Philharmonie Mercatorhalle

Michele Gamba: Ein kluger Steuermann am Pult

Ein besonderes Wiedersehen: Ioan Ratiu und Radek Baborák spielten den zweiten Satz des Konzerts für zwei Hörner von Joseph Haydn berührend.

Ein besonderes Wiedersehen: Ioan Ratiu und Radek Baborák spielten den zweiten Satz des Konzerts für zwei Hörner von Joseph Haydn berührend.

Foto: Giovanni Pinna

Duisburg.   Das 5. Philharmonische Konzert stieß „In die Weite des Himmels“ vor – mit berührendem Hörnerklang und romantischen Klanggemälden.

Mit Michele Gamba stand jetzt ein junger und viel beschäftigter Gastdirigent am Pult der Duisburger Philharmoniker. Im 5. Konzert der Saison unter dem Motto „In der Weite des Himmels“ erklangen große Werke der Romantik und es gab auch ein Wiedersehen mit zwei bekannten Hornisten.

Das Konzert für zwei Hörner von Joseph Haydn wird nämlich von Radek Baborák und Ioan Ratiu gespielt. Baborák war in der Saison 2015/16 Residenzkünstler der Philharmoniker, während sein Kollege Ratiu über 30 Jahre Solo-Hornist des Orchesters war und sich mit diesem Auftritt aus dem Ruhestand zurückmeldet.

Die Streicher sind das Energiezentrum

Im Ansatz des Tones ist Baborák eine Spur weicher als Ratiu, aber auch dieser überrascht mit seiner lyrischen Tongestaltung, die weitab vom Klischee des schmetternden Jagdhorns liegt. Im Haydn-Doppelkonzert entwickeln beide einen intelligenten instrumentalen Dialog, wobei besonders der langsame zweite Satz berührt. Dieses Scherzo beginnt zwar in einem galanten Tonfall, erfährt dann aber immer wieder Eintrübungen, wenn die heile Dur-Welt durchbrochen wird. Gamba gönnt der Musik in diesen Momenten auch die Aura des Geheimnisvollen, die im ersten Teil von Felix Mendelssohn-Bartholdys „Meeresstille und Glückliche Fahrt“ eine Spur zu kurz kommt.

Im Finale des Werks, das auf Goethes Gedicht Bezug nimmt, gestaltet Gamba mit den Streichern eine zügige Schifffahrt, bei der die Gischt nur so sprüht. Ungewöhnlich ist die Orchesteranordnung: Die zweiten Geigen sitzen rechts vom Pult. Im Gegenzug sitzen die Celli in der Mitte und die Kontrabässe auf der linken Seite. Die Platzierung der Musiker überrascht zwar das Auge, aber kaum das Ohr.

Nach der Pause gibt es Franz Schuberts großformatige C-Dur-Sinfonie, die fast zeitgleich mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Konzertouvertüre entstanden ist. Gamba macht diese zeitliche Nähe auch hörbar, wenn er Schuberts Musik von den starken rhythmischen Akzenten der Streicher, die an diesem Abend das Energiezentrum des Orchesters sind, vorantreiben lässt. Der erste Satz erhält einen geradezu aufschäumenden Schwung.

Frisch-stürmischer Schubert

In seinem Dirigat verzichtet Gamba auf übertriebene Showeffekte. Er schlägt den Takt klar und manchmal etwas zackig, spart sich aber alles weitere gestische Beiwerk. Selbst an den dramatischen Höhepunkten, an denen in der Schubert-Sinfonie kein Mangel herrscht, geht er nicht aus sich heraus, sondern führt das Orchester wie ein kluger Steuermann. So entwickelt er die Kontraste des zweiten Satzes, der beständig zwischen Zweifel, Trostchorälen und Volkstanzstimmung wechselt, sehr homogen. Mit einem schönen Solo glänzt hier Wunder-Oboist Mikhail Zhuravlev. Im finalen Allegro vivace entwickelt Gamba mit den Philharmonikern eine frisch-stürmische Sichtweise auf Schubert, die mit viel Applaus bedacht wird.

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