiene liegt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Autos gut für Gläubige zu erreichen ist. Daher soll die Kirche auf absehbare Zeit erhalten bleiben und auch bauliche Investitionen werden von der Pfarrei gestemmt. Das Gemeindeheim wurde bereits einem Förderverein übergeben. Es steht daher auch künftig zur Verfügung.

St. Laurentius in Beeck 

Die historische Kirche St. Laurentius in Beeck bringt hohe Kosten mit sich und soll nur noch bis 2020 genutzt werden. Von da an wird die Pfarrei nur noch die Verkehrssicherungspflicht erfüllen und das Gebäude laut Plan bis 2030 verkaufen. Auch das Gemeindeheim soll nur noch bis 2020 getragen und bis 2025 verkauft werden. Es laufen Gespräche mit einem Förderverein, der das Gebäude des ehemaligen Kindergartens an der Flottenstraße übernehmen möchte. Das könnte zu einem Treffpunkt vor Ort werden.

Kloster und Begegnungsstätte 

Das Kloster St. Laurentius beherbergt die Franziskaner. Deren Arbeit sei aus pastoralen Gründen für die Pfarrei wichtig. Daher soll das Kloster mit allen laufenden Kosten und notwendigen Reparaturen weiter finanziert werden.

Die Begegnungsstätte St. Antonius in Beeckerwerth bleibt ebenfalls bestehen. Sie ist laut Plan der letzte verbliebene Treffpunkt im Stadtteil und soll daher auch künftig für den Mittagstisch und die Treffen der Gläubigen und Anwohner zur Verfügung stehen.

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