Walsum

Dank für faire Behandlung

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Wilhelm Roelens Schwiegersohn Erich Heinser nimmt zu den Protesten gegen den einstigen Walsumer Zechenchef für die Familie Stellung. Entnazifizierungsurkunde von 1947 liegt vor

Als Menschen, aber auch als Bergmann hat Erich Heinser (80) Dr. Wilhelm Roelen "sehr verehrt". Umso betroffener macht ihn die derzeitige Diskussion um seinen Schwiegervater. Anlässlich dessen 50. Todestages war am Fronleichnamstag ein Kranz auf dem Bergwerk Walsum niedergelegt worden - unter Protest (wir berichteten mehrfach).

"Politisch gehörte Wilhelm Roelen der Zentrumspartei an, bis zu ihrer Auflösung 1933. Im Krisenjahr 1932 trat Roelen dem Stahlhelm bei, wurde jedoch für den Dienst nicht in Anspruch genommen, da er nur passives Mitglied war", berichtet Heinser. "Als Mitglied des Stahlhelms wurde mein Schwiegervater zwangsweise und automatisch in die SA überführt, seine Gesuche um Entlassung aus der SA wurden ignoriert. Im übrigen wurde ihm bedeutet, dass ein Austritt aus der SA als Zeichen der Opposition gegenüber der neuen deutschen Regierung betrachtet werden würde."

Aus ihm vorliegenden Unterlagen, so Heinser, gehe hervor, dass sein Schwiegervater im Jahre 1940 vom Ortsgruppenleiter der nationalsozialistischen Partei gedrängt worden sei, "wenigstens als inaktives Mitglied" der Partei beizutreten. Roelen habe aber erklärt, dass er "niemals der Partei den Treueeid schwören könnte". Dennoch habe ihn der Ortsgruppenleiter als "reguläres Mitglied eingetragen". Roelen habe sich aber nicht an die Regeln der Nazis gehalten. So sei er 1942 zum Gauleiter Terboven nach Essen zitiert worden, der ihm u.a. vorwarf, dass auf dem Walsumer Bergwerk nicht mit "Heil Hitler", sondern mit "Glückauf" gegrüßt werde und dass auf dem Pütt keine nationalsozialistischen Fahnen gehisst würden.

Tatsächlich sei Wilhelm Roelen 1943 zum Wehrwirtschaftsführer ernannt worden, wie andere Leiter größerer Werke, insbesondere von Energieunternehmen, auch. "Dieser Titel war für Roelen eine Art Schutzschild gegen die Angriffe gewisser Personen, die ihm feindlich gesinnt waren". Unter anderem liege ihm ein Schreiben vom 25. August 1938 vom Büro des Essener Gauleiters ans Wirtschaftsministerium vor, in dem abgeraten werde, Roelen zum Wehrwirtschaftsführer zu ernennen, wegen dessen "ungenügender politischen Zuverlässigkeit", so Heinser. Kurz vor Kriegsende habe der Gauleiter Roelen noch angedroht, ihn als Landesverräter zu behandeln, wenn er "das Gebiet hier und die von ihm geleiteten Unternehmungen" nicht verlasse. Roelen habe die Aufforderung missachtet, "obschon ihm kurz vorher sogar die Liquidierung" angedroht worden sei.

Unmittelbar nach Einmarsch der Amerikaner habe Roelen sich bei den amerikanischen Behörden gemeldet und sich für die "Wiederingangsetzung der lebensnotwendigen Versorgung der Bevölkerung mit Wasser, Strom und Gas" stark gemacht.

"Roelen war mit einer Reihe von Männern befreundet, die der Widerstandsbewegung gegen das nationalsozialistische Regime angehörten", sagt Erich Heiser. Er selbst hat zwölf Jahre mit seinem Schwiegervater unter einem Dach gelebt und kennt die Biographie des einstigen Zechenchef deshalb bestens.

Heinser berichtet auch von Schreiben holländischer Fremdarbeiter an seinen Schwiegervater, "die sich nachträglich für die faire Behandlung während des Arbeitseinsatzes in Walsum und Hamborn bedanken". Die Militärregierung habe Roelen zudem ein Entlastungszeugnis ausgestellt, die Entnazifizierungsurkunde. Darin heißt es: "Hiermit wird bescheinigt, dass Roelen, Wilhelm, unter den Bestimmungen der Verordnung Nr. 42 der Militärregierung entlastet worden ist."

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