Stadtgeschichte Walsum

50er Jahre: Luxus in der Aldenrader Marshall-Siedlung

Die Lindensiedlung in den 1950er Jahren.

Die Lindensiedlung in den 1950er Jahren.

Foto: Archiv Heimatverein Walsum / Heimatverein Walsum

Duisburg-Aldenrade.  In Walsum entstand dank amerikanischer Unterstützung Anfang der 50er Jahre eine Siedlung. Ein Gedenkstein an der Hooverstraße erinnert daran.

So mancher Jüngere in Aldenrade fragt sich, warum es dort eine Hooverstraße gibt. Die Antwort ist einfach: Sie erinnert an Herbert C. Hoover, den 31. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Er war es, der sich für den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland stark gemacht hatte. Und da die USA den Bau der Siedlung entlang dieser Straße sowie in der Nachbarschaft mitfinanziert hatten, wählte man diese Straßenbezeichnung.

Die zerstörte Industrie war auch einer der Nutznießer des Hilfsprogramms, das unter dem Namen Marshallplan berühmt wurde. Auch an George Marshall, den einstigen US-Außenminister, der das Hilfsprogramm bekannt gemacht hat, wird man in Aldenrade erinnert: Es gibt einen großen Felsblock mit Inschrift an der Ecke Hooverstraße/Dr.-Hans-Böckler-Straße.

Marshallplan half der Zeche und den Häuslebauern

600.000 Mark flossen aus dem Marshallplan zur „Gewerkschaft Walsum“. Damit war sichergestellt, dass der dortige Pütt technisch wieder auf die Beine kam. Was aber fehlte, waren Mitarbeiter. Die jedoch konnte man nur erfolgreich anwerben, wenn man ihnen auch Wohnungen bot. Davon gab es aber viel zu wenige in den späten 40er und frühen 50er Jahren. Da kam die Finanzspritze aus Amerika gerade richtig. Acht Millionen Mark standen für Walsum zur Verfügung.

Damit war sichergestellt, dass auf den zur Verfügung stehenden, einstigen Ackerflächen der Familien Hülsermann und Kersken endlich gebaut werden konnte. Zuvor hatte es mehrere Baupläne für diese Areale gegeben, die sich aber allesamt wegen der finanziell schwierigen Lage kurz nach dem Krieg nicht realisieren ließen. Nicht einmal die 650.000 Mark, die für die Erschließung der Grundstücke nötig waren (Straßenbau, Kanalisation, Wasser- und Stromversorgung etc.) hatte die Stadt auf der hohen Kante. Und über Steuereinnahmen ließ sich dieser Betrag nicht stemmen.

Kumpel packen bei Bau der neuen Siedlung mit an

s war also ein Glücksfall, dass sich ausgerechnet zu dem Zeitpunkt die Amerikaner als spendabel erwiesen. Rund 500 Häuser für Bergleute sind 1952/1953 entstanden. Im Mai 1952 erfolgte der erste Spatenstich. Damit war klar, dass die Träume nun Wirklichkeit werden konnten. „Unsere Bergleute sollen gut wohnen, um sich am Arbeitsort auch wohl zu fühlen“, zitierte diese Zeitung damals den Aufsichtsrat der Wohnbau Dinslaken, Dr. Barking. Sein Unternehmen hatte das große Bauprojekt federführend in der Hand.

Da so viele Wohnungen entstanden, musste auch weitere Infrastruktur geschaffen werden. So entstanden Ladenzeilen, die Kirche, die Schule und eine „zentrale Waschanstalt“ in der Nachbarschaft. Die Häuser waren ausschließlich Bergleuten vorbehalten.

Kochküche, Bäder und ein Warmluftkachelofen

Die Kumpel packten beim Bauen fleißig mit an, machten die Häuschen damit erschwinglich. Und die waren für die damalige Zeit recht komfortabel ausgestattet, sogar das Wort „Luxus“ wurde verwendet: Es gab eine Kochküche und Bäder, sogar einen Warmluftkachelofen, der mit Deputatkohle gestocht wurde. Nur Garagen gab es noch nicht – wer konnte sich damals schon ein Auto leisten?!

Ursprünglich trug die neue Wohnanlage den Namen Lindensiedlung, berichtet Helmut Schorsch vom Heimatverein Walsum. 1963, also zehn Jahre nach der Fertigstellung, wurde sie im Zuge der Einweihung des Denkmals in George-Marshall-Siedlung umbenannt. Den Stein muss man allerdings heute fast suchen: Er ist umringt von hohen Büschen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben