Jubiläum

Malteser Hospizzentrum feiert 25-jähriges Bestehen

Annette Helling, Patientin Auguste Kehl, Walter Tewes und Mechthild Schulten (v.l.) feiern am Wochenende 25 Jahre Hospitzzentrum.

Foto: Udo Milbret

Annette Helling, Patientin Auguste Kehl, Walter Tewes und Mechthild Schulten (v.l.) feiern am Wochenende 25 Jahre Hospitzzentrum. Foto: Udo Milbret

Duisburg.   Das Malteser Hospizzentrum St. Raphael feiert Jubiläum. Im Laufe der Zeit hat sich das Sterben gewandelt. Große Feier am Wochenende geplant.

Als Mechthild Schulten vor 25 Jahren das Hospiz gründete, musste sie gegen Widerstände ankämpfen. „Damals glaubte die Gesellschaft, man würde Ghettos errichten“, erinnert sie sich. „Erst Ende der 90er kam endlich ein Gesetz für die Finanzierung der stationären Hospize.“ Heute ist die Leiterin des Malteser Hospizzentrums St. Raphael stolz auf das, was sie und ihr Team geschaffen haben: 31 hauptamtliche und über 120 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich um Patienten und ihre Angehörigen. Am Sonntag, 2. Juli, wollen sie das Jubiläum feiern.

Wenn Auguste Kehl morgens die Augen aufschlägt, fällt ihr erster Blick aus dem Fenster ins Huckinger Grün. „Herrlich, die Kaninchen hoppeln zu sehen“, sagt sie. Die 80-Jährige wohnt erst seit vier Tagen im Hospiz, fühlt sich aber schon wohl. „Es ist viel entspannter als daheim. Hier muss ich nichts mehr machen, nicht kochen, keine Wäsche“, sagt sie. Den Tag könne sie so gestalten, wie sie möchte. „Ich trinke morgens Kaffee, schaue Fernsehen und lerne nette Leute kennen.“ Schmerzen habe die Krebspatientin gerade keine, sollten welche auftreten, „weiß ich, dass mir gut geholfen wird“.

Entlastung für Betroffene

„Vielen geht es so wie Frau Kehl“, weiß Mechthild Schulten. „Zuhause ist der Druck oft groß, für die Angehörigen und die Betroffenen.“ Kommen sie in die Einrichtung, erleben viele das als Entlastung. Sie werden von den Schwestern, Pflegern und Ärzten rundum versorgt. Etwa 6000 Patienten und ihre Angehörigen haben die Mitarbeiter in den vergangenen 25 Jahren begleitet – die Betroffenen beim Sterben, ihre Angehörigen bei der Bewältigung ihrer Trauer. Seit zehn Jahren begleiten sie auch Familien mit schwer kranken Kindern und Jugendlichen im ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst, seit 20 Jahren gibt es die Trauerberatung.

Im Jahr 1999 zog das Hospizzentrum von Hamborn nach Huckingen um. Seitdem gibt es dort zwölf stationäre Plätze. „Manchmal wird bei uns zwei- bis dreimal am Tag gestorben“, sagt Mechthild Schulten. Die Aufenthaltsdauer der Patienten sei aber durchaus unterschiedlich. „Es gibt auch Patienten, die sind mehrere Monate bei uns." Abgewiesen werden musste bislang niemand. „Dafür gibt es den ambulanten Bereich“, ergänzt Walter Tewes, der den ambulanten Palliativ- und Hospizdienst sowie den Kinder- und Jugendhospizdienst leitet. Immerhin möchte ein Großteil der Menschen zuhause sterben. „Wir unterstützen die Betroffenen und stärken die Angehörigen – auch nach dem Todesfall.“

Die Begleitung hat sich stark weiterentwickelt

Wie hat sich das Sterben in 25 Jahren verändert? „Die Begleitung hat sich stark weiterentwickelt“, weiß Annette Helling, Leiterin des Stationären Hospizes. Der Mensch werde ganzheitlicher gesehen, die Palliativmedizin habe erhebliche Fortschritte gemacht. Vor 25 Jahren waren Mediziner sehr zurückhaltend, was Schmerzmittel anging. „Heute sieht das anders aus“, weiß Helling. „In der Forschung ist viel passiert.“ Zusätzlich sei die Arbeit interdisziplinärer geworden. „Auch wenn der Arzt am Ende die Entscheidung trifft, im Team zählen die Meinungen aller“, erklärt Mechthild Schulten.

Trotz der Erfolge bleibe viel zu tun, etwa Vorurteile abzubauen. „Viele glauben, Hospiz heiße nur Händchenhalten“, sagt Schulten. „Neben der psychosozialen Kompetenz liegt unsere Stärke aber in allen Fragen der Schmerztherapie und Symptomlinderung.“ Daher wünsche sie sich für die nächsten 25 Jahre, „dass wir weiter als Fachleute angefragt werden“. Das gelte für Altenheime, die den ambulanten Hospizdienst anfragen, genauso wie für Fach- und Hausärzte oder Krankenhäuser.

Eine weitere Herausforderung bleibt auch die Akquise von Spenden: Um auf eine schwarze Null zu kommen, ist das Hospiz jährlich auf Gelder in Höhe von 300 000 Euro angewiesen, die vor allem von privaten Unterstützern kommen – Angehörige, Firmen, Schulklassen. „Wir sind dankbar über jede Zuwendung“, sagt Schulten.

>>Familienfest zum Jubiläum am Sonntag

Zum großen Familienfest am Sonntag, 2. Juli, von 11 bis 17 Uhr sind alle Bürger in den Steinhof eingeladen. Es gibt Führungen durch das Hospiz, Spiel und Spaß für Kinder, Kaffee, Kuchen, Würstchen und Livemusik. Eine Fachtagung findet zudem am Samstag, 1. Juli, statt. Mit vielen Workshops und Vorträgen: www.malteser-straphael.de

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