Zuwanderer

Bezaubernde Bruckhausener Bilder

Manuel Schroeder  und Selina Sevim.Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Manuel Schroeder und Selina Sevim.Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

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Bruckhausen.   Im Projekt „Kleider machen Leute!“ lernten Roma-Kinder die Kunst, sich selbst zu erkennen. Collagen entstanden, eindringlich wie Seelen-Selbstporträts

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Neun Monate lang begleiteten Manuel Schroeder und Selina Sevim Kinder aus Bruckhausen durch das Kunstprojekt „Kleider machen Leute!“

Techniken der Fotografie und der Malerei erlernten die Kinder – viele von ihnen Roma. Der freie Einsatz dieser Fertigkeiten machte die 10 bis 14-Jährigen zu Künstlern. Zu selbstbewussten Künstlern. Im wahrsten Sinne des Wortes.

„Wir haben Wege aus dem Schubladendenken heraus gesucht“, sagt Selina Sevim, die den gebürtigen Duisburger Künstler Manuel Schroeder seit Jahren begleitet. „Nicht die Frage, ,Wie sehe ich aus’ stand hier im Vordergrund“, ergänzt Schroeder, der mittlerweile in Berlin und dem lettischen Riga ebenso zu Hause ist wie im Dellviertel, „sondern ,Was bin ich für ein Mensch? Was will ich?’, sollten die Kinder für sich selbst beantworten.“

Kein Zufall, dass es dabei um Kleider ging. Sind doch viele Stereotypen, die Roma und ihre Kinder heutzutage in die unterste aller gesellschaftlichen „Schubladen“ einsortieren, maßgeblich von Kleidung geprägt. Das hat man im Kulturbunker längst erkannt und bietet mit dem „Freeshop“ (wir berichteten) einen Ort an, wo sich Zuwanderer praktisch unentgeltlich einkleiden können.

Freilich ging es den Initiativen Kulturrucksack NRW und Raumordnung e.V,, die gemeinsam mit dem „Freeshop“ die Aktion ermöglichten, nicht darum, die Kinder einzukleiden. Im Gegenteil.

Damit die jungen Roma lernen, eben mit dem alltäglichen „Schubladen“-Denken klar zu kommen, das sie umgibt und betrifft, sollten sie sich selbst und ihre Wünsche bewusst wahrnehmen. Dafür vermittelten ihnen Projektleiter Schroeder und Assistentin Sevim Grundlagen der künstlerischen Fotografie.

Die Kinder fotografierten sich gegenseitig. Zu Beginn noch grimassenschneidend und verschlossen. Später entstanden authentische Bilder, die den Betrachter verblüffen. Weil sie den Persönlichkeiten der jungen Roma scheinbar sehr, sehr nahe kommen. Weil sie die Kinder als das zeigen, was sie in der täglichen Ausgrenzung im Duisburger Alltag nicht sind, nicht sein dürfen. Individuen, Persönlichkeiten mit Charakter und Talenten.

Ihre eigenen Bilder und Fotos aus Modemagazinen machten die Kinder zum Abschluss des Kunstprojekts zu Collagen. Kunstwerke, so beeindruckend intensiv wie Seelen-Selbstporträts.

Werke, die Manuel Schroeder so fesseln, dass er ihnen einen eigenen Katalog widmen will: „Auch, damit die Kinder sehen, das sie wirklich etwas Besonderes geleistet haben.“

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