Gesellschaft

Alt-Hamborn nach Ärger mit neuen Nachbarn verlassen

Ex-Profi Gregor Grillemeier hatte 23 Jahre lang seinen Sportshop am Hamborner Altmarkt. Jetzt hat er ihn aufgegeben und in Rumeln-Kaldenhausen neu eröffnet.

Ex-Profi Gregor Grillemeier hatte 23 Jahre lang seinen Sportshop am Hamborner Altmarkt. Jetzt hat er ihn aufgegeben und in Rumeln-Kaldenhausen neu eröffnet.

Foto: Michael Dahlke

Alt-Hamborn/Rumeln.   Ex-Profi Gregor Grillemeier ist mit „Grilles-Sport-Shop“ nach 23 Jahren nach Rumeln gezogen. „Belagerung“ raubte dem Kaufmann den letzten Nerv.

Am 17. Februar wird Gregor Grillemeier 60 Jahre alt. Nicht nur, weil sein Name so einprägsam ist, werden bei ihm viele hellhörig. Der drahtige, einst rotblonde Stürmer, gehörte in den späten 1970er und den gesamten 1980er Jahren zu den erfolgreichsten, torgefährlichsten Offensivspielern in der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga.

Entdeckt beim KBC Duisburg führte ihn sein Weg über den MSV unter anderem zu Arminia Bielefeld, Hertha BSC Berlin und Hannover 96. Der Heimat blieb er immer verbunden, nicht nur über seinen Sportartikelladen „Grilles-Sport-Shop“, den er 23 Jahre lang nahe des Hamborner Altmarkts betrieben hat. Bis Ende 2018.

Viele Fußballvereine im Duisburger Norden profitierten in den vergangenen 23 Jahren von der Expertise des ehemaligen Spitzen-Fußballers, der im Profigeschäft auf 107 Tore kam.

Hamborner fragen sich, warum „Grille“ weg ist

Seit Anfang des Jahres 2019 steht das Sportgeschäft an der Emscherstraße allerdings leer und viele Bürger fragen sich, warum Gregor Grillemeier nicht mehr da ist: „Leider mussten wir schweren Herzens schließen“, sagt der 59-jährige beim Gespräch, das er in seinem neuen Ladenlokal in Rumeln-Kaldenhausen führt. Dort, an der Düsseldorferstraße 16, hat Gregor Grillemeier sein Geschäft neu eröffnet: „Viele Stammkunden werden jetzt traurig sein, vermutlich werden sie mir auch nach Rumeln nicht hinterher kommen, aber es ging nicht anders.“

Angefangen, sagt Grillemeier, habe alles vor drei, vier Jahren. Damals seien kinderreiche Familien aus Osteuropa, Rumänien, in den Bereich Emscherstraße und Rote Straße gezogen. „Sowohl die Kinder als auch die Erwachsenen“, sagt Gregor Grillemeier, „haben es sich dann regelmäßig vor und neben meinem Geschäft gemütlich gemacht. Abends und nachts auch direkt im Eingang, ihr Holzbänkchen haben sie mitgebracht.“

Jeden Morgen die Überreste weggeräumt

Am nächsten Morgen, sagt Grillemeier, habe er dann jeweils die Überreste der nächtlichen geselligen Männerrunden entsorgen müssen: „Pappbecher, Kerne, Papier, Essensreste, viel Spucke“, sagt Gregor Grillemeier, „absolut ekelhaft und eine Zumutung.“

Tagsüber, sagt der ehemalige Fußballprofi und stolze Großvater, hätten ihm zunehmend nicht beschulte Kinder das Leben schwer gemacht: „Die lungerten um das Geschäft herum, warfen auch ihren Müll in den Eingang.“ Vollkommen eskaliert sei die Lage, als mutmaßlich rumänische Kinder und Jugendliche das Geschäft praktisch geplündert hätten.

Eigentlich guten Draht zu Kindern

„Ich bilde mir ein, als erfahrener Jugend-Fußballtrainer, einen hervorragenden Draht zu Kindern und Jugendlichen zu haben“, sagt Gregor Grillemeier heute, „aber da war jeder Versuch der Kommunikation zum Scheitern verurteilt.“

Nachbarn und Anwohner der Emscherstraße bestätigen auf Nachfrage der Redaktion, dass der ehemalige Fußballprofi tatsächlich regelrecht „heimgesucht“ worden sei. Andere hätten das Glück gehabt, Gitter vor den Geschäften zu haben oder in höheren Stockwerken zu wohnen. Grillemeier nicht. Der sei stets korrekt aufgetreten, sogar den Verursachern gegenüber.

Ordnungsamt und Politik mutmaßlich machtlos

„Was hätte ich denn machen sollen? Wenn ich die Herrschaften gesehen habe, habe ich manchmal auch gebeten, dass die ihren Dreck weg machen.“ Hätten die angesprochenen dann auch gemacht. Um am nächsten Abend wieder alles zu versauen.

„Ich habe mit dem Ordnungsamt gesprochen, mit der Politik gesprochen – es hat letztlich alles nichts gebracht“, sagt der Mann, der gerne bis zum Ruhestand in Hamborn geblieben wäre: „Ich hatte doch meine Stammkundschaft ich hatte doch Freunde und Bekannte in Alt-Hamborn“, sagt Grillemeier, „und außerdem, wie ich meine, ein sehr gutes Verhältnis zu den alteingesessenen Nachbarn.“

Die Entscheidung zum Umzug fiel dann in der zweiten Jahreshälfte 2018. Am 19. Dezember wurde in Alt-Hamborn alles dicht gemacht, am 1. Januar 2019 war in Rumeln alles fertig für die Eröffnung. Hilfe bekam Grillemeier dabei von seinem Sohn und dem Rest der Familie, die in Rumeln lebt: „Dafür ganz herzlichen Dank.“

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