Schullandheim-Serie

Märchenhafte Zeit für Mutter und Tochter im Schullandheim

Schwelgten bei alten Fotos in Erinnerungen: Elke Preuß und Tochter Stephanie.

Schwelgten bei alten Fotos in Erinnerungen: Elke Preuß und Tochter Stephanie.

Foto: Zoltan Leskovar

Duisburg.  Erste Küsse, leckere Blechkuchen und tolle Ausflügen: Elke Preuß denkt wie ihre Tochter mit einem Lächeln an ihre Schullandheimzeit zurück.

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Gerd hieß er. Elke Preuß muss lachen, sie kann sich an ihren ersten Kuss im Schullandheim Ruppichteroth ganz genau erinnern. „Ich kam die Treppe rauf, war gerade auf dem Weg in mein Zimmer und da hat er es dann einfach mal gewagt...“ Tochter Stephanie sitzt neben ihr und macht große Augen. „Das wusste ich ja gar nicht.“ Die 72-Jährige muss wieder lachen und erzählt, dass sie damals 1961 mit der Abschlussklasse der Volksschule an der Tonstraße in Duissern für drei Wochen ins Bröltal im Rhein-Sieg-Kreis fuhr.

Mitten in der Natur

„Das erste Mal von zu Hause weg“, so die Hüttenheimerin. „Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt, obwohl die Zimmer sehr spartanisch eingerichtet waren. Das Haus liegt an einem Hang mitten in der Natur. Von der Terrasse blickte man direkt auf die Spitze der Dorfkirche.“

Klassenlehrerin Emma Bernsau verlegte den Unterricht ins Freie, die Schüler unternahmen aber auch viele Ausflüge, sind viel gewandert – zur Tropfsteinhöhle in Wiehl, zum Schloss Homburg oder zum eigens angelegten Märchenwald in Ruppichteroth. „Da waren überall Märchenfiguren, ich kann mich aber auch noch an Fjordpferde erinnern.“

Oberhalb des Schullandheims gab es eine große Fläche zum Federball oder Fußball spielen. „Der Weg dorthin war von Tannenbäumen gesäumt, das war sehr heimelig“, erzählt die Hüttenheimerin. Sie denkt auch mit einem Lächeln an die Heimleiterin zurück. „Sie hat jeden Tag leckeren Blechkuchen für die Kinder gebacken. Und morgens gab’s zum Frühstück selbstgemachte Marmelade mit Obst aus ihrem Garten und Quark dazu.“

25 Jahre später kehrte Elke Preuß mit der Klasse ihrer Tochter, die damals die Schule an der Heinrich-Bierwes-Straße besuchte, als Begleitung für eine Woche ins Bröltal zurück. „Die ganzen schönen Erinnerungen kamen sofort wieder hoch.“ Nur das eigene Kind war erst gar nicht begeistert, dass die Mama unbedingt mitfahren wollte. „Sie verstand sich dann auch noch mit allen Lehrern gut“, erzählt Stephanie Preuß mit einem Augenzwinkern. „Am Ende ging’s aber...“

Mit den Freundinnen ein Zimmer teilen, im Wald toben oder Tischtennis auf der Terrasse spielen – all das hat die 41-Jährige sehr genossen. „Der Klassenzusammenhalt war super und ich war zum ersten Mal so richtig verknallt“, erzählt sie mit einem Lächeln. „In Jörg...“ Ihren ersten Kuss hat sie bei ihrem ersten von insgesamt zwei Aufenthalten in Ruppichterroth allerdings nicht bekommen.

Apropos: Ihre Mutter hatte besagtem Gerd damals die überraschende Kussattacke schnell verziehen. „Er wohnt mittlerweile in Bayern“, sagt Elke Preuß. „Wenn wir uns bei Klassentreffen wiedersehen, lachen wir beide darüber.“

Zum Weinen ist ihr allerdings zu Mute, als sie erfährt, dass das Schullandheim längst geschlossen hat. „Das finde ich ganz schlimm.“ Aber die schönen Erinnerungen an die Zeit in Ruppichteroth bleiben Mutter und Tochter erhalten.

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