Schule

Mehrheit der Eltern wünscht sich die Rückkehr zum G9-Abitur

G8 oder G9? Ehe die Frage beantwortet wird, müssen die Bedingungen stimmen, sagt die Stadtelternschaft.

Foto: Armin Weigel

G8 oder G9? Ehe die Frage beantwortet wird, müssen die Bedingungen stimmen, sagt die Stadtelternschaft. Foto: Armin Weigel

Duisburg.   Eine Umfrage der Elterschaft Duisburger Schulen (EDuS) ergibt ein unterschiedliches Meinungsbild an den Schulen.

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An den Duisburger Schulen gibt es kein klares Meinungsbildung für die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren (G9). Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Elternschaft Duisburger Schulen (EDuS) unter Schulleitern, Schulpflegschaften sowie Eltern von Gymnasiasten und Grundschülern. Die Stadtelternschaft legt sich deshalb in ihrer Stellungnahme für die Landeselternschaft zum Thema G8/G9 nicht auf ein Modell fest, sondern fordert eine Verbesserung des aktuellen Systems. „Es ist wichtiger, zunächst über Rahmenbedingungen und Inhalte zu diskutieren, statt die Struktur zu ändern“, so Dr. Christina Herold, die Vorsitzende der Stadtelternschaft.

Niemand möchte „Flexi-Lösung“

Die Befragung der Schulleiter an Duisburger Gymnasien bestätigt das Ergebnis einer Umfrage dieser Zeitung vor wenigen Monaten: Die meisten Pädagogen sind gegen die Rückkehr zum alten System. Wünschenswert aus der Schulleiter-Sicht allenfalls: eine Verlängerung der Mittelstufe bis zur Klasse 10 bei Verkürzung der Oberstufe auf zwei Jahre. Seit Empfehlungen des NRW-Schulministeriums zur Entlastung der Schüler umgesetzt wurden, sei eine Mehrheit der Eltern mit dem System zufrieden, argumentieren die Pädagogen. Eine sogenannte „Flexi-Lösung“, die innerhalb einer Schule die Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 vorsieht, sehen nicht nur sie wegen des organisatorischen Aufwandes kritisch. „Damit tun sich alle schwer“, sagt Christina Herold. Vorstellbar sei aber zumindest für die Eltern, dass sich Schulen für eine der beiden Varianten entscheiden. Immer vorausgesetzt, dass die Kooperationsmöglichkeiten benachbarter Schulen in der Oberstufe erhalten bleiben.

Duisburger Eltern bestätigen Ergebnis repräsentativer Umfrage

Müssten sie sich entscheiden, würde eine große Mehrheit der Duisburger Eltern für G9 votieren: Das sagte fast 80 Prozent der 380 befragten Väter und Mütter. Dieser Wert bestätigt für Duisburg das Ergebnis der repräsentative Umfrage des Bielefelder Bildungsforschers Prof. Rainer Dollase zu dieser Frage. Zu wenig Freizeit, zu viel Unterrichtsstoff, zu wenig verfestigtes Wissen – das bleiben die Kritikpunkte am verkürzten Weg zum Abitur. Christina Herold: „Durch das ebenso vorgezogene Einschulungsalter fällt es Jugendlichen schwer, in jungen Jahren eine Entscheidung für ihr künftiges Berufsleben zu fällen.“

Notwendiges Personal fehlt

Das an dieser Stelle eindeutige Meinungsbild veranlasst die Stadtelternschaft aber nicht zur Forderung nach einer Rückkehr zu G9 . „Wir vertreten die Meinung aller, also auch jener, die sich mit G8 arrangiert haben oder damit zufrieden sind“, so die EDuS-Vorsitzende. Wer sich ein weiteres Gymnasialjahr wünsche, müsse wissen, dass dazu sowohl das notwendige Personal als auch eine ausreichende Zahl von Räumen zur Verfügung stehen müsse. „Beides ist an vielen Schulen schon heute nicht der Fall.“

Die Stadtelternschaft fordert deshalb zunächst: eine 105-prozentige Lehrer-Ausstattung, individuellere Förderung, mehr berufsbezogene Praktika, moderne Ausstattung, sanierte Gebäude. Stärkere Kontrolle soll bessere Vergleichbarkeit ermöglichen. Auch das ein Ergebnis der Umfrage, sagt Christina Herold: „Es läuft nicht überall gleich gut.“

Kommentar von Martin Ahlers: Die Fehler nicht wiederholen 

Das ist kein überraschendes Ergebnis. Obwohl sich viele Eltern für ihre Kinder das Gymnasium wünschen, bleibt breites Unbehagen beim „Turbo-Abi“. Wie berechtigt das ist, spüren die Kinder schon ab dem ersten Tag: statt dem versprochenen sanften Start geht’s in neuer Umgebung von Null auf Hundert. Statt individueller Förderung, die in diesen Wochen wieder an vielen Schulen versprochen wird, gibt’s Unterrichtsausfall, weil das Personal nicht reicht. Auch die meisten Schulleiter würden wohl schon im nächsten Sommer zu G9 zurückkehren, wenn sie wüssten, dass die Voraussetzungen dafür gegeben wären. Doch ein Jahrgang mehr, das heißt: zehn Prozent mehr Personal und mehr Räume. Die gibt es ebenso wenig in einem System, das jahrelang auf Schrumpfung gepolt war, nun zusätzliche Aufgaben durch Inklusion von Kindern mit Behinderung und Integration von Flüchtlingen schultern muss und gerade beginnt, die gröbsten Mängel an den vernachlässigten Gebäuden zu beseitigen. Die Stadtelternschaft argumentiert daher richtig: Es ist nur dann klug, zu G9 zurückzukehren, wenn die Fehler der G8-Einführung sich nicht wiederholen.

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