Feuerwehr-Jubiläum

Die Vierlindener Feuerwehr hilft seit 75 Jahren

Die Feuerwehr Vierlinden bei einer Übung auf dem Franz-Lenze-Platz Ende der 1950er Jahre. 

Foto: Archiv Löschgruppe 402

Die Feuerwehr Vierlinden bei einer Übung auf dem Franz-Lenze-Platz Ende der 1950er Jahre.  Foto: Archiv Löschgruppe 402

Vierlinden.   Der Vierlindener Freiwilligen-Löschzug besteht seit 75 Jahren. Als er gegründet wurde, geschah das auf Anordnung der Nationalsozialisten.

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Auf staatliche Anordnung ist der Vierlindener Löschzug vor 75 Jahren von den Nationalsozialisten gegründet worden. Die Nazis wollten damit sicherstellen, dass nach Bombenangriffen unverzüglich die Lösch- und Aufräumarbeiten beginnen konnten. Von Freiwilliger Feuerwehr konnte damals also keine Rede sein. Das ist heute anders: Die Mitglieder sind ehrenamtlich tätig und handeln stets nach dem Leitspruch: Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr. Und das aus tiefster Überzeugung, selbstlos helfen zu müssen – bei Unfällen, Naturkatastrophen und wenn es brennt.

1942 verpflichteten die Nazis alle tauglichen Männer

In der Chronik, die anlässlich des 40. Geburtstages der Vierlindener Löschgruppe im Jahr 1982 erschienen ist, heißt es: „Der von Hitler 1939 begonnene 2. Weltkrieg hatte von Beginn an die Zivilbevölkerung in ständig wachsendem Umfang den Luftangriffen der Briten und Amerikaner ausgesetzt.“ Nach dem Luftschutzgesetz waren alle „Sicherheits- und Hilfsdienste, zu denen Polizei, Feuerwehreinheiten, Rotes Kreuz etc. gehörten, für den Luftschutz zuständig“, schrieb der damalige Duisburger Feuerwehrchef Dr. Gerhard Bach.

Deshalb seien bereits 1938 die Freiwilligen Feuerwehren zu Hilfspolizeitruppen umfunktioniert worden. 1942 verpflichteten die Nazis dann alle Männer, die in irgendeiner Weise für diese Aufgaben einsetzbar waren, zum Dienst. Heinrich Heidtmann, der bis dahin im Löschzug Aldenrade tätig war, musste die Führung und Ausbildung der Vierlindener übernehmen.

Handkarre mit Schläuchen – mehr gab es nicht

„Was bei der vorhandenen Ausrüstung nicht leicht war“, so Bach. Es gab keine Fahrzeuge, keine „Kraftspritze“. Lediglich einen Handkarren mit Schlauchmaterial, einem Standrohr, einem Hydrantenschlüssel und Beilen hatten die Männer der ersten Stunde zur Verfügung. Eine Bretterbude am Bunker Vierlinden diente als Gerätehaus.

Praktisch schutzlos mussten die Helfer im Krieg die Angriffe abwarten und anschließend gleich ausrücken, wenn ein Haus in Schutt und Asche gelegt worden war. 1943 kamen Jungen und Frauen zur Verstärkung hinzu. So mancher der Unfreiwilligentruppe verließ die Wehr nach dem Krieg. Einige entschieden sich aber, jetzt tatsächlich aus eigenen Stücken weiter zu machen.

1948 stellte Walsum das Gelände an der Hermannstraße zur Verfügung

1948 stellte die Gemeinde Walsum ihnen das Grundstück an der Herrmannstraße zur Verfügung – neben der Schmiede Steinkuhl. In Eigenleistung zogen die Helfer ihr Gerätehaus hoch, das bis 1971 lediglich aus einer Garage und einem Turm bestand. Darin wurden die Schläuche getrocknet.

Von nun an wurden die Männer vor allem bei Großbränden zur Unterstützung der Berufsfeuerwehr eingesetzt. In Erinnerung geblieben sind das Feuer am 31. Dezember 1950 in der Zellstofffabrik und die Chlorgasexplosion an selber Stelle am 3. April 1952 mit sieben Todesopfern. Aber auch Einsätze in Wehofen und Aldenrade sowie im Allwetterbad 1973.

Heutiger Chef der Freiwilligen Wehr in Vierlinden ist Kai Baron

Seit der Eingemeindung nach Duisburg im Jahr 1975 heißt die Truppe nur noch Löschgruppe 402. Heute wird sie von dem Berufsfeuerwehrmann Kai Baron (43) geleitet. Er trifft sich einmal wöchentlich mit seiner Mannschaft im Gerätehaus, das heute deutlich größer ist und auch Platz für Besprechungen bietet. In den 1960er Jahren hatte Vierlinden fast 40 aktive Helfer, heute sind maximal 27 erlaubt.

Rund 30 Einsätze fährt die Gruppe pro Jahr. Früher bestand die Mannschaft überwiegend aus Zechen- und Industriemitarbeitern, die ständig vor Ort waren. Heute setzt sie sich meist aus Handwerkern und Kaufleuten zusammen, die auch außerhalb Duisburgs arbeiten.

Die große Jubiläumsparty steigt am 3. Juni

Das Jubiläumsfest der Löschgruppe 402, wie die Vierlindener Wehr offiziell heißt, geht am 3. Juni am Feuerwehrhaus an der Hermannstraße 7 in der Nähe des Franz-Lenze-Platzes über die Bühne – elf bis 18 Uhr.

Die Mannschaft präsentiert auf ihrem Gelände den Fuhrpark und lädt alle Besucher ein, reale Übungen hautnah zu verfolgen.

Für Kinder wird eine Hüpfburg aufgebaut, die Jüngsten können sich zudem schminken lassen.

Das Essen kommt vom Grill, dazu fließt gekühlter Gerstensaft. Limo gibt es auch.

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