Neuer Baustil

Das Walsumer Bauhaus entstand in den frühen 1930er Jahren

Das Bild zeigt das Bauhaus-Gebäude aus den 1930er Jahren in Aldenrade.

Das Bild zeigt das Bauhaus-Gebäude aus den 1930er Jahren in Aldenrade.

Foto: Archiv Heimatverein Walsum

Duisburg-Aldenrade.  Die Architektur- und Kunstrichtung Bauhaus feiert den 100. Geburtstag. In Aldenrade steht ein solches Bauwerk. Die Enkelin des Bauherrn erzählt.

Der Kunst- und Architekturstil „Bauhaus“ feiert in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag. Helmut Schorsch (87), Vorsitzender des Heimatvereins Walsum, erinnert daran, dass es in Aldenrade auch ein Haus dieser Stilepoche gibt. Es steht an der Heinestraße (Hausnummer 45), ist aber so von Bäumen und Hecken umstanden, so dass man es kaum noch als ein ungewöhnliches Bauwerk wahrnimmt. Es befindet sich bis zum heutigen Tage im Familienbesitz des Erbauers.

Die heutige Eigentümerin ist Ulrike Thiele-Fournier (64). Ihr Großvater Ferdinand Thiele hatte das Haus in den frühen 1930er Jahren errichtet. Am 22. Juni 1934 erfolgte die Abnahme des Rohbaus durch die Baupolizeiliche Behörde Walsum. Am 31. Oktober des selben Jahres folgte die Schlussabnahme. Die Baugenehmigung war am 20. Mai 1931 erteilt worden.

Ulrike Thiele-Fournier ist in dem ungewöhnlichen Haus groß geworden. Sie lebte dort mit ihren Eltern und der Oma. Den Opa kannte sie nicht, er ist wenige Tage vor Kriegsende in Triest/Nordost-Italien als Major im Pionier-Sonderstab ums Leben gekommen.

Ein Künstler beglich seine Architektenrechnung mit einer Büste

Der Großvater, geboren am 13. Januar 1896, war Architekt und hatte in dem Haus auch sein Büro. Die heutige Eigentümerin erinnert sich an eine Porträtbüste ihres Großvaters, die im Haus ihren festen Platz hatte. „Die stammt von einem Künstler, der die Dienste meines Opas in Anspruch genommen hatte, die Rechnung aber nicht bezahlen konnte und stattdessen das Kunstwerk ablieferte.“

Ihr Großvater „war ein sehr moderner Mann“, weiß die Enkelin von Erzählungen ihrer Oma. Deshalb wollte er auch kein normales Haus bauen, sondern ein sehr spezielles, das dem damaligen, modernen Stil entsprach. Herausgekommen ist ein Gebäude in Terrassenbauweise, mit einem prächtigen, aus Backstein gemauertem, halbkreisförmigem Treppenaufgang. Klare, eckige Formen werden durch geschwungene Linien unterbrochen, so auch mit dem Balkon über dem Eingang.

Besonders beliebt war das Haus in der Bevölkerung nicht. Es war offenbar zu modern und so sei es sogar als „Judenhaus“ bezeichnet worden, berichtet Ulrike Thiele-Fournier. Den Grund hat sie nie erfahren.

Noch heute gibt es regelmäßigen Kontakt zu den Cousinen und Cousins

Neben Ulrike und ihren Eltern lebten auch drei weitere Kinder der Eheleute Ferdinand und „Liesel“ (Elisabeth) in dem Gebäude. Die Oma, die aus der bekannten Walsumer Familie Gottlieb stammte, habe die Familie immer zusammengehalten. Noch heute gebe es regelmäßigen Kontakt zu den Cousinen und Cousins.

Ulrikes Vater trat in die Fußstapfen des Vaters – auch er wurde Architekt. Inzwischen ist der Haus aber nicht mehr von der Familie bewohnt. Das Büro wurde zu einer Wohnung umgestaltet und ist so wie die anderen Einheiten vermietet. Es ist jetzt ein reines Wohnhaus.

Ulrike Thieles Vater ist 1999 verstorben. Alle weiteren Kinder der Eheleute Ferdinand und Elisabeth Thiele sind inzwischen ebenfalls verstorben. Sie selbst lebt heute in Langenfeld, kommt aber wegen der familiären Bande immer wieder in die Walsumer Heimat zurück – und freut sich jedes Mal, wenn sie an der Ort ihrer Kindheit zurückkehrt, wo sie auch gerne eine alte Schulfreundin trifft..

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