Deichwanderung

Auf der Suche nach den wilden Heilkräutern in Duisburg-Laar

Martin Scholz (links, mit der braunen Jacke) leitete eine Biotop-Exkursion am Rheinufer in Laar.

Martin Scholz (links, mit der braunen Jacke) leitete eine Biotop-Exkursion am Rheinufer in Laar.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg-Laar.  Der Rheindeich in Duisburg-Laar ist schön für Spaziergänge. Aber: Dort können interessierte auch Kräuter finden. Das erspart den Weg zur Apotheke.

Bei einer der sommerlichen Biotope-Exkursionen der VHS haben 35 Naturfreunde hinterm Rheindeich den artenreichen Streifen Land zwischen Stadt und Fluss erkundet. Unter „Götterbäumen und Blaseneschen“ ging es um die reichhaltige Pflanzen- und Tierwelt am Ufer einer stark befahrenen Wasserstraße.

Gleich oben am Deich, zwischen Beeckerwerth und Laar, da wuchert die Vielfalt. Auf lehmigen, sandigen, kiesigen, überfluteten oder trockenen Böden entsteht der unerwartete Artenreichtum der schmalen Aue in der heimische und eingewanderte Pflanzen nebeneinander wachsen.

Naturwerkstattleiter Martin Scholz bietet Führungen an

Der Agraringenieur und Naturwerkstattleiter Martin Scholz beginnt seine Führung an einem alten Terrassenfundament am Deichhang. Dort gab es vor langer Zeit ein Ausflugslokal und später einen Spielplatz. Heute verhindern große Felsbrocken das Mähen und im Windschutz der alten Steine stehen die Kräuter dicht an dicht, die reinste Naturapotheke.

Die Brennnessel als Tee getrunken, schwemme Harnstoff aus und sei gut gegen Rheuma und Gicht; die Resede gebe einen wirksamen Beruhigungstee; die Malve mit ihren Schleimstoffen wirke gegen Reizhusten; der Spitzwegerich lindere Insektenstiche, zählt Scholz auf. „Nicht so schnell, wie war das gerade mit der Malve?“, fragen die Notizbuchbenutzer unter den Zuhörern. „Die violetten Blüten färben ihnen den Hustentee erst bläulich, dann grün“, sagt Scholz, „es steht alles hier, sie brauchen nicht immer sofort in die Apotheke zu laufen.“

Zecken leben gerne auf Mäusen im Deichvorland

Er gibt der Zuhörerin Martina Gerber ein kleines Glas mit Pflanzenteilen und Wasser drin zum Schütteln. Es bildet sich sofort Schaum. „Das sind Seifenstoffe, die könnten sie jetzt nutzen, um Emulsionen herzustellen“, rät der kräuterkundige Naturexperte. Unten im Deichvorland ist der Grasboden voller Wühlmauslöcher. „Wenn sie daran interessiert sind, mit Zecken in Kontakt zu treten, dann sind sie hier richtig, die leben auf den Mäusen“, äußert Scholz.

Das Interesse seiner Zuhörer an diesem besonders intensiven Naturerlebnis hält sich aber in engen Grenzen. Der eine oder andere wirft einen kritischen Blick auf die eigenen bloßen Waden.

Götterbaum als Ersatzgehölz für sterbende heimische Arten

Aber Hilfe ist nahe. Hoch am Himmel steht ein rüttelnder Turmfalke. Der geübte Mäusejäger nimmt mit scharfem Blick sogar die minimalen Verfärbungen des Grases wahr, das die Mäuse beim Urinieren hinterlassen.

Unten am Wasser stehen die fremden Gehölze, wie der Götterbaum und die Blasenesche aus Ostchina mit den hellgrünen Kapselfrüchten in Lampion-Optik. „Viele wettern gegen solche Einwanderer, aber wenn hier einheimische Bäume wie die Linden am Klimawandel sterben, ist es doch gut, wenn es trotzdem was Grünes gibt“, sagt Scholz pragmatisch. Der Götterbaum reichert den Boden mit Stoffen an, die anderen Pflanzen das Keimen erschweren. „Ist der denn wenigstens bienenfreundlich?“ möchte der Imker Karl-Heinz Fischer wissen, der auf der Laarer Deichstraße seine Bienenstöcke stehen hat. Scholz zuckt die Schultern – auch er kann nicht alles wissen. Er zeigt auf die trichterförmigen Blüten der Ackerwinde. Die gingen um 14 Uhr zu oder in der Sommerzeit um 15 Uhr, danach könne man tatsächlich seine Uhr stellen, erklärt er. Martina Gerber nickt. „Ich hatte Leinenblüten im Garten, das sind auch so Halbtagsblüher, die mittags dicht machen“, sagt sie lachend.

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