Serie Denkmalschutz

Bahnhof: Das Walsumer Denkmal steht am Abstellgleis

Der Bahnhof Walsum kurz nach der Eröffnung im Jahr 1912.

Der Bahnhof Walsum kurz nach der Eröffnung im Jahr 1912.

Alt-Walsum.   Vor 106 Jahren ist der Bahnhof Walsum eingeweiht worden. Seit 30 Jahren steht er unter Denkmalschutz. Die Sanierung ist ins Stocken geraten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Das „Bahnhofsempfangsgebäude Duisburg-Walsum“ ist vor 30 Jahren unter Denkmalschutz gestellt worden. Es ist das 141. Bauwerk, das die Stadt Duisburg hat schützen lassen, um einen Teil der alten Bausubstanz für die Nachwelt möglichst originalgetreu zu erhalten.

Das Gebäude wurde 1912 in Betrieb genommen – Walsum war zu der Zeit an die Eisenbahnstrecke Oberhausen-Wesel angeschlossen worden. „Das Empfangsgebäude ist in Anlehnung an die niederrheinische T-Haus vor der hochgelegten Strecke errichtet“, heißt es in der Denkmalurkunde. Und weiter schreiben die Fachleute: Der zweigeschossige Querbau stehe mit Fachwerkgiebel zur Straße, traufen-ständig angebunden sei der eingeschossige Anbau mit dem Eingang. „Der verputzte Bau hat einen Sockel aus Bruchsteinquadern, die Teilungen der Fenster sind überwiegend original erhalten, die Dächer haben Krüppelwalme“, heißt es weiter. Der Bahnsteigtunnel hatte einstmals ein Glasüberdachung, die existiert aber nicht mehr.

Symbol für die Weiterentwicklung des Ruhrbergbaus

Bedeutsam für Walsum ist der Bahnhof laut Denkmalschützern, weil er ein Symbol für die Weiterentwicklung des Ruhrbergbaus und die Ausdehnung des Hafens ist. Die Stadt entwickelte sich Anfang des 20. Jahrhunderts mit ihrer noch jungen Industrie immer weiter nordwärts. Die am Bahnhof Walsum vorbeiführende Strecke verläuft auf einem Damm. Auf den Schienen fuhren und fahren bis heute Güterzüge, die Personenbeförderung auf der Trasse existiert seit 1983 nicht mehr. Seitdem gibt es auch keinen offiziellen Zugang zum Gleis, das durch den Tunnel im Bahnhofsgebäude erreichbar war. Der Tunnel wurde auf der Gleisseite zugesperrt, später auch im Gebäude zugemauert und ist nur noch durch eine abgesperrte Tür im Notfall erreichbar.

Die Bausubstanz wurde immer schlechter

Die Güterzüge transportier(t)en unter anderem Kohle – und Material für die einstige Papierfabrik. Nach der Aufgabe der Personenbeförderung wurde der Bahnhof nicht mehr benötigt. Mal stand er leer, mal wurden Teile genutzt – die Bausubstanz wurde immer schlechter. Bis die Eheleute Tina und Mario Piva das Haus vor genau zehn Jahren übernahmen, um darin ihren Wohntraum zu verwirklichen. Anfangs waren die Walsumer guter Dinge, dass sie schnell einziehen könnten. Mit Elan gingen sie an die Renovierung und Sanierung. Allein, um den Schutt loszuwerden, der bei der Arbeit angefallen war, waren 25 Container nötig, die jeweils 7,5 Kubikmeter fassten. Der Keller war voll mit Altmaterial, neben dem Bau türmte sich auch ein gewaltiger Haufen. Dann krachten noch Decken runter, und die alten Bäder aus den 1970er Jahren mussten auch raus. „Wir sehen Licht am Ende des Tunnels“, hatte Tina 2009 gesagt, also gerade mal gut ein Jahr nach dem Kauf – für damals 65 000 Euro.

Probleme wachsen den Pivas über den Kopf

Ein Irrtum, wie sich bald herausstellte. Der Bau entpuppte sich immer mehr als Ruine – und so war es nicht verwunderlich, dass der TV-Privatsender VOX durch die wiederholte Berichterstattung dieser Zeitung auf die Eheleute und ihr Bauprojekt aufmerksam wurde. Bald wurden die beiden zu Serienstars.

„Ab in die Ruine“ hieß der Doku-Soap, in der die Walsumer im schönsten Ruhrpottdeutsch von ihrem Projekt und den Problemen berichteten. Weihnachten verbrachten die Beiden in der unwirtlichen Bude – vorm Kachelofen, eingemummelt in dicke Decken – zwischen kahlen Wänden. Und noch immer waren sie guter Laune. „Der Bau ist wie ein Überraschungsei. Jeden Tag entdecken wir was Neues“, sagte Tina. Die Probleme wuchsen ihnen schließlich über den Kopf. Jetzt wohnen sie zwar in schönen Räumen, haben aber um sich herum immer noch jede Menge Baustellen – und wollen den Ballast am liebsten loswerden. Auf Anzeigen haben sich zwar Interessenten gemeldet, einen Fisch haben sie aber immer noch nicht an der Angel.

Wie es mit dem Denkmal weitergeht, steht also in den Sternen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben