Integration

200 junge Marxloher Libanesen sollen in Beschäftigung

In Essen ist man schon wesentlich weiter als in Duisburg. Jedenfalls war OB Sören Link noch nie so ins Gespräch vertieft mit libanesischen Jugendlichen, wie hier sein Essener Kollege Thomas Kufen im Jahr 2016.Foto/Archiv:Dirk Bauer

In Essen ist man schon wesentlich weiter als in Duisburg. Jedenfalls war OB Sören Link noch nie so ins Gespräch vertieft mit libanesischen Jugendlichen, wie hier sein Essener Kollege Thomas Kufen im Jahr 2016.Foto/Archiv:Dirk Bauer

Marxloh.   Die Grünen würden begrüßen, wenn die Stadt libanesische Jugendliche beim Einstieg in den Job unterstützen würde. Essen und Köln als Vorbild.

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Zu Beginn der Woche trafen sich im Marxloher Petershof hochrangige Experten aus dem Ausbildungssektor der Berufswelt mit dem Einrichtungsleiter Pater Oliver (wir berichteten). Ziel der Veranstaltung: Mittel und Wege zu finden, die rund 200 jungen Marxloher Libanesen mit ungeklärtem Aufenthaltsstatus mittelfristig in Anstellungsverhältnisse zu vermitteln.

Ein Teilnehmer des maßgeblich von Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel geförderten Treffens: Melih Keser, Migrationspolitischer Sprecher der Grünen, der sich schon lange sachlich und fachlich mit der Situation dieser in der Öffentlichkeit pauschal als kriminell geächteten Zielgruppe auseinandersetzt.

Duldung nicht Basis für Existenz

„Der Ansatz, den wir beim Treffen verfolgt haben, ist vermutlich der einzig richtige“, sagt Melih Keser, der als Beecker in der Bezirksvertretung für Meiderich und Beeck sitzt, „nur, wenn wir den jungen Leuten die Chance geben, zu arbeiten, werden sie letztlich integriert.“

Richtig und wichtig sei auch, dass man dafür den Aufenthaltsstatus der jungen Leute im Blick haben müsse: „Eine Duldung ist nicht die Basis für den Aufbau einer beruflichen Existenz.“

Es sei wichtig für die Stadt Duisburg, hier von der Stadt Essen und von der Stadt Köln zu lernen, wo Jahren Programme für die Änderung des Duldungsstatus liefen: „Die Erfahrungen, die es dort gab, sollten wir uns zu Nutze machen“, sagt Keser.

Hohe Hürden bis zur Aufenthaltserlaubnis

Die Einsicht, das Problem anzupacken, sei in reifte in Essen oder Köln weit schneller gereift, als in Duisburg: Ein ungeklärter Aufenthaltsstatus und eine Duldung nach der anderen, ohne jede Bleibeperspektive, sind für junge Menschen mit libanesischer Zuwanderungsgeschichte hohe Hürden auf dem Weg hin zu einer besseren Integration. Mit einem Modellprojekt will die Stadt Essen die Situation der betroffenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen seit 2016 verbessern.

Mit einem zunächst befristeten Aufenthaltstitel bekommen die jungen kurdisch-libanesischen Jugendlichen in Essen erstmalig die Chance, auf eine uneingeschränkte Teilhabe. Das gibt’s nicht geschenkt: Um so weit zu kommen, müssen die Teilnehmer regelmäßig eine Schule besuchen, sich in einer Ausbildung befinden oder einen Job haben.

Verpflichtung, Identität zu klären

Verpflichtend ist zudem, bei der Klärung der Identität mitzuwirken und Ausweispapiere zu beschaffen. Allerdings seien die Ansprüche des Essener Programms so hoch, dass nur ein relativ geringer Anteil der in Frage stehenden Jugendlichen sich am Projekt erfolgreich beteilige.

In Köln hingegen, sagt Melih Keser, gebe es wesentlich weniger Hürden für die potenziellen Teilnehmer des betreffenden Programms: „Das Kölner Modell ist gerade erst gestartet, aber die ersten Eindrücke sind sehr vielversprechend.“

Für geduldete Jugendliche, die länger als acht Jahre in Deutschland sind, gibt es in Köln per se einen befristeten Aufenthaltsstatus. Dieser kann bei erfolgreicher beruflicher Integration und einem Lebenswandel ohne Vorstrafen, bis zu unbegrenzter Dauer verlängert werden.

„Damit schafft man eine hohe Motivation für die Teilnehmer, etwas für sich zu erreichen“, sagt Melih Keser.

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