Kommunalwahl 2020

Bündnis WGD will in Duisburg Politik für Minderheiten machen

Nuh Kaplan (l.) und Yasar Durmus wollen mit der WGD („Wir gestalten Duisburg“) den Menschen eine Stimme geben, denen die Politik sonst nicht zuhöre.

Nuh Kaplan (l.) und Yasar Durmus wollen mit der WGD („Wir gestalten Duisburg“) den Menschen eine Stimme geben, denen die Politik sonst nicht zuhöre.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Duisburg-Nord.  Die Wählerinitiative WGD hat in Duisburg drei Mandate erhalten. Das Bündnis will den Norden stärken und abgehängten Stadtteilen helfen.

Die Sitzverteilung in den Bezirksvertretungen blieb am Wahl-Sonntag bis zum späten Abend in Bewegung. Nach Auszählung der letzten Stimmbezirke machte etwa die CDU in Hamborn noch einmal einen Sprung und brachte es doch noch auf vier Sitze – sie nahm damit der AfD deren schon sichergeglaubten dritten Sitz wieder weg. Ebenfalls spät tauchte die Wählerinitiative WGD in den Statistiken auf, die künftig in zwei Bezirksvertretungen des Duisburger Nordens mitbestimmen wird.

WGD hat sich vor allem auf den Duisburger Norden fokussiert

Kaum jemand hatte die Politik-Neulinge auf der Rechnung, und doch landeten sie in Hamborn und in Meiderich/Beeck deutlich über der 2,5-Prozent-Hürde. Man verstehe sich als „Partei für Minderheiten“, erklärt Nuh Kaplan, angehender Bezirksvertreter in Meiderich/Beeck. Der WGD (Abkürzung für „Wir gestalten Duisburg“) gehören demnach bisher ausschließlich Menschen mit Migrationshintergrund an, vorwiegend mit türkischen, aber auch mit polnischen, rumänischen oder arabischen Wurzeln.

[Einen Tag nach Erscheinen dieses Artikels hat die Staatsanwaltschaft gegenüber der Redaktion bestätigt, gegen WGD-Mitglieder wegen des Verdachts der Wahlfälschung zu ermitteln. Zum Bericht geht es hier.]

„Die großen Parteien SPD und CDU hören nicht mehr zu“, sagt Kaplan über die Motivation, aus der sich die Initiative 2017 gegründet hat. Auch gut integrierte Menschen, die in Duisburg aufgewachsen oder geboren sind, besser Deutsch sprechen als die Sprache der Eltern, sogar studiert haben, seien in den Augen vieler Politiker bloß „die Ausländer“. Das schlage sich auf ganze Stadtteile nieder, in denen besonders viele Migranten leben; diese Stadtteile würden von der Politik vergessen.

Folglich hat sich die WGD im Wahlkampf vor allem auf den Duisburger Norden fokussiert, wo viele Menschen aus dieser Zielgruppe unter oftmals schlechten Bedingungen leben. „Wir wollen, dass der Norden und der Süden in der Stadt gleichgestellt sind“, sagt Kaplan. „Fährt man mit dem Auto einmal durch Duisburg, glaubt man, in zwei Welten zu leben.“

In Marxloh und Bruckhausen holt die WGD die meisten Stimmen

In der Bezirksvertretung will sich Kaplan besonders für den Westen von Meiderich/Beeck einsetzen: „In anderen Teilen der Stadt kommt dreimal täglich die Straßenreinigung, in Bruckhausen oft gar nicht“, nennt er ein Beispiel, warum diese Orte Unterstützung bräuchten. Den Menschen in den strukturschwachen Stadtteilen will die WGD künftig eine Stimme geben, nicht nur in den Bezirksvertretungen, sondern auch im Rat, wo das Bündnis ebenfalls einen Sitz holte.

In ebendiesen Stadtteilen ist das Wahlergebnis der Initiative am besten. Die stärkste Bilanz hat WGD im Wahlbezirk Marxloh: 266 Stimmen entsprechen dort, wo nur 1579 Wahlberechtigte ein Kreuz machten (Wahlbeteiligung 16,63 Prozent), einem Anteil von 17,10 Prozent. Auch im Wahlbezirk Beeck/Bruckhausen/Landschaftspark wurde ein zweistelliges Ergebnis erreicht: 321 Stimmen entsprechen 13,93 Prozent.

Die meisten Mitglieder seien neu in der Politik, sagt Kaplan. Er selbst engagiert sich erst seit drei Monaten bei der WGD. Früher sei er mal bei den Jusos aktiv gewesen. Überhaupt hätten einige Mitglieder eine SPD-Vergangenheit: „Migranten haben früher eigentlich immer die SPD gewählt. Aber von der können sie heute nicht mehr viel erwarten.“ Kaplans Hamborner Kollege Yasar Durmus trat bei der OB-Wahl 2017 sogar selbst gegen SPD-Mann Sören Link an – aus Protest gegen eine von vielen türkischstämmigen Menschen als abwertend empfundene Aussage Links nach einem eskalierten Polizeieinsatz in Bruckhausen („Asozial bleibt asozial!“).

WGD will nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund vertreten

Nun gelte es zunächst, Einblicke und Erfahrungen zu sammeln und in den verschiedenen Gremien Vertreter der anderen Parteien und Bündnisse kennenzulernen. „Wir haben bis jetzt drei, vier Parteien im Kopf, von denen wir denken, dass eine Zusammenarbeit gut klappen könnte“, sagt Kaplan. Dabei denke er besonders an kleinere Bündnisse wie Junges Duisburg, sagt aber grundsätzlich: „Das muss sich finden.“

Kaplan betont, dass seine Initiative thematisch weiter wachsen will. „Politik für Minderheiten ist unsere Basis. Aber wir wollen alle Menschen in den Stadtteilen vertreten.“

>>> ZWEI SITZE FÜR DIE WGD IN DUISBURGER BEZIRKSVERTRETUNGEN

• Die Wählerinitiative WGD hat im Bezirk Hamborn 524 Stimmen erhalten. Das entspricht einem Anteil von 3,82 Prozent und einem Sitz in der Bezirksvertretung, den Yasar Durmus belegen wird. Durmus ist 50 Jahre alt, von Beruf Kranführer und wohnt in Walsum.

• In Meiderich/Beeck entsprechen 484 Stimmen einem Anteil von 3,46 Prozent und ebenfalls einem Sitz in der Bezirksvertretung. Dieses Mandat entfällt auf Nuh Kaplan, 47, Versicherungsfachwirt. Kaplan wohnt in Duissern, ist aber in Beeck aufgewachsen.

[Einen Tag nach Erscheinen dieses Artikels hat die Staatsanwaltschaft gegenüber der Redaktion bestätigt, gegen WGD-Mitglieder wegen des Verdachts der Wahlfälschung zu ermitteln. Zum Bericht geht es hier.]

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