Rocker-Milieu

Mord an Kai M.: Hells Angels-Prozess am Landgericht Duisburg

| Lesedauer: 3 Minuten
Tatort Rheinpreußenhafen in Duisburg-Homberg. Auch hier versuchten die Täter, sterbliche Überreste des ermordeten Kai M. verschwinden zu lassen. Polizeitaucher suchen auf diesem Archivbild nach ihnen.

Tatort Rheinpreußenhafen in Duisburg-Homberg. Auch hier versuchten die Täter, sterbliche Überreste des ermordeten Kai M. verschwinden zu lassen. Polizeitaucher suchen auf diesem Archivbild nach ihnen.

Foto: Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool

Duisburg/Oberhausen/Mönchengladbach.  Mord, Mordversuch, Körperverletzung, Strafvereitelung. Prozess gegen sechs Männer aus dem Umfeld der Hells Angels vor dem Landgericht Duisburg.

Es kann gut sein, dass das Opfer schon mehr als neun Jahre tot sein wird, wenn im Mordfall Kai M. ein erstes Urteil gesprochen werden könnte. Am 19. Juli um 9.15 Uhr beginnt in Raum 157 am Landgericht Duisburg der Prozess wegen dieser und einer weiteren Gewalttat im Rocker-Milieu gegen sechs Männer, die dem Umfeld der Hells Angels nahe stehen. Es geht um Mord, versuchten Mord, Strafvereitelung und Körperverletzung. Und es wird ein Mammut-Verfahren: Die als Schwurgericht tagende 5. Große Strafkammer hat neben dem Auftakt bereits 35 zusätzliche Verhandlungstage bis zum 11. Januar 2023 angesetzt. Es dürfte nicht unwahrscheinlich sein, dass danach weitere Termine anberaumt werden. Während beim Prozessauftakt aller Wahrscheinlichkeit nach nur die Anklage verlesen werden dürfte, werden am zweiten Verhandlungstag auch Zeugen aussagen. Unter anderem sind dann Gerichtsmediziner geladen.

Von den sechs Angeklagten sitzen vier teils schon seit der Großrazzia mit 900 Polizisten und Spezialeinheiten gegen Mitglieder Hells Angels im vergangenen September in Untersuchungshaft. Zwei wurden im weiteren Verlauf davon verschont. Die Rocker haben zur Aufklärung der Verbrechen während der laufenden Ermittlungen nichts beigetragen. Sie haben gegenüber den Behörden geschwiegen, wie es in der Szene üblich ist. Geredet hat dagegen - vor der Razzia - ein Kronzeuge. Seine Aussage hat Polizei und Staatsanwaltschaft nach jahrelangen Ermittlungen zum Durchbruch verholfen.

Opfer in Hinterhalt gelockt und mit Maschinenpistole erschossen

Der bei seinem gewaltsamen Tod 32-jährige M., der im Rotlichtviertel an der Flaßhofstraße in Oberhausen aktiv war und in Duisburg lebte, war am 9. Januar 2014 in Mönchengladbach in einen Hinterhalt gelockt und dann mit einer Maschinenpistole erschossen worden. Den Leichnam zerteilten die Täter und warfen die sterblichen Überreste in den Rhein-Herne-Kanal an der Stadtgrenze zwischen Oberhausen und Duisburg und in den Rhein.

Der Prozess ist nicht nur wegen der Vielzahl der Angeklagten komplex: Mit verhandelt wird vor dem Duisburger Landgericht auch eine Attacke auf ein damaliges führendes Mitglied der Bandidos und seine Freundin in Oberhausen im November 2013. Das Paar soll auf der Roonstraße in Oberhausen in einem Ford filmreif von zwei Autos der konkurrierenden Hells Angels abgepasst worden sein. Dann fallen sechs Schüsse, vier treffen den Bandido, eine Kugel bleibt in seinem Kopf stecken. Die Verletzungen sind lebensgefährlich, aber der Mann und seine Freundin können sich noch an eine Tankstelle in der Nähe retten und überleben.

Fahndung der Polizei nach zwei Haupttätern dauert weiter an

Einer der Angeklagten soll bei beiden Taten dabei gewesen sein, ein anderer nur bei dem Angriff auf den Bandido und dessen Freundin. Vier der sechs sollen bei der Beseitigung der Leiche von Kai M. teils entscheidend mitgeholfen haben. Von den mutmaßlichen Schützen in beiden Fällen fehlt spätestens seit dem Herbst des vergangenen Jahres dagegen immer noch jede Spur. Ramin Yektaparast, der Kai M. erschossen, und Mustafa Hendem, der auf den Wagen des verfeindeten Rockers gefeuert haben soll, sind weiter flüchtig. Nach den beiden Rockern wird gefahndet.

Nebenkläger gibt es in dem Prozess nach Angaben des Landgerichts nicht. Die Verhandlung dürfte unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Welche Maßnahme ergriffen würden, stehe aber noch nicht fest, so ein Gerichtssprecher. Zu dieser Frage liefen derzeit Gespräche mit der Polizei.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Duisburg

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben