Stadtentwicklung

Marina war geplant: Entwicklung bei „Waterfront“ gefordert

Seit 2007 tut sich nichts in dem Duisburg-Ruhrorter Hafenbecken, das längst ein Vorzeige-Quartier sein sollte.

Seit 2007 tut sich nichts in dem Duisburg-Ruhrorter Hafenbecken, das längst ein Vorzeige-Quartier sein sollte.

Foto: Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool

Duisburg-Ruhrort.  „Waterfront“ war eine Hochglanz-Vision für Duisburg-Ruhrort. Nun wuchert alles zu, am Ufer wird Müll abgekippt. SPD und Grüne wollen das ändern.

An nicht vollendeten Baustellen in prominenten Lagen am Wasser gibt es derzeit in Duisburg keinen Mangel. „The Curve“ siecht am Innenhafen vor sich hin, und auch das Projekt „Waterfront“ in Ruhrort wird seit Jahren als „Wartefront“ verspottet. Das soll sich nun allerdings ändern.

In der kommenden Sitzung der Bezirksvertretung Homberg/Ruhrort/Baerl stellt die SPD gemeinsam mit Bündnis90/Die Grünen einen Prüfantrag, wonach die Stadt aus dem Gelände am Eisenbahnbassin eine „städtebauliche Sanierungsmaßnahme“ machen soll. Nach dem Willen der Fraktionen soll die Stadt also den Bereich zurück kaufen und selbst entwickeln.

„Waterfront“: Bauprojekt wurde vom Duisburger Stadtrat schon 2007 beschlossen

An den Uferseiten wuchert das Grün, im Gebüsch findet sich immer wieder Müll. Zwei Angler haben es sich im Klappstuhl bequem gemacht. Wohlmeinende können dies für wildromantisch halten, allerdings ist der Zustand weit entfernt von der vielversprechenden Hochglanz-Vision „Waterfront – Marina & Life“.

Bereits 2007 beschloss der Stadtrat, dass das rund 33.400 Quadratmeter große Gelände entwickelt werden soll.

Ein Hotel, eine Markthalle, Büros und altersgerechte Wohnungen gehörten zum millionenschweren Bauvorhaben. „Allerdings hatten sich bei der Bürgerbeteiligung viele zu Wort gemeldet, die keine Markthalle an dieser Stelle wollten, weil sie um die Geschäfte am Neumarkt fürchteten“, erinnert sich Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann (SPD).

Areal wechselte 2008 zu Duisport

Inzwischen hat das Areal mehrmals den Besitzer gewechselt. 2008 endete der Pachtvertrag der Familie Luwen, die viele Jahre an der Friedrich-Ebert-Straße seit den 1930er Jahren eine Schifffahrt- und Handelsgesellschaft betrieben hatte.

Das Grundstück und die dazugehörige Immobilie ging an die Duisburg-Ruhrorter Häfen AG, heute Duisport. Zusätzlich überwiesen die Luwens 40.000 Euro, damit das Haus abgerissen wird. Das steht noch heute als Ruine dort. Im Antrag heißt es deshalb entsprechend: „Verfallene und brangeschädigte Häuser stellen eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar. Ebenfalls befinden sich um das Gelände der Waterfront GmbH lückenhaft aufgestellte Bauelemente, die Dritten den Zugang ermöglichen.“

Luwen-Haus am Eisenbahnbassin ist kein Fall für die Task Force

SPD-Bezirksvertreterin Heike Krause bedauert den Zustand: „Das ist so schade, dass sich hier nichts tut. Man könnte hier so eine schöne Marina machen und den Bereich auch touristisch entwickeln.“ Der Ruhrorter Yacht-Club, der vor kurzem seinen 100. Geburtstag feierte, könnte, so Heike Krause, in die Pläne integriert werden.

Auch der Runde Tisch Ruhrort hat in der Vergangenheit beklagt, dass der Stadtteil durch sämtliche Förder-Raster falle und Geld immer nur nach Laar, Marxloh und Hochfeld fließe. Deshalb soll das Eisenbahnbassin nun zu einem Sanierungsgebiet werden, ähnlich wie im Fall der „Weißen Riesen“ in Hochheide.

Gebäude in Ruhrort ist kein Fall für die Task Force

Auf Nachfrage bei der Stadt, erklärt Sprecher Malte Werning allerdings: „Das Haus am Kopf des Eisenbahnhafens befindet sich nicht innerhalb eines der Fördergebiete des Modellvorhabens ,Problemimmobilien’. Für die Städtebauförderung dieses Modellvorhabens besteht strikter Raumbezug. Aus diesem Grund schließt das leider in diesem Fall eine Förderung aus.“ Die Task Force werde immer nur bei eklatanten brandschutztechnischen Mängeln tätig, die eine konkrete Gefahr für Leib und Leben bedeuten.

Der Fokus liege jedoch auf bewohnten Häusern, „da hierbei vor allem der Schutz vor prekären und menschenunwürdigen Wohnverhältnissen“ im Mittelpunkt stehe. Bezogen auf das baufällige Luwen-Haus habe die Bauordnung veranlasst, dass der Gehweg vor dem Haus durch ein Gerüst gesichert wird. Durch den „Gerüsttunnel“ können Fußgänger gefahrlos an dem Haus vorübergehen.

Zehn Jahre alte Gutachten sind weiterhin gültig

Die Gutachten, die vor rund zehn Jahren erstellt wurden, sind übrigens weiterhin gültig. Und obwohl sich „Waterfront“ in der Nähe des Kraftwerks befindet, ist nach Aussage der Stadt im „nördlichen Mischgebiet bis zu 50 Prozent Wohnbebauung“ möglich.

Die Grünen wollen in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung einen weiteren Antrag stellen, der das Luwen-Haus betrifft. So viel ist sicher: Vor der Kommunalwahl am 13. September wird sich in Sachen „Waterfront“ nichts entscheiden.

Das Eisenbahnbassin ist geschichtsträchtig

Da der preußische Generalstab im 19. Jahrhundert vor allem aus militärischen Gründen keine festen Rheinbrücken zulassen wollte mussten die Kohle in Güterwaggons per Fähre von einer Rheinseite auf die andere transportiert werden. Das war eine aufwendige Prozedur, schließlich schwankte der Wasserstand und in Zeiten der Industrialisierung nahm der Eisenbahnverkehr stetig zu. Mit der Fertigstellung der Rheinhausener Eisenbahnbrücke im Jahre 1874 endete der Trajekt-Betrieb für Güterwaggons, bis 1907 wurden noch Personen übergesetzt.

Der Trajekt-Turm auf der Homberger Seite ist noch erhalten geblieben. In Ruhrort ist er ein kaum noch zu erkennendes Bodendenkmal und befindet sich auf dem Vereinsgelände des Ruhrorter Yacht-Clubs.

2015 erinnerte das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt an das Stück Hafengeschichte in besonderer Form. Für Sammler und Hafenfans gab’s einen Bausatz aus Karton zu kaufen. Im Maßstab von 1:87 konnte man den Hebeturm der Ruhrort-Homberger Trajektanstalt nachbauen.

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