Musicals

Mit dem Theater am Marientor soll Duisburg wieder zur Musicalstadt werden

Geschäftsführerin Sabine Kühn und Theaterleiter Kurt Hrubesch wollen das TaM, aber auch Duisburg als Marke stärken.

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Geschäftsführerin Sabine Kühn und Theaterleiter Kurt Hrubesch wollen das TaM, aber auch Duisburg als Marke stärken. Foto: Funke Foto Services

Duisburg.   Sabine Kühn und Kurt Hrubesch wollen das TaM und Duisburg als Marke wieder nach vorn bringen. Philharmoniker-Auszug eröffnet neue Freiheiten bei Buchungen.

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Sabine Kühn ist eine Träumerin. Aber sie will keine Luftschlösser bauen. Als sie im Mai 2015 das Theater am Marientor für die „Autark“-Kapitalgesellschaft von der Düsseldorfer „Mehr! Entertainment“ gekauft hat, sprach sie davon, wieder große Musicals auf die Bühne des Hauses holen zu wollen. Genau das hat sie mit „Die Schöne und das Biest“, das vom 22. bis zum 30. Juli zu erleben war, sowie dem eintägigen Gastspiel von „Dirty Dancing“ am 1. August geschafft. Und vom 21. bis 23. Oktober stehen vier Aufführungen des Musicals „Mozart“ auf dem Programm, das nach 160 Vorstellungen mit 175.000 Besuchern im Wiener Raimund Theater im März dieses Jahres zum letzten Mal dort zu sehen war.

„Ich bin schon ein wenig stolz darauf, Wort gehalten zu haben“, gibt die TaM-Chefin unumwunden zu. Dass ihr das gelungen ist, liegt nicht zuletzt daran, dass sie zum 1. August vergangenen Jahres Kurt Hrubesch als Theaterleiter fest angestellt hat. Der Österreicher, der zuvor für die „Mehr! Entertainment“ das TaM betreut hat, kennt nicht nur das Haus an der Plessingstraße genau, sondern ist ein alter Branchen-Hase, bringt er doch 20 Jahre Erfahrung aus dem Kölner Musical Dome mit.

Fernseh-Produktion sind neben Musicals weitere Option

Er weiß, dass die Zeiten, in denen Musicals über Jahre an einem Spielort liefen, vorbei sind. „Das gibt der Markt nicht mehr her“, sagt Hrubesch. Allenfalls sechs Monate könne man heute noch ein Musical an einem Stück zeigen. „Aber die Geschwindigkeit, in der man neue Produktionen anbieten muss, verkürzt sich immer mehr“, stellt Hrubesch fest.

Für Duisburg kommt hinzu, dass das TaM seit Jahren als Spielstätte gar nicht mehr wahrgenommen wurde. „Wir bemühen uns sehr, das Haus und Duisburg wieder bundesweit am Markt zu platzieren“, sagt Sabine Kühn. Die ersten Erfolge können sich da durchaus sehen lassen. So lag die Auslastung der Aufführungen von „Die Schöne und das Biest“ im Schnitt bei 80 Prozent, und das in einem Haus, das 1574 Plätze bietet. „Das ist eigentlich mehr als wir erwartet haben“, gesteht die Theater-Chefin.

Auch mit der ZDF-Show „Versteckte Kamera“, die im vergangenen Jahr aus dem Theatersaal gesendet wurde, hat das TaM eine gute Visitenkarte abgegeben. „Fernsehproduktionen sind für uns eine Option“, sagt Theaterleiter Hrubesch. „Das muss nicht immer die große Samstagabend-Show sein. Aufzeichnungen von Auftritten einzelner Künstler, wie der von Sascha Grammel, sind bei uns sehr gut machbar.“ In die Waagschale werfen kann das TaM-Team unter anderem die ausgesprochen funktionelle Technik des Hauses, schnelle Umbauten, eine 19 Meter hohe Bühne und die Möglichkeit, dass drei 7,5 Tonnen-Lkw gleichzeitig be- und entladen werden können. „Hinzu kommt die logistische Lage Duisburgs“, nennt Sabine Kühn einen weiteren Pluspunkt. Der hat auch den Machern von „Mozart“ zugesagt, die das Theater für sechs Wochen gemietet haben. „Die wollen die Produktion bei uns neu aufstellen und präsentieren. Dann wird alles über den Duisburger Hafen nach Shanghai verschifft“, erzählt Sabine Kühn.

Dass das TaM inzwischen mit einem vielfältigen, attraktiven Programm wieder beim Publikum punkten kann, liegt auch an dem Auszug der Philharmoniker. Der Duisburger Klangkörper hat die Ausweich-Spielstätte für die Mercatorhalle jährlich an 70 Tagen für Proben und Konzerte belegt. Da war der Spielraum für weitere Veranstaltungen eng gesteckt.

Noch einmal "Les Misérables" im TaM - das wäre ihr Traum

Zugegebenermaßen genießen Sabine Kühn und Kurt Hrubesch die neu gewonnene Dispositions-Freiheit im eigenen Haus. Aber sie sind auch traurig, dass die Philharmoniker ab September erstmal nicht mehr bei ihnen sind. „Wir haben uns sehr gut verstanden. Das war schon ein emotionaler Schmerz“, gibt Sabine Kühn zu, dass sie bei der Abschiedsfeier doch Tränen in den Augen hatte. Und Hrubesch ergänzt mit österreichischer Zurückhaltung: „Das hat schon sehr gemenschelt beim Abschied.“

Die durch den Weggang der Philharmoniker fehlenden Einnahmen hätten sie durch ihr Alternativprogramm auffangen können, sagen Hrubesch und Kühn. Und nun nehme man Duisburg langsam wieder als Musicalstadt wahr. „Wir schauen jetzt, dass wir Sachen hierher holen, die uns Erfolg bringen und auch der Stadt“, gibt Hrubesch als Marschrichtung vor. Und Sabine Kühn ergänzt: „Wir geben uns drei, vier Jahre Zeit, um deutlich zu zeigen: Wir sind jetzt da, und wir machen das mit Herzblut.“

Sabine Kühn ist eine Träumerin, und als solche würde sie gerne noch ein Mal „Les Misérables“ in das Haus holen, das in Duisburg eigens für dieses Musical gebaut wurde. Und auch wenn sich Kurt Hrubesch fragt „trete ich auf die verbrannte Erde noch mal drauf“, gibt er doch zu: „Wir würden ,Les Mis’ gerne wieder hier haben, wenn die Produzenten und das Ensemble stimmen. Momentan ist das aber nicht unsere Priorität.“ Sie wollen eben keine Luftschlösser bauen.

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