Stadtgeschichte

Altes Stadtbad in Duisburg-Hamborn verkommt zusehends

Das Schwimmbecken im alten Stadtbad Hamborn. Das Bild stammt von

Das Schwimmbecken im alten Stadtbad Hamborn. Das Bild stammt von

Foto: Udo Milbret

Duisburg-Alt-Hamborn.   Vor 20 Jahren ist das alte Stadtbad geschlossen worden. 1938 ist es in Betrieb gegangen. Es steht seit 13 Jahren unter Denkmalschutz.

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Es gibt vermutlich kein anderes Baudenkmal in der Stadt Duisburg, das so heruntergekommen ist wie das alte Stadtbad Hamborn. Das seit 20 Jahren vor sich hingammeln darf. Für das man seit 20 Jahren keinen Nutzer findet. Gut, die Fantasten, die ein Factory-Outlet-Center nebenan auf dem Gelände der ebenfalls ungenutzten und verbarrikadierten Rhein-Ruhr-Halle und der Zinkhüttensiedlung bauen wollten, hatten ein Auge darauf geworfen. Aber die Pläne sind ja nun ein für allemal begraben.

Vor exakt zwei Jahrzehnten, 1998, hat die Stadt Duisburg das Schwimmbad an der Ecke Duisburger-/Walther-Rathenau-Straße geschlossen. Der Betrieb wurde eingestellt, weil eine Decke einsturzgefährdet war. Außerdem kam der Wunsch nach einem neuen Bad auf – 2004 wurde das Rhein-Ruhr-Bad eingeweiht.

Immer wieder ist in das Gebäude eingebrochen worden

Immerhin, obwohl es 2005 schon sieben Jahre im Dornröschenschlaf verharrte, entschied sich die Denkmalbehörde der Stadt Duisburg, den Backsteinbau aus den 1930er- Jahren zu schützen. Seitdem gilt das dreiteilige Bauwerk als Denkmal – einschließlich der vorgelagerten Freifläche, die als „Ehrenhof“ bezeichnet wird, sowie der „zentrale Erschließungsbereich“, aber nicht die „orts- und wandfeste Innenausstattung“.

Von Letzterer ist in der Zwischenzeit auch nicht mehr allzu viel erhalten geblieben. Immer wieder ist in das Gebäude eingebrochen worden, es gibt massive Vandalismusschäden. Zudem hat es in dem Bau mehrfach gebrannt – zuletzt massiv von fünfeinhalb Jahren, im März 2013. Damals dauerte es rund 36 Stunden, um das Feuer zu löschen.

Fenster sind verbrettert, es gibt Graffiti-Schmiererein

Etliche Fenster sind verbrettert, es gibt Graffiti-Schmiererein – innen und außen. Nein, das einstmals prächtige Gebäude macht derzeit keinen guten Eindruck.

Die frühere Duisburger Denkmalschützerin Claudia Euskirchen hatte das Gebäude unter anderem aus folgenden Gründen für schützenswert erachtet: „Der repräsentative, allein durch seine Ausmaße beeindruckende Bau ist bedeutend für Duisburg, insbesondere für den Stadtteil Hamborn. Er zählt zusammen mit dem Polizeiamt und der Berufs- und Realschule zu einer Generation städtischer Verwaltungs- und Zweckbauten, die bis heute das Areal prägen. Sie bezeugen den Willen der Großstadt Hamborn, [...] Bauten zu schaffen, die sich nicht nur durch ihre Funktionalität, sondern auch ihre architektonische Qualität auszeichneten.“

Innovative Badeanstalt entstand in den 1930er Jahren

Der Architekt der Badeanstalt, Franz Steinhauer, hat sich mit seinen Bauten in Hamborn übrigens weithin einen Namen gemacht. Den Bürgern sei durch diese Einrichtung eine „innovative und zudem an den aktuellen hygienetechnischen Erkenntnissen geschulte Einrichtung zur Verfügung“ gestellt worden. Baubeginn war 1929. Ein Jahr zuvor war die Finanzierung endlich in trockenen Tüchern. 2,5 Millionen Reichsmark verschlang die Badeanstalt – die Nachbarstadt Essen etwa konnte sich so was Teures nicht leisten. Schon im Frühjahr 1930 stand der Rohbau. Wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage endeten die Arbeiten aber schlagartig im selben Jahr. Nachdem die Gas- und Wasserwerke die kostenlose Belieferung mit warmem Wasser zugesagt hatten, liefen die Arbeiten 1931 wieder schleppend an. 1933 hatte die Fassade ihr „Gesicht“ bekommen. Dennoch wurde es 1938, bis die erste Schwimmhalle in Betrieb ging. Den Plänen nach sollten Damen und Herren getrennt schwimmen – doch dazu kam es nicht.

Becken aus Eisenbeton – wegen drohender Bergschäden

1945 folgte der Beschluss, das zweite, nie in Betrieb genommene Becken mit einer Holzkonstruktion zu überdecken und den Raum als Turnhalle zu nutzen – mit Zuschauerempore.

Der Mitteltrakt ist ein reiner Mauerwerkbau. Die Hallen dagegen sind in Eisenbeton konstruiert worden. Die Becken wurden, da man sich auf Bergschäden eingestellt hatte, vom Architekt gleich in einer Eisenbeton-Ausführung in Auftrag gegeben. Sie stehen über Gleitlagern, und hätten im Ernstfall nach Bodensenkungen wieder in die Horizontale gedrückt werden können. Außerdem sind die Becken so angelegt worden, wie man sie 1924 für olympische Wettkämpfe vorschrieb – mit 50-Meter-Bahnen. Die Backsteinbauweise wird Backsteinexpressionismus genannt.

Anmerkung der Redaktion: Laut mehrerer Leser handelt es sich anders als im Denkmalschutz-Text erwähnt um 25-Meter-Bahnen und nicht um 50-Meter-Bahnen.

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