Bürgerschaft

Bedrückender Blick auf die Beecker Jugend

Sprecherin Wilma Hohmann (Mitte) mit Pfarrer Rüdiger Kleemm (re.) und Jens Hoffmann.Foto: Daniel Elke

Sprecherin Wilma Hohmann (Mitte) mit Pfarrer Rüdiger Kleemm (re.) und Jens Hoffmann.Foto: Daniel Elke

Beeck.   Der Runde Tisch im Brauerei-Stadtteil feiert 15jährigwes Bestehen. Beim Treffen im Oberhof ist die prekäre Situation der jungen Leute Thema.

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Wunderschön geschmückt war Beecks Gute Stube, der Oberhof, beim Treffen des Beecker Runden Tisches am Montagabend. Die Sprecherin Wilma Hohmann erinnerte die Gäste im gut besuchten ehemaligen Adelssitz daran, dass der bürgerschaftliche Gesprächskreis nun schon 15 Jahre lang bestehe. Zur Feier des Tages wurden den Gästen Getränke und Süßigkeiten kredenzt.

Das Thema des Treffens erwies sich in der Folge dann als schwer verdaulich. Die Situation von Kindern und Jugendlichen im Stadtteil wurde diskutiert und anhand von Beispielen aus der Praxis analysiert. „Es gibt in Beeck praktisch keine Räume, keinen Ort, an dem sich Jugendliche in ihrer Freizeit treffen können“, sagte Wilma Hohmann nachdem die allgemeine Situation von Kindern und Jugendlichen im Brauerei-Stadtteil besprochen wurde.

Ausfall des Internets per Email melden?

Davon ausgehend, schilderten Experten aus der Praxis ihre täglichen Erfahrungen in Beecker Kindergärten, Schulen, in der Ganztagsbetreuung und in Jugendzentren. „Nachdem sie telefonisch an die Stadt gemeldet haben, dass das Internet an der Schule ausgefallen ist“, sagte eine erfahrene Beecker Pädagogin, „kriegen sie die Rückmeldung des städtischen Dienstleisters, den Fehler doch bitte per Email zu melden.“

Zur Verzweiflung bringe es die Lehrer, wenn vierzig Kinder ohne jegliche Deutschkenntnisse nicht automatisch als „förderungswürdig“ angesehen würden: „Für jedes Kind sollen gesondert auf fünf Seiten DIN-A-4 die Förderungsgründe aufgeführt werden“, sagte die Pädagogin. In ihr schreie dann der gesunde Menschenverstand auf: „Hallo! Die Kinder sprechen kein Wort Deutsch! Ist da der Förderbedarf nicht klar ersichtig?“

Probleme mit dem IMD

Über Probleme mit dem städtischen Immobiliendienstleister IMD klagen sowohl Kindergärten als auch Schulen: „Nehmen sie nur das Beispiel der Grundschule Beeckerwerth, in der das Dach im Januar vom Sturm herunter geblasen wurde“, sagte eine Teilnehmerin, „mittlerweile ist die Feuchtigkeit überall in den Wänden dieser eigentlich schönen Schule. Aber ein neues Dach ist nicht in Sicht.“

Peter Hoppe, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung für Meiderich und Beeck, versicherte den Anwesenden, dass die Politik die Lage in Beeckerwerth im Blick habe: „Glauben sie mir bitte, dass wir Druck machen in der Sache.“

Kritisiert wurde von den Anwesenden Pädagogen und Betreuern auch die Schließung der Beecker Außenstelle der Bezirksbibliothek: „Es ist nicht zu glauben, dass Konzert-Violinistinnen eine Lehrerlaubnis an Schule bekommen, aber für eine Bibliothek keine Quereinsteiger möglich sein sollen.“

Dem Wahrzeichen Oberhof neues Leben verliehen

Die Geschichte des Runden Tisches Beeck ist auf das Engste mit dem Namen von Wilma Hohmann verbunden. Die Sprecherin des Runden Tisches war es auch, die vor zehn Jahren gemeinsam mit anderen Beecker Bürgern dem Wahrzeichen Oberhof neues Leben einhauchte, sich maßgeblich an der Gründung des Vereins Netzwerk Oberhof beteiligte.

„Heute wie damals vor 15 Jahren“, sagte Hohmann am vergangenen Montagnachmittag im Oberhof, „wollen wir als Runder Tisch Beeck den Alltag der Beecker verbessern, den Stadtteil lebenswerter machen.“

Drei Arbeitskreise, sagt Hohmann, widmeten sich innerhalb des Runden Tisches diesem Anliegen: „Wir haben den Arbeitskreis historisches Beeck, den Arbeitskreis Kinder und Jugend und einen Arbeitskreis für Senioren.“ Was den letztgenannten Arbeitskreis betraf, nutzte Hohmann im Oberhof die Chance, eine neue Koordinatorin für den Arbeitskreis öffentlich vorzustellen: „In Zukunft wird sich Ulrike Quester um diesen Arbeitsbereich kümmern.“

Ulrike Quester leitet Senioren-Arbeitskreis

Mit Ulrike Quester hat der Runde Tisch eine Expertin auf dem Sachgebiet Senioren und Seniorinnen gewonnen, sie leitet in der Evangelischen Kirchengemeinde Ruhrort-Beeck den Bereich „Seniorenarbeit“. Abgesehen von der Arbeit in den jeweiligen Gruppen, sagte Hohmann, werde es dem Runden Tisch auch in Zukunft wichtig bleiben, Aktivitäten des Stadtteils mit dem Oberhof zu verbinden und zu vernetzen.

Bürger, Verwaltung, Politik, Polizei und Unternehmen zusammen zu bringen, um Probleme im Stadtteil zu lösen – dies bleibe weiterhin die Philosophie des bürgerschaftlichen Zirkels: „Und die Probleme im Stadtteil sind nicht gerade kleiner geworden in den vergangenen 15 Jahren.“

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