Lesung

Männerkuss in der „Lindenstraße“ wurde zum Fernsehskandal

Martin Armknecht berichtet in der „Säule“, was ihm 1990 – er war verheiratet und Vater – nach dem TV-Kuss widerfahren ist.

Foto: Fabian Strauch

Martin Armknecht berichtet in der „Säule“, was ihm 1990 – er war verheiratet und Vater – nach dem TV-Kuss widerfahren ist. Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Die Rolle des Robert Engel begleitet Schauspieler Martin Armknecht bis heute. In Duisburg liest er zum ersten Mal aus seinem Buch-Manuskript.

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Es war eigentlich nur ein Kuss – doch weil es zwei Männer waren, die Zärtlichkeiten austauschten, fühlte sich eine ganze Fernsehnation brüskiert. Der Kuss zwischen Carsten Flöter und Robert Engel, der im März 1990 in der „Lindenstraße“ gezeigt wurde, gilt als der erste homosexuelle Kuss der deutschen Fernsehseriengeschichte.

Welche Wellen dies schlug, davon erzählt Martin Armknecht, der damals den Schriftsteller Robert Engel spielte, in seinem noch nicht veröffentlichten Buch „Ich bin das Schwein aus der Lindenstraße“ – so seinerzeit der Bildzeitungs-Titel über den Aufreger.

Mit unterschiedlichen Programmen zu Gast

Zum ersten mal liest Armknecht vor Publikum aus seinem Manuskript am Freitag, 4. Mai, um 20 Uhr in der „Säule“ an der Goldstraße, denn „Säulen“-Chefin Martina Linn-Naumann und der Schauspieler kennen sich seit Jahrzehnten; Armknecht war mit unterschiedlichen Programmen zu Gast.

Mit so viel Aufmerksamkeit habe er damals gar nicht gerechnet, berichtet der Schauspieler. „Es war eine andere Zeit, die Reaktionen überschlugen sich. Ich wurde auf der Straße bespuckt und habe Morddrohungen bekommen“, sagt er. „Und ein Kardinal – den Namen möchte ich mal nicht nennen – hat den Intendanten des WDR angerufen und erzählt, ich hätte mich mit ihm getroffen und bitterlich geweint, dass der Produzent mich zu solchen Aufnahmen zwingt“, sagt Armknecht amüsiert. Glatt gelogen, denn diesen Kardinal hat der gebürtige Düsseldorfer und Wahl-Kölner nie kennengelernt.

Seine Rolle wanderte ins Gefängnis

Der Bayerische Rundfunk schnitt die Szene heraus. Und Armknecht bekam einen „Hetero-Ausgleich“ für seine Rolle als Robert Engel. „Das stand so im Vertrag, das Papier hab ich heute noch. Danach war ich ein bisexueller Drogendealer“, sagt der 56-Jährige, der anders als sein damaliger Drehpartner Georg Uecker heterosexuell ist. 1992 – seine Rolle wanderte ins Gefängnis – stieg Armknecht aus der „Lindenstraße“ aus, kehrte 2014 aber für ein paar Folgen zurück.

In seinem Buch erzählt er von seinen Anfängen als Schauspieler in den 80er Jahren, als sich die Aufklärung auf einem Höhepunkt befand, wie Armknecht glaubt. Das aufkommende Privatfernsehen spielte für ihn eine große Rolle. Armknecht spielte an der Seite von Götz George im Thriller „Der Sandmann“. „Das war der erste privat finanzierte Film“, sagt er.

Den Schwulen ohne Frauen-Attribute dargestellt

Die Kuss-Szene begleitet ihn bis heute: „Viele Männer kamen damals auf mich zu und erzählten mir, dass sie sich dadurch getraut haben, sich zu outen. Vor allem, weil ich den Schwulen als ganz normalen Mann und nicht mit Frauen-Attributen gespielt habe“, sagt Armknecht. „Ich habe keine Ahnung, wie es gewesen wäre, hätte es diesen Kuss nicht gegeben.“

Mit seinem Buch will er durchs Land touren. „Es ist allerdings keine Autobiografie, der Text ist durchaus ironisch und unterhaltsam. Und die Lesung wird mehr als nur eine Lesung“, verspricht er.

>> Karten gibt es in der Säule

- Die Lesung aus „Ich bin das Schwein aus der Lindenstraße“ beginnt am Freitag, 4. Mai, um 20 Uhr im Kleinkunsttheater „Die Säule“ an der Goldstraße 15 im Dellviertel.

- Karten (13,50, ermäßigt 12 Euro) gibt es u.a. in der „Säule“ unter 0203/ 20125 und an der Kasse des Stadttheaters an der Neckarstraße 1, 0203/ 283 62 100.

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