Schule

Ärger um Türkischunterricht an Duisburger Grundschule

An der katholischen Abteischule Hamborn konnten Eltern für ihre Kinder bislang zwischen Religions- und Türkischunterricht wählen. Das ist seit diesem Schuljahr anders.

An der katholischen Abteischule Hamborn konnten Eltern für ihre Kinder bislang zwischen Religions- und Türkischunterricht wählen. Das ist seit diesem Schuljahr anders.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Duisburg.  Eine Duisburger Schule hat den Türkischunterricht vom Morgen auf den Nachmittag verlegt. Morgens wird stattdessen katholische Religion gelehrt.

Die Abteischule Hamborn befindet sich im kulturellen Schmelztiegel. Verschiedene Sprachen werden nicht nur auf der Straße gesprochen, sondern auch in den Klassenzimmern. Das Konzept des Herkunftssprachlichen Unterrichts (HSU) trägt dem Rechnung: An der katholischen Grundschule in Duisburg konnten bislang Eltern für ihre Kinder zwischen Religions- und Türkischunterricht wählen. Jetzt wurde diese Regelung gekippt. Einige Eltern ärgert das.

„Die Wertschätzung der Muttersprache wird mit Füßen getreten“

Im Rahmen des HSU werden an der Abteischule neben Türkisch auch die Fächer Polnisch, Italienisch und die kurdische Sprache Zazaisch angeboten, allesamt als freiwillige Zusatzfächer. Während der Unterricht in den drei letztgenannten Sprachen schon länger am Nachmittag stattfindet, galt für Türkisch bis vor kurzem eine Ausnahme: Eltern konnten wählen, ob ihr Kind am Morgen zum katholischen Religionsunterricht geht oder den zeitgleich stattfindenden Türkischunterricht besucht. Diese Ausnahme war dem besonders hohen Anteil türkischstämmiger Kinder geschuldet.

Zu Beginn des laufenden Schuljahres, mit dem neuen Stundenplan, war das anders: „Dort tauchte Türkisch am Vormittag einfach nicht mehr auf“, sagt eine Mutter, „stattdessen sollten auf einmal alle Kinder den katholischen Religionsunterricht besuchen.“

Für sie ist das aus zwei Gründen problematisch: „Die nicht-christlichen Kinder sitzen jetzt in der Religionsstunde in den hinteren Reihen, fühlen sich ausgeschlossen und langweilen sich.“ Vor allem aber stelle die neue Regelung viele Eltern vor organisatorische Probleme: „Die Kinder, die nicht am offenen Ganztag teilnehmen, müssen zwischen dem Vormittags- und dem Nachmittagsunterricht abgeholt, eine knappe Stunde lang betreut und wieder zur Schule gebracht werden.“

Das würde unweigerlich dazu führen, dass gerade berufstätige Eltern ihre Kinder gar nicht mehr zum Türkischunterricht schicken. „Die Wertschätzung der Muttersprache wird hier mit Füßen getreten“, klagt die Frau.

Bezirksregierung nennt organisatorische Gründe

Die zuständige Bezirksregierung in Düsseldorf begründet das neue System mit einer veränderten Zusammensetzung der Schülerschaft. Nach wie vor gebe es zwar relativ wenige Kinder mit christlichem Hintergrund und viele Kinder mit türkischen Wurzeln.

Hinzugekommen seien jedoch viele Schüler, deren Eltern aus arabischen Ländern stammen, die also weder dem katholischen Religionsunterricht noch dem Türkischunterricht zuzuordnen wären. „Um dem zu entsprechen, hätten drei Gruppen gebildet werden müssen“, sagt eine Sprecherin der Bezirksregierung. Dies sei aber sowohl aus personellen als auch aus organisatorischen Gründen nicht machbar.

Die Änderung sei am Ende des vergangenen Schuljahres von Lehrern und Elternvertretern gemeinsam beschlossen worden, betont die Sprecherin. Die Eltern habe man im September ausführlich informiert. Sie verweist auch darauf, dass die bisherige Regelung eine absolute Ausnahme gewesen sei: „Der HSU ist in Nordrhein-Westfalen grundsätzlich ein zusätzliches Angebot und findet an allen Schulen im Nachmittagsbereich statt.“ Das gelte schließlich auch für die drei anderen HSU-Fächer an der Abteischule.

Mutter sieht Chancen durch Lücken im Stundenplan

Dass nicht-christliche Kinder im Religionsunterricht ausgeschlossen würden, glaubt man bei der Bezirksregierung nicht. Es werde zwar entsprechend der konfessionellen Ausrichtung der Abteischule katholischer Unterricht erteilt. Dabei würden die Lehrer aber den heterogenen Hintergrund der Schülerschaft berücksichtigen und im Unterricht auch allgemeine religiöse und ethische Fragen sowie Feste und Bräuche aller Religionen thematisieren.

Der Mutter zufolge könnte das Problem auch auf andere Weise gelöst werden. Freitags würde nämlich für die meisten Klassen der Unterricht bereits nach der vierten Stunde enden, um 11.40 Uhr. Bis zum regulären Mittag um 13.20 Uhr entstünden dadurch Stundenkapazitäten, in denen man problemlos Kinder in der türkischen Sprache unterrichten könne. „Manchen scheint es aber wichtiger zu sein, am Freitag früh nach Hause zu kommen“, befürchtet sie.

Mit einigen anderen Eltern hat sie jetzt eine Unterschriftenaktion gestartet. Schon am ersten Tag kamen gut 50 Unterschriften zusammen. Die Liste wollen die Eltern dem Hamborner Bundestagsabgeordneten Mahmut Özdemir (SPD) übergeben.

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