Duisburger Tafel

Nach Brand: Wieder Mittagstisch bei Duisburger Tafel

Die Ehrenamtlichen der Tafel Duisburg deckten am Samstag erstmals nach dem Brand den Mittagstisch im Calvin-Haus der evangelischen Kirchen-Gemeinde Alt-Duisburg.

Die Ehrenamtlichen der Tafel Duisburg deckten am Samstag erstmals nach dem Brand den Mittagstisch im Calvin-Haus der evangelischen Kirchen-Gemeinde Alt-Duisburg.

Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Erstmal seit dem verheerenden Brand hat die Duisburger Tafel wieder einen Mittagstisch gedeckt. Emotionales Wiedersehen im Calvin Haus.

Die Tische im Calvin-Haus sind festlich gedeckt, auf der kleinen Bühne steht ein Weihnachtsbaum, in Behältern dampfen Möhrengemüse und Frikadellen. Es ist so schön, dass sich die Menschen in den Armen liegen und mancher ein Tränchen verdrückt: Zwei Wochen nach dem verheerend Brand bei der Tafel an der Grunewaldstraße, hat die Hilfsorganisation in dem Gemeindehaus der evangelischen Kirche übergangsweise eine neue Bleibe gefunden. Am Samstag fand hier der erste Mittagstisch statt.

Geschäftsführer Günter Spikofski ist dankbar, dass sich nun so viele Privatleute und Firmen engagieren. Unter anderem die Targobank und HKM haben gesammelt. Eine türkische Familie sponsert als Hochzeitsgeschenk ein Essen. „Das tut gut, aber dennoch werden wir uns an die Decke strecken müssen, um etwas Neues aufzubauen“, sagt Spikofski.

Nach dem Brand: Tafel kann sich keinen Neubau aus Stein leisten

Es sei auch in den Vorjahren schon so gewesen, dass der Großteil der Spenden im November und Dezember eintrudelten. Die Tafel ist auf das Geld angewiesen, finanziert so ihren laufenden Betrieb im Folgejahr. 2019 werden die Ausgaben ungleich größer sein. „Einen Neubau aus Stein werden wir uns kaum leisten können.“

Er rechnet mit tausenden Euro, die die Tafel benötigen wird. Auch die Stadt hilft bei der Suche nach einem neuen Standort. „Für uns war es Ehrensache, die Räume anzubieten. Eigentlich suchen wir für das Haus schon seit Jahren einen Käufer“, erklärt Elke Overländer, Presbyterin der evangelischen Kirchen-Gemeinde Alt-Duisburg. Für sie ist heute schon ein bisschen Weihnachten, auch wenn die neuen Besucher mit dem Namen noch ein paar Probleme haben. Aus „Calvin-“ machen sie kurzerhand „Calvados“-Haus“.

"Hier gibt es keinen Neid und keinen Hass"

„Die Räume sind viel größer und es ist so schön warm. Es tut gut, alle wieder zu sehen“, sagt eine Frau, die seit vielen Jahren den Mittagstisch besucht. „Hier gibt’s keinen Neid und keinen Hass, das sind ganz feine Menschen. Wir feiern auch Geburtstage und sogar Hochzeiten miteinander.“

Ihre Kinder wissen nicht, dass sie die Tafel besucht, deshalb will sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Ihr Tischnachbar stimmt zu: „Geld hab’ ich genug, es geht mir um die Menschen.“ Einige kommen deshalb auch lieber zum Essen und nehmen die Lebensmittelausgabe gar nicht in Anspruch.

Polizei ermittelt weiter zur Brandursache

Nebenan sitzt Günther. Er ist mit seinen 83 Jahren einer der ältesten Besucher. Jeden Monat gibt der Rentner ein Essen für alle aus – seine Leibspeise: Pellkartoffeln mit Heringsstipp. „Ich bin Tafelritter“, sagt er und lächelt. Wie die meisten war er an dem Montag nach dem Brand an der Grunewaldstraße. „Das war ein schrecklicher Anblick.“ Die Polizei ermittelt weiter, wie es zu dem Brand kommen konnte; untersucht, ob das Feuer fahrlässig oder vorsätzlich entfacht wurde.

Günther hat sich schon eine Eintrittskarte für die Weihnachtsfeier gesichert, auch die Damen wollen kommen. „Weihnachtlich ist mir nicht zumute“, sagt sie. Es gab zu viele Schicksalsschläge in diesem Jahr. Aber im Kreise der anderen Tafelgäste ist sie zumindest nicht allein. „Hier wird einem Trost gespendet. Das tut gut.“ Im Eingang des „Calvin“-Haus steht „Friede sei mit Euch.“ Bis Mitte Januar wird hier nun jeden Tag aufgetischt.

>>>Umzug im Januar in die Marienhospital-Cafeteria

„Im Januar steht für uns nochmal ein Umzug an. Wir können die alte Cafeteria des Marienhospitals in Hochfeld nutzen“, erklärt Günter Spikofski. Dort wollen die Ehrenamtlichen dann auch wieder selbst kochen. Im Gemeindehaus bekommen sie das Essen geliefert.

Im Marienhospital kann die Tafel dann die nächsten Monate bleiben, bis eine neue Lösung in Sicht ist.

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