Marxloher probleme

Der Müll ist und bleibt ein Dauerproblem in Duisburg-Marxloh

Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer mit Gespräch mit Bürgern am August-Bebel-Platz.

Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer mit Gespräch mit Bürgern am August-Bebel-Platz.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg-Marxloh.  Müll, rücksichtslose Bürger und fehlende Parkplätze: Die Menschen in Duisburg-Marxloh haben dem Bezirksbürgermeister ihre Sorgen geschildert.

Rund um die evangelische Kreuzeskirche hat Hamborns Bezirksbürgermeister Marcus Jungbauer mit seinen Stellvertretern und etlichen Mitgliedern der Bezirksvertretung seinen zweiten Viertel-Rundgang begonnen. Ziel dieser Touren ist es herauszufinden, welche Themen den Bürgern auf den Nägeln brennen.

Womit sich die Marxloher im Einzelnen wirklich herumplagen, danach erkundigten sich die Lokalpolitiker zuerst im Senioren Begegnungs-und Beratungszentrum, das nach einem Umzug von der Hermannstraße im alten Pfarrhaus untergebracht ist. Die Seniorinnen, die gerade von der Gymnastikstunde kamen, gaben sich zunächst verschlossen: „Da sagen wir nix drüber.“ Aber sehr rasch brachen die Dämme des Schweigens. Man sei auf der Straße besonders abends nicht sicher. Und dann „diese Unverschämtheit mit der größere Gruppen von ausländischen Leuten, die Bürgersteige versperren“. Das sei ein großes Ärgernis. „Müssen wir uns das gefallen lassen, dass wir auf dem Radweg langlaufen müssen?“, empörten sich die Damen.

Kirchengemeinde will den „Affenkäfig“ zurückbauen

Marcus Jungbauer erfuhr vom Pfarrer zur Anstellung Jens Dallmann, dass Kontakte zu anderen Bevölkerungsgruppen in der Gemeinde allenfalls als „zarte Pflänzchen“ existieren. Zumindest, was die hohe Einzäunung des Kirchengeländes angeht, stehen Änderungen bevor. „Wir hören von Besuchern: Das sei ja wie im Affenkäfig hier“, sagte der junge Geistliche bei der Führung durch die Kreuzeskirche, „das wollen wir nicht mehr haben“. Der Zaun, der erst vor wenigen Jahren als Schutz vor der um sich greifenden Vermüllung errichtet wurde, soll nun bei einer kompletten Überarbeitung des Außengeländes teilweise wieder zurückgebaut werden. Die Gemeinde denkt über eine Art Wachdienst für das Gelände nach.

Die Spaziergänger von Marxloh, denen sich auch SPD-Ratsherr Manfred Slykers angeschlossen hatte, machten ihre nächste Station bei einem türkischen Tee am Imbiss vor dem Marxloh Center. Dort kreiste das Gespräch mit Anwohnern wie Harald Giering um den leidigen Dreck im Stadtteil. Giering zeigt den Besuchern Handyfotos von überquellenden Mülltonnen. Claus Krönke kennt das, sucht die Schuld aber nicht in erster Linie bei den Tonnennutzern. „Es gibt immer noch Vermieter, die lieber die Nebenkosten in die eigene Tasche wirtschaften und viel zu wenig Tonnen aufstellen“, sagte der SPD-Mann zum Stichwort Mülltonnenzwang.

Probleme am August-Bebel-Platz durch die Trinkerszene

Bei der Trinkerszene auf dem August-Bebel-Platz erfuhren die Lokalpolitiker von einem der dort sitzenden Polen, unter denen die Wodkaflasche kreist, dass er als Selbstständiger auf dem Bau gearbeitet hat, bis der Subunternehmer ihn ohne Lohn sitzen ließ. „Krankenversicherung?“ fragen die Bezirksvertreter und blicken auf die tiefen, verschorften Löcher im Arm des Mannes. Der schüttelt nur den Kopf.

Zu einem der schon recht exklusiven Herrenausstatter auf der Weseler Straße führte das Kontrastprogramm als nächstes. Dort schilderte der Laden- und Hausbesitzer Ufuk Yildirim für den jungen Werbering die ärgerliche Parkplatzsituation. „Wir haben hier viel Parkplätze, die stundenweise nicht benutzt werden dürfen, zum Beispiel, weil sie früher für den Halt eines Geldtransporters frei bleiben mussten. Bloß gibt es die entsprechende Bankfiliale schon lange nicht mehr“, sagte Yildirim.

Er bietet an, dem Bezirk alle unsinnigen Parkplatzregelungen per Mail aufzulisten. Jungbauer versprach, sich um Anpassung zu bemühen.

Die Politiker deuteten auf die teilweise recht schmutzigen Fassaden

Der Werbering hat große Pläne. Man wolle Außengastronomie fördern, damit wieder eine Flaniermeile entstünde, äußerten die Geschäftsleute. Alles, was den Leuten ein intensiveres Einkaufserlebnis beschere, sei gut gegen die Konkurrenz des Internets. Dazu gehört auch die Weihnachtsbeleuchtung.

Die Politiker deuteten auf die teilweise recht schmutzigen Fassaden der Geschäftshäuser. „Wissen eure Leute auch alle, dass es Fördergelder von der EG DU gibt, wenn man da mal als Hausbesitzer den hellen Sandstein wieder sichtbar werden lässt?“ wollte Krönke wissen.

Beim Goldhändler nebenan erfragten die Tour-Teilnehmer zum Schluss, warum in der Auslage keine Preise stehen. „Wir verkaufen hier grammweise nach Tageskurs“, ließ die freundliche Verkäuferin wissen, „bei zehn Armreifen guter Qualität für eine Braut muss der Bräutigam schon so um die achttausend Euro auf den Tisch legen.“

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