Kriegserinnerungen

Alte Duisburger und junger Flüchtling berichten vom Krieg

Ralf Koss las am Freitagabend bei den Duisburger Akzenten: Unsere geprägten Leben.

Ralf Koss las am Freitagabend bei den Duisburger Akzenten: Unsere geprägten Leben.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg - Ruhrort.   Duisburger Akzente: Drei Generationen berichten in Ruhrort über ihre Flucht, die Angst und die Erfahrungen in den Bombennächten.

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Ein vielstimmiges Lesestück aus den Kriegserinnerungen von Duisburgern aus drei Generationen hat der Autor Ralf Koss für seinen Beitrag „Unsere geprägten Leben“ zu den 39. Duisburger Akzenten „Nie wieder Krieg“ konzipiert.

Im Lokal Harmonie trafen sich Senioren, denen Kindheitserinnerungen bis in den zweiten Weltkrieg zurückreichten, mit syrischen Flüchtlingen, deren Erfahrungen mit dem Krieg in ihrer Heimat noch ganz frisch sind. Es fehlten die angekündigten Duisburger, die aus dem Krieg in Ex-Jugoslawien und von Bürgerkriegen auf dem Afrikanischen Kontinent berichten wollten. „Leider hat die Grippewelle auch die Reihen meiner Lesewilligen gelichtet“, bedauerte Ralf Koss bei der Begrüßung der ebenfalls überschaubaren Zuhörerschar.

Der Krieg drängt sich in den Körper und bleibt ein Leben lang

„Der Krieg drängt sich in den Körper und bleibt ein Leben lang“, las Koss zur Einleitung aus einem eigenen Text. Auf welchen Wegen die Erinnerung hochkommt, ist für jeden anders. Für Karl Scherf, der 1933 in Ruhrort geboren wurde, ist es noch heute der Geruch von Ölsardinen und Dosenmilch, der die Erinnerung an die letzten Kriegstage zurückbringt. Sein Vater brachte einen Karton voll mit dieser seltsamen Überlebensmittelmischung in die Unterkunft der Familie. Scherf bat seine Frau, aus seinen Erinnerungen vorzulesen, weil er fürchtete, von seinen Gefühlen übermannt zu werden. Aber auch sie kämpfte mit den Tränen, als sie von der vierköpfigen Familie las, deren bläulich verfärbte Leichen über eine Woche lang unter einer flatternden Plane vor dem Tor lagen, durch das der kleine Karl täglich gehen musste.

Das Sammeln von Granatsplittern war ein beinahe gedankenloses Tauschvergnügen

Auch Werner Siepmanns Vorlesestimme schwankt. Der Ruhrorter vom Jahrgang 1931 erinnert sich inzwischen wieder lebhaft an die Zeit in seiner Kindheit, als das Sammeln von Granatsplittern ein beinahe gedankenloses Tauschvergnügen war, aber auch daran, wie er langsam begriff, was die Granaten den Menschen antaten.

In den Texten, die Koss in Vertretung vorliest, geht es um die Busse, die in den neunziger Jahren von Köln nach Belgrad und Zagreb fuhren. „Da stiegen die Serben und die Kroaten ein, die aus ihrem normalen deutschen Leben zum Wochenende in den Krieg unterwegs waren“, trug Koss mit ruhiger Stimme vor.

Ein junger Syrer schildert seine Flucht nach Jordanien

Für die Syrer in Duisburg ist es noch undenkbar, dass Tage kommen werden, an denen sie nicht an Einzelhaft, Folter und Schüsse auf Demonstranten denken müssen. „Da vorne ist die Grenze nach Jordanien, jetzt lauf, sagte mein Begleiter“, erinnert sich ein junger Flüchtling, der erst seit 2016 in Deutschland ist und schon selber seinen deutschen Text vorlesen kann. „Es gibt Soldaten, die auf ihr Gewissen hören und andere, die nur Befehle befolgen, an diesem Tag hatte ich Glück, keiner hat auf mich geschossen.“

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